Neun Tote nach Israel-Angriffen im Libanon

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von Agenturen

Erneute Attacke Israels

Bild: APA/APA/AFP/-


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Bei israelischen Angriffen im Süden des Libanon sind der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA zufolge mindestens neun Menschen getötet worden. Vier Menschen seien bei einem Angriff auf das Dorf Adlun getötet worden, berichtete NNA am Mittwoch unter Berufung auf das libanesische Gesundheitsministerium. Weitere zwei Menschen seien bei einem Angriff auf eine Wohnung im Flüchtlingslager Mieh Mieh getötet worden, bei dem vier weitere Menschen verletzt worden seien.

NNA berichtete zudem über einen israelischen Angriff auf das Dorf Habbush im Südlibanon. Dabei seien mindestens drei Menschen getötet und 18 weitere verletzt worden. Bei israelischen Angriffen im Libanon sind nach Behördenangaben seit Ausbruch der jüngsten Eskalation Anfang März 42 Sanitäter getötet worden. Bei einem jüngsten Vorfall am Montag seien zwei Sanitäter bei einem israelischen Angriff auf ihr Motorrad getroffen worden und umgekommen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die beiden Männer seien auf dem Weg zu einem Einsatz und in Uniform gekleidet gewesen. Ihr Motorrad sei mit Warnleuchten ausgestattet gewesen.

Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Zuvor hatte sie die Bewohner der südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut zur Evakuierung aufgerufen und vor bevorstehenden Angriffen gewarnt. Die Armee greife dort "Infrastruktur der terroristischen Hisbollah" an, erklärte der arabischsprachige israelische Armeesprecher Avichay Adraee im Onlinedienst Telegram.

Hisbollah-Chef lehnt Verhandlungen bei anhaltenden Kämpfen ab

Die Hisbollah will so lange keine Gespräche mit Israel führen, wie die Angriffe auf ihre Stellungen im Libanon anhalten. Wenn Verhandlungen "unter Beschuss" vorgeschlagen würden, wäre dies ein "Aufzwingen einer Kapitulation", sagte Hisbollah-Chef Naim Qassem am Mittwoch in einer vom Sender der Miliz verbreiteten Mitteilung. Er wies damit einen Vorschlag des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun zurück, direkte Verhandlungen mit Israel zu beginnen.

Qassem rief das libanesische Volk auf, sich für die "nationale Einheit" einzusetzen. Dies könne erreicht werden, wenn die Regierung ihre Entscheidung zurücknehme, die militärischen Aktivitäten der Hisbollah zu verbieten.

Kommandozentrale angegriffen

In der Nacht habe das Militär unter anderem eine Kommandozentrale in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut, Mitglieder der Miliz sowie Tankstellen, die sie zur Finanzierung nutze, angegriffen, teilte das Militär mit. Die Tankstellen werden von Al-Amana betrieben, einer mit der Hisbollah verbundenen Organisation. Sie sind Teil des parallelen Wirtschaftssystems, das die Hisbollah im Libanon etabliert hat. In Zeiten von Treibstoffmangel aufgrund der Wirtschaftskrise im Land konnte die Hisbollah über Al-Amana ihre Anhänger bevorzugt versorgen und so ihre Basis stärken, während staatliche Tankstellen leer blieben.

Die israelische Armee teilte zudem mit, dass sie ihre "gezielten Bodeneinsätze" im Südlibanon fortsetze, um in der Nähe zur israelischen Grenze gegen die Hisbollah vorzugehen. Im Libanon haben viele Menschen unterdessen Angst, dass Israel eine großangelegte Bodenoffensive beginnen und den Süden ihres Landes besetzen könnte.

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Israelische Grenzstadt beschossen

Die vom Iran unterstützte Schiitenorganisation feuerte unterdessen mehrfach Drohnen und Raketen Richtung Israel. Die Miliz selbst teilte mit, sie habe mehr als Hundert Raketen Richtung Israel und auf israelische Soldaten im Südlibanon abgefeuert. Laut der israelischen Polizei wurde auch eine Grenzstadt in Israel mit Streumunition beschossen. "Vor einer kurzen Zeit haben Hisbollah-Terroristen ihre Version von Raketen mit Streumunition auf ein Wohngebiet im Norden abgefeuert", sagte ein israelischer Polizeisprecher in Kiryat Shmona. Das Geschoss sei in der Nähe eines Spielplatzes eingeschlagen, es sei niemand verletzt worden. Sprengstoffexperten hätte die gefährlichen Teile der Munition gesichert und eingesammelt. Die Hisbollah teilte derweil mit, sie habe israelische Soldaten in Kiryat Shmona mit Drohnen angegriffen.

Iranische Raketenteile im Libanon abgestürzt

Im Libanon sind nach ersten Militärangaben Teile einer iranischen Rakete abgestürzt. Die libanesische Armee teilte mit, dass das eigentliche Ziel außerhalb des libanesischen Territoriums gelegen haben müsse. Die Rakete sei in großer Höhe explodiert. Als mögliche Ursachen würden eine technische Fehlfunktion oder der Abschuss durch eine Abfangrakete in Betracht gezogen. Der Vorfall ereignete sich am Dienstagnachmittag. Das israelische Militär teilte bereits am Abend mit, dass eine iranische Rakete auf libanesisches Territorium gefallen sei.

Unter Bewohnern war Panik ausgebrochen, als nach dem Absturz der Raketenteile Explosionen nahe der US-Botschaft unweit der Hauptstadt Beirut zu hören waren. Bei der Küstenstadt Jounieh schlugen Trümmer ein. Es gab die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Der Iran äußerte sich bisher nicht.

Konflikt eskaliert

Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Hisbollah wieder massiv. Die libanesische Miliz feuert seither immer wieder Raketen und Drohnen auf israelisches Staatsgebiet. Israel beschießt Hisbollah-Ziele im Libanon und rückte inzwischen auch mit Bodentruppen auf libanesisches Territorium im Grenzgebiet vor.

Der israelische Außenminister Gideon Saar forderte den UNO-Sicherheitsrat in einem Schreiben auf, die pro-iranische Miliz als Terrororganisation einzustufen. Seit dem 2. März habe die Hisbollah mehr als 3.500 Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert, schrieb Saar auf der Plattform X. Die Hisbollah-Angriffe richteten sich gegen dieselben Einwohner, die die Regierung nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 aus Nordisrael evakuiert habe, so Saar.

Israels Verteidigungsminister Israel Katz kündigte am Dienstag an, die Armee wolle im Südlibanon die Kontrolle über das Gebiet bis zum Fluss Litani übernehmen. Der Fluss spielt seit Jahren eine wichtige Rolle bei den israelischen Bemühungen, die Hisbollah-Miliz zurückzudrängen.

Die Regierung in Beirut hatte im vergangenen Jahr die Armee angewiesen, bis Ende 2025 die militärische Infrastruktur der Hisbollah südlich des Litani zu zerstören und die pro-iranische Miliz anschließend auch im Rest des Landes zu entwaffnen. Aus Israels Sicht setzte die libanesische Armee dieses Vorhaben jedoch nur unzureichend um.

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