Malis Verteidigungsminister bei Jihadisten-Angriff getötet
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von AgenturenVerteidigungsminister Sadio Camara wurde getötet (Archivbild)
Bild: APA/APA/AFP/FANNY NOARO-KABRE
Der Verteidigungsminister der Militärjunta in Mali, Sadio Camara, ist bei Angriffen von Jihadisten getötet worden. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Sonntag von seiner Familie sowie aus Regierungskreisen. Mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Jihadisten hatten gemeinsam mit der Tuareg-Rebellengruppe FLA am Samstag Angriffe auf die Armee gestartet. Die Kämpfe dauerten am Sonntag an. In Malis Hauptstadt Bamako wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.
Bei dem Angriff in Kati - einem als Hochburg der Junta geltenden Vorort der Hauptstadt Bamako - "wurden Minister Camara und seine zweite Frau getötet (...)", berichtete ein Familienmitglied. "Wir haben einen sehr geliebten Menschen verloren, den Verteidigungsminister. Er ist auf dem Feld der Ehre gefallen", hieß es aus Regierungs- und Armeekreisen.
In Mali führen seit Samstag mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Jihadisten gemeinsam mit der Tuareg-Rebellengruppe FLA landesweit koordinierte Angriffe auf die Armee aus. Die Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) erklärte am Samstag, ihre Kämpfer hätten die Wohnhäuser von Junta-Chef Assimi Goita und Verteidigungsminister Camara angegriffen. Auch der internationale Flughafen von Bamako und weitere Ziele seien attackiert worden. Die Kämpfe dauerten am Sonntag an.
Nächtliche Ausgangssperre in Bamako
In Malis Hauptstadt Bamako wurde am Sonntag eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Sie gelte in der Zeit von 21.00 Uhr bis 06.00 Uhr und könne bei Bedarf verlängert werden, hieß es in einer Anordnung des Bezirksgouverneurs. Das Militär hatte am Samstagabend von umfangreichen Durchsuchungen in Bamako und den anderen angegriffenen Städten berichtet und betont, die Lage sei unter Kontrolle. Der Flughafen von Bamako, der am Samstag den Betrieb wegen Kämpfen in der Umgebung eingestellt hatte, war am Sonntag wieder geöffnet.
Tuareg-Rebellen melden Einnahme der Stadt Kidal
Die Tuareg-Rebellengruppe FLA erklärte allerdings, sie habe die Stadt Kidal im Norden des Landes eingenommen. "Unsere FLA-Truppen kontrollieren Kidal, den größten Teil von Kidal", erklärte FLA-Sprecher Mohamed Elmaulud Ramadan. Der Gouverneur von Kidal habe sich "mit seinen Männern im ehemaligen Lager der Minusma" verschanzt, fügte er unter Verweis auf die 2023 abgewickelte UNO-Mission hinzu.
In Bamakos Nachbarstadt Kati waren zahlreiche Schüsse zu hören, wie die AFP aus mehreren Quellen erfuhr. In Kati befindet sich die Residenz des Militärjunta-Chefs Goita. Bewohner des Vororts veröffentlichten Bilder in Onlinenetzwerken, die ihre beschädigten Häuser zeigten.
Bei der Residenz von Verteidigungsminister Camara soll es Anwohnern zufolge eine heftige Explosion gegeben haben. Das Umfeld des Generals wies aber Gerüchte zurück, wonach Camara bei der Detonation verletzt wurde. Gefechte wurden auch aus Gao, der größten Stadt im Norden Malis, und der Ortschaft Sévaré gemeldet.
Guterres verurteilt Gewalt in Mali
UNO-Generalsekretär António Guterres verurteilte am Samstag die "Gewalttaten" in Mali. Er rief zudem zu koordinierter internationaler Unterstützung auf, um der "Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus und Terrorismus in der Sahelzone zu begegnen", teilte sein Sprecher mit.
Mali wird seit vielen Jahren von massiver Gewalt erschüttert. Die seit zwei Putschen in den Jahren 2020 und 2021 herrschenden Militärs sehen sich unter anderem mit einer Rebellion islamistischer Extremisten konfrontiert, die immer wieder Anschläge und Angriffe auf Regierungstruppen verüben. Auch sind kriminelle Banden in dem Land aktiv.
Die Angriffe auf Regierungstruppen am Samstag hatten nach Einschätzung von Beobachtern aber eine neue Qualität. "Wir haben es mit einer riesigen koordinierten Offensive im ganzen Land zu tun, wie wir es seit 2012 nicht mehr gesehen haben, als die Regierung das halbe Land verloren hat", sagte Charlie Werb vom Sicherheitsberatungsunternehmen Aldebaran Threat Consultants der AFP. In Bamako habe es ein "schweres Sicherheitsversagen" gegeben.
2024 waren bei einem Doppel-Angriff auf den Militärflughafen von Bamako und die nahe gelegene Gendarmerieschule mehr als 70 Menschen getötet worden. Den Angriff damals reklamierte der Al-Kaida-Ableger JNIM für sich.
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