TASS-Korrespondent verlor Akkreditierung in Österreich

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von Agenturen

Das TASS-Gebäude in Moskau (Archivbild)

Bild: APA/APA/AFP/DMITRY SEREBRYAKOV


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Der seit 2025 in Österreich tätige Korrespondent der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS, Maxim Tsch., hat seine Akkreditierung beim Bundespressedienst und damit auch die Grundlage für seinen Aufenthaltstitel im Land verloren. Dies hat die APA am Mittwoch aus gut informierten Kreisen im Innenministerium in Wien erfahren. Bereits Ende März hatte die russische Außenamtssprecherin den damals erst angekündigten Schritt Wiens kritisiert und Gegenmaßnahmen angedroht.

Ob der Korrespondent Österreich bereits verlassen hat, ist unklar. Das Bundesministerium für Inneres (BMI), dessen Sicherheitsüberprüfung für den Akkreditierungsverlust maßgeblich war, wollte sich auf APA-Anfrage dazu nicht äußern. Die Entziehung von Akkreditierungen bei in Österreich tätigen Journalisten nach BMI-Einschätzungen war traditionell äußerst selten - bevor 2024 zwei russischen Korrespondenten, ebenso von der TASS, die Akkreditierung entzogen wurde, gab es laut APA-Informationen zumindest zwei Jahrzehnte lang keinen einzigen derartigen Fall.

Verlust der Akkreditierung nur bei Anmeldung zu Veranstaltung möglich

Grundlage für den Akkreditierungsverlust war auch bei Tsch. eine "negative Sicherheitseinschätzung", die dem Innenministerium untergeordnete Dienststellen an den Bundespressedienst übermittelt hatten. Damit eine derartige Einschätzung abgegeben werden kann, bedurfte es laut §55a Sicherheitspolizeigesetz einer Sicherheitsüberprüfung, die nur unter gewissen Bedingungen zulässig ist: Bei Journalistinnen und Journalisten ist sie insbesondere dann möglich, wenn sie sich bei einer Veranstaltung akkreditieren lassen wollen, bei der sich führende österreichische Amtsträger oder Vertreter von ausländischen Staaten, internationalen Organisationen oder anderen Völkerrechtssubjekten aufhalten.

TASS-Korrespondent Tsch. konnte laut APA-Informationen einer Überprüfung nur deshalb unterzogen werden, weil er im vergangenen Dezember den OSZE-Ministerrat in der Wiener Hofburg beobachten wollte. Seinen zwei Vorgängern war hingegen der Versuch zum Verhängnis geworden, sich im März 2024 für eine Wiener Pressekonferenz von US-Außenminister Antony Blinken und dessen österreichischem Amtskollegen Alexander Schallenberg anzumelden.

Korrespondent als Komponist

Die Gründe für die negative Beurteilung der betreffenden Person sind unter Verschluss und wurden zumindest 2024 auch dem formal zuständigen Bundespressedienst nicht mitgeteilt. Ein möglicher Hintergrund wären nachrichtendienstliche Aktivitäten. Ob die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) oder das Wiener Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) einen derartigen Verdacht beim aktuellen TASS-Korrespondenten hegten, ist unbekannt.

Tsch. dürfte laut Medienberichten im Standard sowie im exilrussischen "The Insider" vor einigen Jahren jedoch wiederholt Essen in ein besonderes Moskauer Wohnhaus bestellt haben, das mit dem russischen Auslandsgeheimdienst SWR in Verbindung gebracht wurde. Derartige Indizien sind aus Wien nicht bekannt. Hier trat der Korrespondent vor allem als Komponist mit dem Künstlernamen Maxim Wereschtschagin in Erscheinung: Im Jänner 2026 gab er vor etwa 15 Personen ein Konzert in einem Wiener Off-Theater, am 23. April veröffentlichte er im Internet sein neues Album "Zwischensaison". Zu hören ist neoklassische Easy-Listening-Musik, zu der Prosa in russischer Sprache gelesen wird.

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