Prozess um Brandstiftungen am Wiener Brunnenmarkt

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Weniger friedliche Szenen am Brunnenmarkt beschäftigen Landesgericht

Bild: APA/APA/THEMENBILD/HERBERT NEUBAUER


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Mit Wild-West-Methoden soll im vergangenen Sommer ein am Brunnenmarkt in Wien-Ottakring tätiger Geschäftsmann gegen einen Konkurrenten vorgegangen sein. Zunächst ließ er laut Staatsanwaltschaft die Glasfront des Verkaufsstands mit Eisenstangen einschlagen, ehe er zweimal Feuer legen ließ. Am Dienstag wurde am Landesgericht gegen vier junge Männer verhandelt, derer sich der türkischstämmige Geschäftsmann laut Anklage bedient hatte.

Für ein bisschen Bargeld und weil ihnen darüber hinaus auch Drogen versprochen wurden, ließen sich die Syrer im Alter von 20 bzw. 21 Jahren auf die "Zerstörungsaktionen" ein, wie sich Verteidiger Andreas Reichenbach ausdrückte, der zwei Angeklagte vertrat. Aufgrund ihrer prekären finanziellen Lage hätte sich das Quartett "hineintheatern" lassen.

Vorgaben arbeitsteilig umgesetzt

Bei einem der Syrer handelte es sich um einen Mitarbeiter des Auftraggebers, gegen den das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Der junge Syrer fand drei Landsleute, die - so der Vorwurf der Anklagebehörde - die Vorgaben des mutmaßlichen Bestimmungstäters in unterschiedlicher Zusammensetzung arbeitsteilig umsetzten.

Zuerst wurde am 21. Juli 2025 die Glasfront des Verkaufsstands beschädigt, indem mit Eisenstangen mehrere Löcher in die Scheiben geschlagen wurden. Drei Tage später wurden die noch intakten Scheiben zertrümmert. Der angerichtete Schaden sei dem Auftraggeber "zu wenig" gewesen, schilderte einer der Angeklagten einem Schöffensenat: "Er hat gesagt, dass es brennen muss." Er und seine Landsleute seien mit Videos, die die vorangegangenen Beschädigungen dokumentiert hatten, unter Druck gesetzt worden: "Er hat uns gesagt, dass er die Videos der Polizei geben wird, wenn wir nichts machen."

Feuersbrunst verhindert

Daraufhin wurden am 5. August mehrere Kanister Benzin vor dem Marktstand verschüttet und angezündet. Dank rascher Löschmaßnahmen kam es zu keiner Feuersbrunst, der Stand wurde auch nicht komplett abgefackelt. Am 12. August brannte es dann ein zweites Mal, nachdem zwei Angeklagte eine Plastikflasche mit einem Brandbeschleuniger entleert und diesen entflammt hatten. Auch dieser Brandanschlag verlief vergleichsweise glimpflich.

Beim betroffenen Besitzer handelte es sich übrigens um einen früheren Mitarbeiter des mutmaßlichen Auftraggebers. Dieser hatte dem Mann gekündigt, worauf dieser einen Marktstand in unmittelbarer Nähe seines früheren Arbeitsplatzes erwarb. Dass dieser recht gut ging, dürfte seinem früheren Chef mehr als nur ein Dorn im Auge gewesen sein.

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