Gedenktafel im Meidlinger "Kabelwerk" für NS-Zwangsarbeiter
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von AgenturenKulturstadträtin Kaup-Hasler und Bezirksvorsteher Zankl (beide SPÖ)
Bild: APA/APA/Schütz
"Geschichte entsteht, indem wir zurückblicken und neu lesen lernen." Unter diesem von Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler formulierten Motto ist Mittwochnachmittag in Wien-Meidling im "Kabelwerk" eine Gedenktafel enthüllt worden, die an ein ehemals dort befindliches NS-Zwangsarbeiterlager erinnert. "Viele Menschen wurden hier zur Arbeit gezwungen und waren unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt", meinte Bezirksvorsteher Wilfried Zankl (SPÖ) bei einem kurzen Festakt.
Unter dem Credo "Niemals vergessen" werde ein klares "Zeichen des Erinnerns und der Verantwortung" gesetzt, so der SPÖ-Politiker: "Das sind ja nicht nur Namen, das sind Schicksale, die hinter diesen Tafeln stehen." An einer Backsteinwand der früheren Kabel- und Drahtwerke AG (KDAG) in der Oswaldgasse im Bezirksteil Altmannsdorf wird nun konkret der "deportierten jüdischen Frauen und Männer aus Ungarn" gedacht, die in der Zeit des Nationalsozialismus von 1944 bis April 1945 hier Zwangsarbeit leisten mussten.
Hans Werner Bousska vom Bezirksmuseum Meidling erörterte, dass bereits zuvor, nach der Okkupation Österreichs durch das Deutsche Reich 1938 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939, "Italiener, Ukrainer, Franzosen als Kriegsgefangene" in der KDAG Zwangsarbeit leisten mussten. Später seien aus Debrecen deportierte Ungarinnen und Ungarn in der Nähe des "Meidlinger Tors" nach Schönbrunn gelegenen "Volksschule Bischoffgasse", die während dieser Zeit Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen war, insgesamt "3.964 Personen" untergebracht worden. Dabei sei die heute noch existierende Schule "nicht so groß", so Bousska. "Das muss man sich einmal vorstellen, wie die dort gehaust haben."
Männer und Frauen wurden täglich zur Zwangsarbeit getrieben
Sowohl Männer als auch Frauen seien damals jeden Tag den "Grünen Berg" hinauf zur Zwangsarbeit in die KDAG getrieben worden. "Es war den umliegenden Bewohnern bei Strafe verboten, diesen Häftlingen etwa Äpfel oder Birnen zuzustecken. Sie wurden bei ihrer Ankunft in der KDAG gefilzt, um ihnen eventuell unbemerkt zugestecktes Essen abzunehmen", erklärte Bousska gegenüber der APA. Rund um das Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Lager 1945 aufgelassen. Viele der Häftlinge ("Männer, Frauen und Kinder") wurden laut dem Bezirksmuseum aber noch in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verbracht, "wo hauptsächlich die in der Gefangenschaft geborenen Kinder durch Hunger und Infektionskrankheiten ums Leben kamen".
Die 1897 gegründete Kabel- und Drahtwerke AG (KDAG) war ein traditionsreicher Industriebetrieb, der über 100 Jahre lang Kabel und Drähte produzierte. Nach der Übernahme durch Siemens Austria erfolgte 1997 die Schließung. Danach wurde das Areal als "Kabelwerk" in ein modernes Wohnviertel umgebaut. Darin befindet sich auch das "Theater am Werk". Gleich neben dem Eingang zum Vorhof der Kultureinrichtung wurde nun die Gedenktafel angebracht.
Initiative zu Gedenktafel ging von Kabelwerk-Bewohner aus
Die Initiative dafür sei ursprünglich von einem Bewohner des Kabelwerks ausgegangen, erinnerte Zankl in einer kurzen Ansprache. Kaup-Hasler (57) merkte an, dass sie in der Nähe aufgewachsen sei und von dem "Leid" in der Kabelfabrik damals nichts erfahren habe. "Vor 40, 50 Jahren" sei auch niemand darum bemüht gewesen, diese Vergangenheit aufzuarbeiten. Erst durch die "Affäre Waldheim" Mitte der 1980er-Jahre habe sich in Österreich ja das Bewusstsein durchgesetzt, dass es nicht nur "von den Nazis" überfallen wurde, "sondern diese auch hier unter uns gelebt haben."
Umso mehr gelte es nun aber, "im öffentlichen Raum sichtbare Zeichen zu setzen, die uns kurz mal innehalten lassen." Das sei insbesondere wichtig, weil in der Gegenwart vor allem in den sozialen Medien "wieder Hass gepredigt und Feindbilder erzeugt" werde, so die parteilose, jedoch von der SPÖ nominierte, Stadträtin.
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