Kiew und Moskau drohen sich vor Weltkriegsparade gegenseitig
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von AgenturenKreml-Sprecher Peskow
Bild: APA/APA/AFP/POOL/ALEXANDER ZEMLIANICHENKO
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Vertreter mit Russland verbündeter Staaten davor gewarnt, am Samstag an der Weltkriegsparade in Moskau teilzunehmen. Russland rief indes angesichts eines möglichen Vergeltungsangriffs auf Kiew die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt und ausländische Diplomaten erneut dazu auf, die Stadt zu verlassen. Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium eine Feuerpause vom 8. bis zum 10. Mai angekündigt.
Ursprünglich war dies für den 8. und 9. Mai anberaumt. An diesen Tagen feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland mit einer Militärparade in Moskau. Die Ukraine wirft der Regierung in Moskau vor, die Waffenruhe diene lediglich dem Schutz der Parade vor ukrainischen Drohnenangriffen. Kiew bot stattdessen eine unbefristete Feuerpause ab dem 6. Mai an, was Russland bisher ignoriert.
"Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen", sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner allabendlichen Videoansprache und fügte an: "Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab." Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag: "Wir erinnern die Zivilbevölkerung von Kiew und die Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen erneut daran, dass sie die Stadt rechtzeitig verlassen müssen." Im Falle eines ukrainischen Angriffs werde Moskau "mit gleicher Münze zurückzahlen".
Keine Panzer bei Siegesparade am Samstag
Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen bei den Feierlichkeiten in Moskau anders als in den vergangenen Jahren aber keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät in Moskau auffahren. Die russischen Sicherheitsdienste bereiteten sich auf die Parade vor, insbesondere mit Blick auf die "terroristische Bedrohung" durch die Ukraine, sagte Peskow. Das gelte auch für die persönliche Sicherheit von Präsident Wladimir Putin. Der Kreml-Sprecher kündigte zudem weitere Internetblockaden in Moskau an. Diese seien nötig, um die Sicherheit der Einwohner zu gewährleisten.
Nach Drohungen aus Moskau mit einem "Vergeltungsschlag" auf Kiew hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Russland mangelnde Friedensbemühungen vorgeworfen. "Die heutigen Luftangriffe auf die Ukraine zeigen einmal mehr, dass Russland es nicht ernst meint, wenn es von Waffenruhe oder Frieden spricht", erklärte von der Leyen am Donnerstag im Onlinedienst X.
Ukrainische Armee attackierte russische Städte weit hinter der Front
Die ukrainische Armee hatte in den vergangenen Tagen russische Städte weit hinter der Front mit Drohnen attackiert. Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj rechtfertigte die Angriffe am Donnerstag in den sozialen Medien mit den Attacken Russlands. "Gestern und heute ist diese Waffenruhe von Russland gebrochen worden. Die spiegelbildliche Reaktion auf die russischen Angriffe sind unsere Langstrecken-Sanktionen" - gemeint sind Drohnenangriffe tief ins russische Hinterland.
Über Nacht seien 347 feindliche Drohnen in Russland abgefangen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Donnerstag mit. Diese Zahlen sind nicht unabhängig überprüfbar; es ist aber eine der höchsten je gemeldeten Zahlen. Betroffen waren demnach fast alle Regionen in West- und Zentralrussland. Der Bürgermeister von Moskau, Sergej Sobjanin, berichtete auf Telegram von insgesamt elf Drohnen, die beim Anflug auf die Hauptstadtregion abgeschossen worden seien.
Nach Angaben des Telegramkanals Baza wurden unter anderem aus der Stadt Rschew nordwestlich von Moskau Gebäudeschäden gemeldet. In Lettland stürzten unweit der russischen Grenze zwei nicht identifizierte Drohnen ab, was zeitlich mit den ukrainischen Angriffen zusammenfiel.
Ukraine: Russischer Raketenkreuzer beschossen
Das ukrainische Militär beschoss nach eigenen Angaben ein russisches Raketenschiff im Kaspischen Meer. Getroffen worden sei eine Korvette der Karakurt-Klasse, die auch Marschflugkörper vom Typ Kalibr abschießen könne, teilte der Generalstab in Kiew auf Facebook mit.
Das Ausmaß der Beschädigungen sei noch unklar. Dazu stellte das Militär eine Wärmebildaufnahme des Schiffs, das wohl von der angreifenden Drohne stammt. Standort der Korvette war demnach die Großstadt Kaspijsk in der russischen Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus. Unabhängig können die Angaben nicht überprüft werden.
Die Ukraine hat zuletzt mehrfach den Beschuss russischer Kriegsschiffe gemeldet. Neben Einheiten der Schwarzmeerflotte traf es auch Kriegsgerät der russischen Ostseeflotte.
Russland setzt in dem seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg gegen die Ukraine die Marine, darunter auch Einheiten im Kaspischen Meer, vorwiegend zum Beschuss ukrainischer Städte mit Raketen und Marschflugkörpern ein. Die Schäden, die insbesondere Kalibr-Lenkwaffen anrichten, sind dabei gewaltig.
Russischer Beschuss verursacht Waldbrand in der Ukraine
Bedroht durch russische Drohnen kämpfen indes ukrainische Forstleute gegen einen großen Waldbrand im nördlichen Gebiet Tschernihiw direkt an der Grenze zu Russland. Das Feuer sei durch russischen Beschuss ausgelöst worden und habe 2.400 Hektar Wald erfasst, teilte der staatliche Forstbetrieb Lissy Ukrajiny mit.
Zu dem Grenzgebiet bei den Orten Jelyne und Tychonowytschi hätten Förster aus Sicherheitsgründen schon lange keinen Zugang mehr gehabt. Mit Traktoren werde versucht, Schneisen zu ziehen, um das Ausbreiten der Flammen zu verhindern. Ständig seien feindliche Drohnen in der Luft, gegen die man sich mit Störsendern wehre. Trotzdem könne ein Großteil des mobilisierten Löschgeräts nicht eingesetzt werden. An diesem Abschnitt der Grenze gab es noch keinen Versuch der russischen Armee, in die Ukraine einzudringen.
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