Krise, Körper und Klang: donaufestival feiert mit "Mad Hope"
Veröffentlicht:
von AgenturenPeaches geht auf dem donaufestival-Publikum
Bild: APA/APA/donaufestival/David Visnjic/David Visnjic
Am Tag der Arbeit wurde in Krems die Welt der Hoffnung eröffnet: Das diesjährige donaufestival steht ganz unter dem Motto "Mad Hope". 60 Beiträge, von Musik über Performance bis hin zu Film und Diskurs, sollen an zwei Wochenenden Hoffnung gegen die Krisen und Kriege der Gegenwart geben. Zwischen Teenage-Angst-Akrobatik und der Electropunk-Ikone Peaches wurde am Samstag die ganze Spannbreite des Programms gezeigt.
"Danke, dass ihr die Peaches-Erfahrung genießt", ruft die Ikone, während sie die ersten Reihen mit einer Sektdusche begrüßt. Nach zehn Jahren Abstinenz in Krems wirkt es, als wäre sie nie weg gewesen. Die Punk- und Electroclash-Galionsfigur begeistert mit einer exzessiven Bühnenshow, provokanten Outfits und ihrem ersten neuen Album seit einem Jahrzehnt "No Lube So Rude".
Provokation und Publikumsnähe
Das donaufestival-Motto der verrückten Hoffnung soll Perspektiven verrücken, um an ein besseres Morgen glauben zu können. Die kanadische Sängerin Peaches verrückt Perspektiven und Grenzen zwischen Identität, Sexualität und gesellschaftlichen Normen seit den 1990er-Jahren. Zum dritten Mal beehrt die Sängerin das donaufestival, und ihr Auftritt ist der Höhepunkt des zweiten Festivaltages, der Kremser Stadtsaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Wie sehr Krems Merrill Nisker, bekannt als Peaches, vermisst hat, testet diese sofort: "Ihr müsst mich dann oben halten", kündigt sie an, bevor sie sich vom Publikum tragen lässt. Singend wird sie über die Menge bewegt. Auch abseits der Bühne mischt sie sich unter die Besucherinnen und Besucher und verbreitet ihren unverwechselbaren Sound. Das Publikum nimmt die radikale Offenheit der Sängerin begeistert auf und dankt mit tosendem Applaus.
Zwischen Wut und Sehnsucht: Körper als Ausdruck der Krise
Tosender Applaus verabschiedet auch die Gruppe fABULEUS und der belgische Choreograf Michiel Vandevelde nach der Performance "out of hands", in der sie die düstere Lebens- und Gedankenwelt von Jugendlichen in eindringliche, akrobatische Körperbilder übersetzen.
Beim Betreten der Halle 2 am Messegelände werden die Besucherinnen und Besucher von einem dumpfen, anhaltenden Ton empfangen und ein greller Scheinwerfer, direkt auf die Sitzreihen gerichtet, verhüllt zunächst die Bühne. Langsam steigert sich der Sound, Gesang setzt ein, und die Performance beginnt. "Diese Welt, von Milliardären und Psychopathen geschaffen, ist nicht meine." Diese Teenage-Angst-Studie wird von Gothic-, Industrial- und Metal-Klängen einer fünfköpfigen Live-Band begleitet, die auch selbst Teil der Performance wird. Ein Lichtstrahl formt einen zylindrischen, transparenten Raum, durchflutet von kühlem Blau-Türkis, in dem sich Tänzer und Tänzerinnen bewegen, ihre Körper verschmelzen mit Licht, Bewegung und Klang.
Kunstinstallation und Parallelwelt
Lichtinstallationen werden in Krems großgeschrieben. Während die frühsommerliche Abendsonne viele noch in den Stadtpark lockt, zieht es nach Sonnenuntergang die Menge ins Messegelände. Dort entsteht eine eigene Welt: ein großer Raum mit Sitzgelegenheiten, Getränkeständen und der Gruppenausstellung "Hope4Hope." von Masterstudierenden der Abteilung Cross-Disciplinary Strategies der Universität für angewandte Kunst Wien wird von einem Lichtermeer durchflutet.
Der Raum ist direkt mit Halle 2 verbunden, in der Gruppen wie Pain Magazine ihren Post-Hardcore- und Industrial-Techno-Sound durch gezielte Lichtinszenierung verstärken. Auch DJ Haram nutzt Licht als dramaturgisches Element, ihr Set beginnt mit gesprochenem Text, wie "In der Geschichte geht es darum, wie man die Apartheid beenden kann, die in unserer modernen Welt herrscht", den sie musikalisch untermalt. Die US-amerikanische Künstlerin hatte im Vorfeld mit politischen Aussagen für Diskussionen gesorgt. Die Einladung der Künstlerin wurde von der Gruppe "Artists against Antisemitism Vienna" wegen früherer politischer Aussagen, die von der Gruppe als antisemitisch bzw. terrorverherrlichend eingeordnet werden, kritisiert. In Krems beschränkten sich DJ Harams politische Aussagen auf die Sprechpassagen, die sie in ihre Sets einbaute.
(Von Lili Androsch/APA)
(S E R V I C E - donaufestival in Krems an der Donau, 1.-3.5. sowie 8.-10.5, https://www.donaufestival.at/de )
Mehr entdecken

Lustenau nach 2:0 gegen Bregenz kurz vor Bundesliga-Aufstieg

Trump: USA ziehen mehr US-Soldaten aus Deutschland ab

Fehlendes Deutsch laut Bildungsminister drängendstes Problem

Fünf Kinder bei Explosion an Lagerfeuer verletzt

Sechs Verletzte bei Wohnungsbrand in Steyr

Neues Album der Rolling Stones heißt "Foreign Tongues"
