Premier des Libanon: Revolutionsgarden befehligen Hisbollah
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von AgenturenLibanon: Zwischen Iran und Israel aufgerieben
Bild: APA/APA/AFP/RABIH DAHER
Die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon wird in ihrem Krieg gegen Israel nach Angaben des libanesischen Regierungschefs Nawaf Salam von Mitgliedern der iranischen Revolutionsgarden befehligt. Die Revolutionsgarden seien "hier präsent und führen leider die Militäroperation im Libanon", sagte Salam am Sonntag in einem Interview mit dem saudi-arabischen Sender Al-Hadath. "Diese Leute besitzen gefälschte Pässe und sind illegal ins Land gekommen", fügte er hinzu.
Für den Angriff auf den britischen Militärstützpunkt Akrotiri auf Zypern Anfang März mit einer unbemannten Drohne iranischer Bauart machte Salam ebenfalls die iranischen Revolutionsgarden im Libanon verantwortlich. "Das waren die Revolutionsgarden", sagte der libanesische Regierungschef. Nach Angaben aus Nikosia war die Drohne offenbar nicht aus dem Iran, sondern von der Hisbollah im Libanon gestartet worden.
Salam warf der Hisbollah außerdem erneut vor, den Libanon durch Raketenangriffe auf Israel in den Iran-Krieg hineingezogen zu haben. "Es wurde erklärt, dass dieser Krieg eine Vergeltung für die Ermordung von Khamenei sei, das bedeutet also, dass uns dieser Krieg aufgezwungen wurde", sagte er mit Blick auf den am ersten Kriegstag getöteten obersten iranischen Führer, Ayatollah Ali Khamenei.
Hisbollah trotzig
Die Hisbollah wiederum beanspruchte am Montag innerhalb von 24 Stunden mehr als 60 Angriffe auf Israel für sich. Hisbollah-Kämpfer hätten mit Raketen, Drohnen und Artillerie unter anderem israelische Soldaten und Fahrzeuge im Grenzgebiet angegriffen, teilte die Miliz mit. Die ausgeweiteten Angriffe auf den erklärten Erzfeind Israel seien auch eine Antwort auf dessen "systematische Angriffe auf wichtige Straßen und Brücken" im Libanon.
Die israelische Armee greift im Libanon seit mehreren Tagen wichtige Brücken, Straßen und auch Tankstellen an. Israel wirft der mit dem Iran verbündeten libanesischen Hisbollah-Miliz vor, über die Brücken Waffen zu schmuggeln. Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge wurden drei von fünf wichtigen Brücken, die über den Litani-Fluss führen, zerstört. Der libanesische Präsident Joseph Aoun sprach von einem Versuch Israels, die Region im Süden vom Rest des Landes "abzuschneiden" und eine Pufferzone entlang der Grenze aufzubauen.
Israelischer Finanzminister fordert Verlagerung von Grenze in den Südlibanon
Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich forderte unterdessen eine Ausweitung des israelischen Territoriums auf große Bereiche des Südlibanon. Die neue israelische Grenze müsse der Fluss Litani sein, sagte der Politiker am Montag in einem Radiointerview. Smotrich, der einer kleinen rechtsextremen Partei angehört, erhebt oft Forderungen, die nicht der Regierungslinie von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu entsprechen. Eine Stellungnahme von Netanyahus Büro lag zunächst nicht vor.
Verbot jeglicher Aktivitäten
Die libanesische Regierung hatte in diesem Monat beschlossen, jegliche Aktivität der iranischen Revolutionsgarden im Land zu verbieten. Beirut untersagte außerdem jegliche militärische Aktivität der Hisbollah und rief die Miliz auf, ihre Waffen an den Staat zu übergeben. "Wir stehen zu den Entscheidungen, die wir getroffen haben, und arbeiten daran, sie umzusetzen", sagte Salam.
Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Miliz dann wieder massiv. Nach Angaben der libanesischen Behörden wurden seither mehr als tausend Menschen durch israelische Angriffe getötet. Hunderttausende Menschen seien durch die Gefechte vertrieben worden. Am Sonntagabend kündigte die israelische Armee eine Ausweitung ihrer Bodeneinsätze im Libanon an.
Versorgung mit Lebensmitteln, Treibstoff und medizinischer Hilfe liegt im Argen
Das Hilfswerk "Kirche in Not" will unterdessen im Libanon medizinische Versorgungsstrukturen aufbauen, Vertriebene unterstützen und Hilfsprojekte in besonders vom Krieg betroffenen Regionen auf den Weg bringen. Das teilte das internationale päpstliche Hilfswerk am Montag laut Kathpress in München und Wien mit.
So soll in der Region Qlayaa im Süden des Landes in Zusammenarbeit mit der maronitisch-katholischen Kirche ein medizinisches Versorgungszentrum entstehen. Freiwillige und medizinisches Personal seien dort schon verfügbar; allerdings fehle es an Medikamenten, Ausrüstung und Geld, heißt es.
In Südwesten des Landes will "Kirche in Not" laut den Angaben rund 1.500 binnenvertriebene Personen mit Lebensmitteln und grundlegenden Gütern versorgen. In der Bekaa-Ebene im Nordosten des Landes sollen bis zu 8.000 Menschen unterstützt werden, die ihre Heimat wegen der Kämpfe verlassen mussten. Zusätzlich wird Treibstoff nach Angaben des Hilfswerks knapp: Wegen vieler Stromausfälle seien viele Einrichtungen auf Generatoren angewiesen. Auch diesen Bereich wolle man verstärkt unterstützen.
Israeli Opfer der eigenen Armee
Ein Landwirt eines israelischen Kibbuz an der Nordgrenze des Landes ist durch versehentlichen Beschuss des israelischen Militärs getötet worden. Zu diesem Ergebnis kam eine vorläufige Untersuchung der Armee, nachdem zunächst von Raketenbeschuss der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon ausgegangen worden war.
"Das ist ein sehr schwerwiegender Vorfall", sagte Generalmajor Rafi Milo, der Kommandant der Truppen im Norden. Der Landwirt sei am Sonntag während eines Einsatzes zur Unterstützung israelischer Truppen im Südlibanon durch das Feuer der eigenen Streitkräfte getötet worden. Es sei zu mehreren schwerwiegenden Fehlern und Versäumnissen gekommen. Milo kündigte eine gründliche Untersuchung des Vorfalls an.
(S E R V I C E - Spendenkonto: Kirche in Not, IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600, Verwendungszweck: Libanon oder online unter www.kircheinnot.at)
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