Militärexperte zu Ukraine-Krieg: "China hat es in der Hand"

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von Agenturen

Militärexperte Markus Reisner

Bild: APA/HELMUT FOHRINGER


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Im Ukraine-Krieg ist "China momentan der Player". Der Militärexperte Markus Reisner erklärt, dass China "es in der Hand hat", ob und in welcher Art und Weise der Krieg weiter verlaufe, ob es lange dauere oder zu einer Art Einigung komme. Das hätten die Besuche von US-Präsident Donald Trump und kurz danach vom russischen Machthaber Wladimir Putin in Peking gezeigt. Die Ukraine ihrerseits sei mittlerweile besser aufgestellt: Und der Krieg ist in Moskau angekommen.

Präsident Xi Jinping habe Trump gegenüber "alles aufgeboten, was China zu bieten hat", schilderte Reisner gegenüber der APA. Dass Russland unmittelbar danach eine Militärübung mit Atomwaffen in Belarus durchführt, sei wohl kein Zufall, sagte der Bundesheer-Analyst von der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt am Rande des Europa-Forums Wachau.

China steht an der Seite Russlands

Trump seinerseits habe sich wiederum sehr zurückhaltend geäußert und erkannt, dass er es sich nicht mit China verscherzen dürfe. Gleichzeitig "muss man klar feststellen, dass China an der Seite Russlands steht". Reisner erinnerte an den Besuch des chinesischen Außenministers vergangenes Jahr in Brüssel. Gegenüber der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas habe Wang Yi gesagt, dass Peking kein Interesse daran habe, dass Russland diesen Krieg verliert, denn dann würden sich die USA ja China zuwenden.

Russland bringe China auch Vorteile. "Russland ist natürlich im Falle einer weiteren Expansion der Angriffsführung der USA der einzige wirkliche verlässliche Rohstofflieferant." Bereits jetzt würden knapp 40 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland über die Power-of-Siberia-Pipeline nach China gehen. Eine zweite Pipeline mit einer Kapazität von 50 Milliarden sei in Bau. "Das reduziert die Abhängigkeit Chinas von exponierten Förderstätten, wie zum Beispiel im Nahen Osten."

Enorme Fortschritte in ukrainischer Drohnenproduktion

Die Lage im Ukraine-Krieg selbst verglich Reisner mit einem Boxkampf. Seiner Zählart nach befindet sich der Krieg in Runde 10. Die 9. Runde sei für die Ukraine schlimm verlaufen, wegen schweren Luftangriffen auf kritische Infrastruktur wie Wärme- und Stromkraftwerke im Winter bei extremer Kälte. Nun sei es Kiew gelungen, was den Bau von weitreichenden Drohnen und die Versorgung mit entsprechenden Bauteilen betrifft, in Kooperation mit europäischen Unternehmen "enorme Fortschritte zu machen". Dies habe "in letzter Konsequenz den Krieg schlussendlich nach Russland getragen".

Ob die Ukraine auch gewinnen kann? Diese Frage beantwortete Reisner nicht eindeutig. In dem aktuellen industrialisierten Abnutzungskrieg gebe es große Herausforderungen, nämlich unter anderem die Demografie. Während Russland immer noch offensichtlich genug Freiwillige aufbringe, wobei es auch schon schwieriger werde, habe die Ukraine das große Problem, eigentlich die 18- bis 25-Jährigen mobilisieren zu müssen. "Und das ist aber die Zukunft des Landes." Sollten die Jungen kämpfen müssen, könnte dies gleichzeitig die Zukunft der Ukraine gefährden. Insofern wäre zu hoffen, dass die Russen derart unter Druck kämen, sodass es möglich wäre, eine Lösung zu finden oder den Konflikt zumindest einzufrieren. Würde die Ukraine nämlich in den Angriff gehen, um Gebiete wieder zurückzuerobern, sei dies wohl - wie jetzt auf russischer Seite - mit schwersten Verlusten verbunden.

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Weltraum an Bedeutung gewonnen

Der russische Angriffskrieg habe auch gezeigt, dass die Domaine des Weltraums an Bedeutung zugenommen habe. Drohnen würden auch über Satellitenkommunikation gesteuert, etwa über Elon Musks Starlink. Zudem gehe es darum in der digitalisierten Welt, vernetzt zu sein, und die Satellitenkommunikation zu schützen. Andererseits diene sie dem Zweck der Aufklärung, also um zum Beispiel vorausschauend erkennen zu können, ob es einen potenziellen Angriff gibt. Um hier nicht auf der Strecke zu bleiben, müsse Europa Defizite ausmerzen.

"Und das ist auch für Österreich relevant", sagte Reisner. Darum gebe es auch auf österreichischer Seite die Initiative, in gewissen Sparten Fähigkeiten aufzubauen, die sehr wichtig für das Bundesheer seien. Konkret ist Österreich eine Kooperation mit einigen Ländern eingegangen, um Satelliten ins Weltall zu schießen, "wo diese in der Lage sind, eine definierte, auf den eigenen Bedarf abgestimmte Lageerfassung und Aufklärung zu betreiben, aber auch Kommunikation durchzuführen".

Mehr Kooperation in Europa wünscht sich Reisner auch bei der Drohnenabwehr. Es gebe bereits "sehr viele auch private Institutionen in der Wirtschaft und nicht nur die Streitkräfte, die hier gezielt Fähigkeiten zu entwickeln". Österreich sei dabei: Österreich habe einige Waffensysteme, die gerade modernisiert oder beschafft würden und dann im nahen wie mittleren Bereich auch in der Lage wären, Drohnen zu detektieren und abzuwehren. Besonders viel Innovationskraft habe die Ukraine in die Entwicklung von Drohnen gesteckt. Auch hier gebe es Kooperationen sowie Know-how-Transfer.

Selbst an der Militärakademie Wiener Neustadt wurden bereits einige ukrainische Drohne nachgebaut. "Um den angehenden Offizieren zu zeigen, wie einfach aber trotzdem innovativ und wirksam diese Systeme funktionieren, wie man sie einsetzen und wie man sich dagegen wehren kann", berichtete Reisner.

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