Salzburger Pfingstfestspiele mit Rossini-Show eröffnet
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von AgenturenDas Ensemble beim Probestart
Bild: APA/APA/© SF/Jan Friese/Jan Friese
Wer bei Gioachino Rossinis "Il Viaggio a Reims" nach psychologischer Entwicklung oder dramatischem Sog sucht, ist im falschen Stück gelandet. Die 1825 zur Krönung Karls X. entstandene Oper funktioniert vor allem als prachtvolles Sängerfest und als kunstvoll aufgefädelte Folge großer Auftritte. Barrie Kosky machte daraus bei der Premiere der Salzburger Pfingstfestspiele am Freitag im Haus für Mozart eine pausenlos rotierende Hotelkomödie mit Hang zum kontrollierten Wahnsinn.
Schon zu Beginn quollen die Figuren nur so durch eine zentrale Drehtür auf die Bühne: tanzende Pagen hüpften über große Koffer, Damen in grellen Reifröcken stolzierten aufgebracht durchs Hotel und überhaupt wurde immer irgendwo gerannt oder geschrien. Kosky setzte von Anfang an auf maximale Bewegung. Dabei blieb kaum eine Gelegenheit ungenutzt, einen zusätzlichen Gag unterzubringen. Das passte durchaus zur Konstruktion des Stücks, das weniger Handlung erzählt als Eitelkeiten, nationale Klischees und Gesangsnummern aneinanderreiht.
Die Regie zog diese Revuehaftigkeit konsequent durch und verschaffte dabei auch den zahlreichen Solisten wirkungsvolle Auftritte. Besonders in den Ensembleszenen entwickelte die Produktion ihre stärkste Wirkung, etwa wenn Hotelgäste synchron aus ihren Zimmern sprangen oder Pagen wie Figuren aus einem Mickey-Mouse-Comic durch die schwarz-weiße Kulisse dribbelten (Bühne: Rufus Didwiszus). Auch das Schlussbild einer prunkvoll gedeckten Tafel, an der die zuvor von Victoria Behr bunt und opulent gekleideten Gäste plötzlich in Schwarz erschienen, setzte einen ästhetisch reizvollen Kontrast.
Dauerkomik auf Kosten von Rossinis Musik
Allerdings verlangte Koskys Dauerbetrieb der Komik seinem Publikum über gut drei Stunden hinweg erstaunlich wenig eigene Denkarbeit ab. Die Pointen wurden demonstrativ ausgespielt und die pausenlose Bühnenaktion überdeckte immer wieder Rossinis musikalische Raffinesse. Gerade dort, wo die Inszenierung kurz Ruhe zuließ, wurde hörbar, wie fein gearbeitet diese Partitur eigentlich ist. Gianluca Capuano hielt den Abend mit Les Musiciens du Prince - Monaco musikalisch präzise zusammen. Vor allem in den orchestralen Passagen gegen Ende entfalteten Rossinis federnde Rhythmen und farbenreiche Melodien ihren Reiz. Das Orchester spielte mit hörbarer Lust am italienischen Klang und großer rhythmischer Genauigkeit.
Gesanglich präsentierte sich die prominent besetzte Produktion durchwegs homogen. Melissa Petit überzeugte als Contessa di Folleville mit einer außergewöhnlich feinen, zarten Stimme und großem Gespür für komische Überzeichnung. Marina Viotti setzte als Marchesa Melibea einen dunkel timbrierten und temperamentvollen Gegenpol. Florian Sempey wiederum kostete als Don Profondo die Karikatur nationaler Eigenheiten mit sichtbarer Freude an der Imitation aus. Im Zentrum des Abends stand dennoch Cecilia Bartoli. Die Pfingstfestspielintendantin machte aus Corinna beinahe eine Selbstinszenierung. Denn gefeiert wurde in Koskys Version nicht die Krönung eines Königs, sondern das Jubiläum einer "Königin Ceci", eine augenzwinkernde Anspielung auf Bartoli selbst. Stimmlich präsentierte sie sich weiterhin flexibel, strahlend und technisch bemerkenswert souverän. Besonders in ihrer Schlussarie spielte sie diese Stärken wirkungsvoll aus und ließ die Musik für kurze Zeit über den ganzen Bühnenbetrieb triumphieren.
Das Publikum feierte die Premiere mit viel Gelächter, Szenenapplaus und großem Jubel zum Abschied. Kosky und Bartoli lieferten damit genau jene opulente Mischung aus Stars, Tempo und Unterhaltung, die das Publikum der Pfingstfestspiele seit Jahren zuverlässig begeistert. Heuer geriet dabei leider die Musik etwas unter die Räder.
(Von Larissa Schütz / APA)
(S E R V I C E - "Il Viaggio a Reims" von Gioachino Rossini. Musikalische Leitung: Gianluca Capuano, Regie: Barrie Kosky, Bühne: Rufus Didwiszus, Kostüme: Victoria Behr, Mit: Cecilia Bartoli (Corinna), Marina Viotti (Marchesa Melibea), Melissa Petit (Contessa di Folleville), Tara Erraught (Madama Cortese), Edgardo Rocha (Cavalier Belfiore), Dmitry Korchak (Conte di Libenskof), Ildebrando D'Arcangelo (Lord Sidney), Florian Sempey (Don Profondo), Misha Kiria (Barone di Trombonok), Peter Kellner (Don Alvaro), Giovanni Romeo (Don Prudenzio), Helena Rasker (Maddalena), Salvatore Taiello (Don Luigino), Galia Bakalov (Delia), Federica Spatola (Modestina), Rodolphe Briand (Zefirino), Rafał Pawnuk (Antonio), Chor der Opera de Monte-Carlo, Choreinstudierung: Stefano Visconti, Les Musiciens du Prince - Monaco. Eine weitere Vorstellung am 25. Mai. www.salzburgerfestspiele.at )
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