Sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe im Sudan

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von Agenturen

Frauen wurden massenhaft Opfer von Vergewaltigungen (Ilustration)

Bild: APA/APA/AFP/JORIS BOLOMEY


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Im April geht der Krieg im Sudan in sein viertes Jahr. Ein Bericht von Ärzte ohne Grenzen (MSF) zeigt, dass sexualisierte Gewalt zu einem "prägenden und allgegenwärtigen Merkmal" des Konflikts geworden ist. Überlebende berichten von extremer Brutalität und einer ständigen Bedrohung, der insbesondere Frauen und Mädchen ausgesetzt sind. Die Täter sind überwiegend bewaffnet und bleiben meist straflos. MSF fordert ein sofortiges Ende sexualisierter Gewalt als Kriegswaffe.

Zwischen Jänner 2024 und November 2025 allein haben dem Bericht zufolge knapp 3.400 Überlebende sexueller Gewalt die medizinischen Unterstützung der MSF aufgesucht - 97 Prozent waren Mädchen und Frauen. "Was wir hier sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs", warnt Maryam Laaroussi, bis vor kurzem Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Darfur. Viele Überlebende hätten keinen Zugang zu den Hilfsangeboten, die sie bräuchten. Scham, Stigma, aber auch Angriffe auf medizinische Einrichtungen, Mangel an medizinischem Material und die hohen Transportkosten würden den Zugang erschweren. Auch der Weg zu medizinischen Versorgungseinrichtungen stelle eine Gefahr dar: Überlebende berichten, insbesondere auf den Straßen Übergriffen und Gewalt ausgesetzt zu sein.

Vergewaltigung unter vorgehaltener Waffe

"Dieser Krieg wird auf den Körpern der Frauen ausgetragen", sagt Laaroussi. Sowohl im Süden als auch im Norden Darfurs gehöre die Mehrheit der Täter bewaffneten, nicht-zivilen Gruppen an. In Nord-Darfur wurden dem Bericht zufolge sogar 95 Prozent der Täter als bewaffnete Personen identifiziert - oft Teil der Miliz Rapid Support Forces (RSF). Überlebende berichteten von Gruppenvergewaltigungen, oft unter vorgehaltener Waffe.

Die Einnahme der Stadt Al-Fasher in Nord-Darfur im Oktober 2025 nach 500 Tagen Belagerung habe eine der brutalsten Phasen des Konflikts im Sudan bedeutet. Auf der Flucht und in den Vertriebenenlagern berichteten die Überlebenden von Vergewaltigung, Folter, Misshandlung, Verschleppung und Entführung. Mädchen und Frauen hätten schwere sexuelle Gewalt vor den Augen ihrer Familienangehörigen erfahren.

Das Krankenhaus in Tawila biete als einziges in der Region Unterstützung für Überlebende sexueller Gewalt an. "Wir betreuen zehn bis fünfzehn Überlebende pro Tag", so die Hebamme Gloria Endreo. Auch für sie seien die Geschichten der Betroffenen eine Herausforderung: "Manchmal muss ich das Sprechzimmer verlassen, um meine Tränen wegzuwischen", sagt sie.

Übergriffe auch im Alltag

Viele Übergriffe ereignen sich auf der Flucht. Innerhalb des Sudan wurden mittlerweile neun Millionen Menschen vertrieben. Sexuelle Gewalt würde instrumentalisiert, um Frauen und ganze Bevölkerungsgruppen zu terrorisieren, sagt Laaroussi. Laut dem Bericht richte sich die Gewalt gezielt gegen nicht-arabische Bevölkerungsgruppen - wie die Zaghawa, Masalit und Fur - um diese zu demütigen und einzuschüchtern.

Doch nicht nur in aktiven Konfliktgegenden werde sexualisierte Gewalt gezielt eingesetzt. Auch im Süden Darfurs - weit entfernt von der Frontlinie - machten Bewaffnete knapp 70 Prozent der Täter aus. Zusätzlich zeigen die Aussagen der Überlebenden, dass Übergriffe auch regelmäßig im Alltag stattfinden. In Süd-Darfur erlebte knapp jede dritte der Überlebenden sexualisierte Gewalt während der Arbeit auf Feldern, 522 während sie Feuerholz sammelten oder Wasser und Nahrung besorgten. Dabei trifft es auch Kinder: Jede fünfte Überlebende in Süd-Darfur war unter 18 Jahre alt, 41 Kinder waren jünger als fünf Jahre.

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Täter werden nicht zur Rechenschaft gezogen

"Die Konsequenzen für die Betroffenen und die Gesellschaft sind verheerend", so Andrêza Trajano, MSF-Expertin für sexualisierte Gewalt: Körperliche Verletzungen, psychische Traumata sowie akute und langfristige gesundheitliche Folgen, die für Überlebende lebensbedrohlich sein können und Familien sowie Bevölkerungsgruppen schwer treffen. "Das muss aufhören", so Trajano. Täter würden nicht zur Rechenschaft gezogen, während Überlebende unter Stigma und sozialer Isolation ohne formelle Unterstützung oder Schutz leiden.

Ärzte ohne Grenzen ist seit den frühen 2000er-Jahren in Darfur. Derzeit leiste MSF in Tawila grundlegende und umfassende medizinische Hilfe für Menschen, die aus Al-Fasher und dem Lager Zamzam geflohen sind - Orte, aus denen sich die Organisation zuvor selbst zurückziehen musste. "Wir brauchen Zugang zu allen Bereichen der Region", appelliert Laaroussi. Die Vereinten Nationen, Geldgeber und humanitäre Akteure müssten außerdem dringend ihre Hilfs- und Schutzangebote für Überlebende in Darfur und im gesamten Sudan ausweiten. "Wir befürchten, dass uns noch weitere Gräueltaten bevorstehen", heißt es in dem Bericht.

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