Papst besucht durch Abfälle verseuchte "Terra dei Fuochi"
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von AgenturenPapst Leo XIV. zu Besuch in Acerra
Bild: APA/APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE
Papst Leo XIV. ist am Samstag im süditalienischen Acerra eingetroffen, einer der am stärksten von Umweltverschmutzung betroffenen Gemeinden der sogenannten "Terra dei Fuochi" (Feuerland). Über Jahrzehnte vergrub und verbrannte die Mafia in Teilen der Region Kampanien Millionen Tonnen gefährlicher Abfälle und verseuchte damit Böden, Luft und Grundwasser. Bis heute leidet die Bevölkerung unter den Folgen, während weiterhin illegal Müll entsorgt wird.
Der Papst kam in die Kathedrale von Acerra, wo Familien von Opfern der Umweltverschmutzung auf ihn warteten. Nach Angaben italienischer Medien feierten rund 12.000 Menschen den Pontifex bei seiner Ankunft. Der Besuch gilt in der Region als Zeichen der Hoffnung. Der Bischof von Acerra, Antonio Di Donna, schilderte Leo XIV. die dramatische Umweltlage und verlas die Namen der jüngsten Opfer der Umweltverschmutzung. Während seiner Ansprache musste der Bischof seine Rede aus Rührung kurz unterbrechen.
Papst plädiert für Zusammenarbeit im ökologischen und sozialen Bereich
In seiner Ansprache in der Kathedrale appellierte der Papst an Kirche, Institutionen und Bevölkerung, sich gemeinsam gegen Umweltzerstörung, Korruption und Gleichgültigkeit zu stellen. Es gelte, "eine Kultur der Privilegien, der Arroganz der Macht und der fehlenden Rechenschaftspflicht zu überwinden", die dieser Region wie auch vielen anderen Gebieten Italiens und der Welt schweren Schaden zugefügt habe. "Gott möge neue Formen der Zusammenarbeit sowie der ökologischen und sozialen Erneuerung inspirieren", sagte der Papst.
Besonders wandte sich Leo XIV. an die Familien der Opfer von Umweltverschmutzung und illegaler Müllentsorgung. Er rief er dazu auf, den Groll hinter sich zu lassen und selbst jene Gerechtigkeit vorzuleben, die sie fordern. Die Menschen von Acerra rief der Papst auf, Zeugen eines "hartnäckigen Widerstands" zu sein, der zur Wiedergeburt führen könne. Entscheidend seien Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Institutionen, Bildung, Ehrlichkeit in der Arbeitswelt sowie eine gerechte Verteilung von Macht und Wohlstand.
Trotz der scheinbar ausweglosen Situation dürfe die Hoffnung nicht verloren gehen, sagte Leo XIV. Die Kriminalität, die Korruption und die Gleichgültigkeit schienen zwar weiterhin zu herrschen, doch Gott könne "die Wüste zum Blühen bringen" und "Trauer in Freude verwandeln". Der Papst prangerte "gewissenlose Personen und Organisationen" an, die bisher zu lange ungestraft handeln konnten. Zugleich dankte Leo XIV. insbesondere der Kirche vor Ort, die den Mut gehabt habe, Missstände anzuprangern und den Menschen Hoffnung zu geben.
Elfter Jahrestag der Umwelt- und Sozialenzyklika "Laudato si'"
An der Zeremonie nahm auch der als bekannte Priester Maurizio Patriciello teil, der sich seit Jahren gegen die Mafia und Umweltverbrechen engagiert. Patriciello forderte ein Ende der "Verwüstung". Unternehmer dürften nicht weiter produzieren und anschließend zur Kostensenkung Böden verseuchen sowie Menschen krank machen oder töten. "Das können sie nicht tun. Schluss damit", sagte der Priester laut Medienberichten.
Zugleich kritisierte Patriciello jene, die die Existenz der "Terra dei Fuochi" jahrelang bestritten hätten. Wer dies aus wirtschaftlichen Interessen getan habe, müsse sich schämen und um Vergebung bitten. Viele Menschen hätten die Tragweite des Problems lange unterschätzt, sagte der Priester. Er selbst habe das Ausmaß erst nach und nach erkannt - ausgelöst durch "den Schrei eines leidenden Volkes".
Der Besuch der Papstes in Acerra findet anlässlich des elften Jahrestages der Umwelt- und Sozialenzyklika "Laudato si'" von Papst Franziskus statt und steht ebenfalls unter diesem Titel. Die Reise war bereits unter Franziskus geplant, musste jedoch wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.
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