Papst will Flüchtlingsdrama auf Kanaren sichtbar machen

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von Agenturen

Papst Leo XIV.

Bild: APA/APA/AFP (Archiv)/TIZIANA FABI


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Noch nie hat ein Papst die Kanarischen Inseln besucht. Doch nun besucht Leo XIV. im Zuge seiner am Samstag beginnenden Spanien-Reise auch die Atlantik-Inseln vor der Küste Westafrikas. Der Grund: Das Oberhaupt der katholischen Kirche möchte das dortige Flüchtlingsdrama für die ganze Welt sichtbar machen. Das weltweite Migrationsdrama liegt dem Papst am Herzen.

Er kritisierte den Präsidenten seiner Heimat USA scharf für die Verfolgung und Ausweisung vermeintlich illegaler Einwanderer, weshalb er sogar den Zorn von Donald Trump auf sich zog.

Vergangenen April stellte der Papst zuletzt auch auf seiner Afrikareise klar, jeder Staat hätte zwar ein Recht auf die Kontrolle seiner Grenzen und es bedürfe einer geregelten Migration. Doch kritisierte er die unmenschliche Behandlung von Menschen, die vor Leid fliehen - auch in Europa. "Migranten sind Menschen und müssen als solche mit Respekt und Würde behandelt werden und dürfen nicht schlechter als Tiere behandelt werden", sagte der Pontifex mit klaren Worten.

Schon Papst Franziskus hatte Besuch auf den Kanaren geplant

Eigentlich plante bereits sein Vorgänger auf dem Petrusstuhl aus genau diesem Grund einen Besuch auf den Kanaren. Doch bevor die Reise konkret wurde, verstarb Papst Franziskus. Nun fliegt Leo XIV. in dieser Mission nach Aufenthalten in Madrid und Barcelona auf die spanischen Ferieninseln.

Er wird zwar gerade einmal 24 Stunden auf den Kanarischen Inseln verbringen. Am 11. Juni besucht er Gran Canaria, am Tag darauf ist er für nur wenige Stunden auf Teneriffa. Doch für die Regionalregierung und in der Migrationshilfe arbeitende Organisationen ist der Besuch von enormer Bedeutung.

Die internationale Medienaufmerksamkeit des Papst-Besuchs sei laut dem Präsidenten der Insel, Fernando Clavijo, eine "Chance, um den Druck auf Spanien und die EU zu erhöhen, stärker auf Rettung, Aufnahme und Verteilung von Migranten zu reagieren". Die Kanaren seien durch die jüngsten Flüchtlingswellen "sozial und infrastrukturell an ihre Grenzen gekommen" und brauchen Unterstützung.

Vor besondere Herausforderungen stellte dabei vor allem die zunehmende Zahl unbegleiteter Minderjährige die Aufnahmestrukturen der Inseln. Mit 5.000 Minderjährigen wurden die Aufnahmekapazitäten nahezu um ein Dreifaches übertroffen. Erst nach langen politischen Verhandlungen und Streitereien erklärten sich Regionalregierungen auf dem spanischen Festland dazu bereit, einige Hundert minderjährige Migranten von den Kanaren zu übernehmen - wozu sie rechtlich eigentlich sowieso verpflichtet sind.

UNO-Generalsekretär Guterres warnt vor humanitärer Notlage in Sahelregion

Nachdem die Europäische Union vor Jahren größtenteils die Mittelmeer-Route über die Türkei und Griechenland blockierte, seien die Kanaren zum "neuen Eingangstor nach Europa" geworden. Tatsächlich wichen vor allem die Migrationsströme aus Afrika auf die Kanaren aus. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Migranten zwar aufgrund besserer Sicherungen der Seewege durch Marokko, Mauretanien und den Senegal zurück, wofür sich diese afrikanischen Küstenstaaten gut von der Europäischen Union bezahlen ließen. Doch 2024 erreichten fast 50.000 afrikanische Bootsflüchtlinge die Inseln.

"Die Migrationsströme werden aber durch Grenzkontrollen nicht abnehmen. Sobald die Witterungsbedingungen im Atlantik gut sind und die Notlage der Menschen in ihren Herkunftsländern sich verschlechtert, müssen wir wieder mit einer neuen Flüchtlingswelle rechnen", versichert Victor González, Migrationsleiter der katholischen Caritas und der Diözese auf Teneriffa im Gespräch mit der APA.

Und das könnte schon früher der Fall sein als erwartet. Vor kurzem warnte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres aufgrund zunehmender bewaffneter Konflikte und wachsender Ernährungsunsicherheit vor einer humanitären Notlage in der zentralafrikanischen Sahelregion.

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"Atlantik-Route gehört zu den tödlichsten Migrationsrouten der Welt"

Bei einer Konferenz der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba rief Guterres zum Dialog und zur Zusammenarbeit zwischen den Ländern der Region auf, um "gewalttätigen Extremismus und Terrorismus" zu bekämpfen.

Außerdem warnte er davor, dass Konflikte in anderen Weltregionen - insbesondere im Nahen Osten - auch Afrika destabilisieren könnten. Dabei verwies er auf die wirtschaftliche Verwundbarkeit vieler afrikanischer Staaten, etwa durch Störungen wichtiger Handelsrouten wie der Straße von Hormuz.

"Viele Menschen werden sterben, wenn sie sich deswegen von der Westküste Afrikas auf den Weg zu den Kanaren machen. Die Atlantik-Route gehört zu den tödlichsten Migrationsrouten der Welt", versichert Caritas-Koordinator González. Nicht nur wegen der langen Strecke von teils über tausend Kilometern oder den schwierigen Navigationsbedingungen auf dem rauen Atlantik. "Wenn ein Boot die Kanaren verpasst, treibt es auf den offenen Atlantik."

Selbst auf Kuba und in Miami wurden bereits Boote mit Skeletten angetrieben. Laut Schätzungen der spanischen Flüchtlingsorganisation Caminando Fronteras kamen im vergangenen Jahr fast 2.000 Bootsflüchtlinge - darunter auch viele Kinder - auf der Überfahrt auf die Kanaren um. "Die Anwesenheit des Papstes ermöglicht es uns, der Welt erneut die humanitäre Notlage der Migranten auf den Kanaren vor Augen zu führen", hofft auch Teneriffas Bischof Eloy Santiago im Gespräch mit der APA.

(Von Manuel Meyer/APA)

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