Prozess um Angriff auf Zehnjährigen aus rassistischem Motiv
Veröffentlicht:
von AgenturenAngeklagter zu rassistisch motivierten Übergriffen geständig
Bild: APA/APA/HANS PUNZ/HANS PUNZ
Am Wiener Landesgericht ist am Montag gegen einen 44-jährigen Mann verhandelt worden, der im vergangenen Sommer aus rassistischen Beweggründen wiederholt auf Personen losging, nachdem er sie zunächst als "Scheiß Ausländer" und mit noch weit derberen Ausdrücken beschimpft hatte. Das jüngste Opfer des Angeklagten war ein zehn Jahre alter Bub, dem er einen Fußtritt verpasste, als er dem Kind im Innenhof seiner Wohnhausanlage in Wien-Donaustadt begegnete. Es wurde vertagt.
Der Bub spielte am 31. August 2025 alleine mit einem Fußball, als der Angeklagte an ihm vorbeiging, ihn beschimpfte und gewalttätig wurde - "völlig grundlos", wie die Staatsanwältin betonte. Der Bub, der am linken Unterschenkel leicht verletzt wurde, rief nach seinem Vater. Als dieser den Angreifer zur Rede stellte, kam es zu weiteren Beleidigungen, die sich nun gegen den Vater richteten.
Nur wenige Stunden zuvor hatte der 44-Jährige in einer U-Bahn-Station der Linie U1 für Aufsehen gesorgt, indem er eine Familie mit zwei kleinen Kindern mit ausländerfeindlichen Sprüchen bedachte. Als ein Fahrgast eingriff und den Mann zur Mäßigung aufforderte, versetzte dieser ihm einen Faustschlag ins Gesicht. Dann hob er plötzlich seine rechte Hand zum Hitlergruß, wobei er von einem weiteren Fahrgast mit dem Smartphone gefilmt wurde.
NS-Wiederbetätigung angeklagt
Deswegen musste sich der Angeklagte nun nicht nur wegen Körperverletzung, Beleidigung und gefährlicher Drohung vor Gericht verantworten. Die Anklage legte ihm auch nationalsozialistische Wiederbetätigung im Sinne des NS-Verbotsgesetzes zur Last. Eine Reihe von U-Bahn-Benutzerinnen und -Benutzern hätten den Hitlergruß wahrgenommen, der Angeklagte habe sein Verhalten selbst dann nicht eingestellt, als er mitbekam, dass er gefilmt wurde, sagte die Staatsanwältin.
Ein dritter Vorfall, der sich am selben Tag ereignet hatte, betraf vier Jugendliche, die vom Angeklagten als Nicht-Österreicher gelesen wurden und denen er gegen 19.30 Uhr vor seiner Wohnung über den Weg lief. Nach neuerlichen Beschimpfungen zertrümmerte er eine halb volle Bierflasche und drohte den Burschen mit dem Tod, indem er die abgebrochene Flasche in ihre Richtung hielt und "Kommt's her! Ich stech euch alle ab!" rief. Die Jugendlichen alarmierten die Polizei, der Mann wurde vorläufig festgenommen.
Im Zuge der Erhebungen stellte sich dann heraus, dass der Mann bereits am 12. August 2025 an einer Straßenbahnhaltestelle mit ausländerfeindlichen Parolen für einen Polizeieinsatz gesorgt hatte. Einem Mann, der ihn zur Räson bringen wollte, schlug er laut Anklage dessen Mobiltelefon aus der Hand und drohte ihm mit dem Umbringen.
Angeklagter geständig
"Die Vorwürfe sind richtig", bemerkte der Verteidiger. Sein Mandant übernehme "die volle Verantwortung für seine Taten." Das "wahre Problem" seien dessen Depressionen und ein übermäßiger Alkoholkonsum.
Der Angeklagte hatte sich bei seinen verbalen Ausritten über den angeblichen Sozialleistungsbezug von "Ausländern" ausgelassen. In der Verhandlung stellte sich heraus, dass er selber nach einem längeren, aus einem Bandscheibenvorfall resultierenden Krankenstand als Arbeit suchend gemeldet ist. Zuvor hatte er viele Jahre als Versicherungskaufmann gearbeitet. Zuletzt war er beim Magistrat Wien beschäftigt und wurde seinen Angaben zufolge unter anderem als entgeltlicher Wahlhelfer bei den Europawahlen eingesetzt.
Die Verhandlung musste vertagt werden, da noch ein Zeuge befragt werden muss. Am 26. Mai wird weiterverhandelt.
Mehr entdecken

Beweisverfahren im Ott-Prozess beendet, Urteile am Mittwoch

Kuba warnt USA vor "Blutbad" bei militärischem Eingreifen

Der Größte und der Altersschnitt - Fakten zum ÖFB-WM-Kader

Grönlands Regierungschef traf US-Gesandten: Keine Annäherung

Wiener Budgetdefizit lag 2025 bei 2,84 Mrd. Euro

ÖFB-WM-Song "Stripes and Stars" aus der Feder von Pizzera
