Teilbedingte Haft nach Diebstahl von 153.000 Euro

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von Agenturen

Die beiden Angeklagten waren nicht das erste Mal vor Gericht

Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH


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Ein Diebespaar ist am Donnerstag in Wien rechtskräftig zu teilbedingten Haftstrafen in der Höhe von 24 und 20 Monaten verurteilt worden. Der 54-Jährige und die 42-Jährige hatten gemeinsam zumindest drei Mal in Wien zugeschlagen. Besonders bitter hat es ein Pensionistenpaar erwischt: Den beiden wurden sage und schreibe 153.000 Euro aus einem Trolley gestohlen. "Wir haben einen seelischen Knacks bekommen", erklärte die 77-jährige Gattin.

Schuldig gesprochen wurden sie wegen schweren gewerbsmäßigen Diebstahls und Urkundenunterdrückung, weil sie auch zwei Sparbücher gestohlen hatten. Das Diebespaar gehe "immer nach demselben Muster vor", erklärte die Staatsanwältin zu Beginn. Mann und Frau suchen sich potenzielle Opfer aus, die in der Bank Geld abheben. Die würden dann teilweise bis ins eigene Stiegenhaus verfolgt. Irgendwann täusche die Frau Schmerzen vor, um die Zielperson abzulenken. Währenddessen stiehlt ihr Lebenspartner das Bargeld von den Nichtsahnenden. So haben sie zwischen Oktober und Dezember 2025 in drei Fällen 3.000 Euro, 7.900 Euro und eben die 153.000 Euro an sich gebracht. Das gestohlene Geld wurde den Geschädigten vom Gericht auch zugesprochen, allerdings fehlt jede Spur davon.

Bestohlene: "Natürlich waren wir sehr vorsichtig"

"Wir haben aufgrund unseres Alters zuhause ein ordentliches Polster", erklärte die 77-jährige Geschädigte heute. Nur kurz vor der Tat haben sie und ihr Mann ein Konto aufgelöst und dafür 104.000 Euro Bargeld abgehoben. Das verstauten sie zuhause mit weiterem Bargeld in einem Rucksack, den sie wiederum in einen Trolley steckten. Damit gingen sie im Dezember zur Bank, um es auf ein anderes Konto einzuzahlen. Aber "da waren wahnsinnig viele Leute." Wegen eines Impftermins entschloss sich das Paar dann, das Geld doch nicht einzuzahlen - hob aber nochmals 6.000 Euro ab, die ebenfalls in den Rucksack wanderten, um "Weihnachten zu bestreiten".

"Natürlich waren wir sehr vorsichtig", erklärte sie. Sie seien sogar "sicherheitshalber" mit der U-Bahn gefahren. "Aber wir haben nicht gedacht, dass uns jemand beobachtet", fügte sie hinzu. Vor dem Aufzug in der Ordination des Hausarzts seien dann die beiden Angeklagten "wie aus dem Nichts" erschienen und ebenfalls in den Lift gestiegen. Als sie ausgestiegen ist, sei ihr Mann samt Trolley und 153.000 Euro Bargeld jedoch mit den beiden Unbekannten im Lift zurückgeblieben. Im Aufzug habe die Angeklagte auf einmal angefangen zu jammern, erzählte der 86-Jährige. Er habe sich um die Frau gesorgt und "einen Schock bekommen", erinnerte er sich. Noch dazu sei die Aufzugtür immer nur kurz aufgegangen - mutmaßlich auf Knopfdruck des Angeklagten.

"Mein Mann kam käseweiß heraus", beschrieb die Gattin. Ihr sei dann ein großer Schlitz im Trolley aufgefallen. "Der Rucksack ist weg, der Rucksack ist weg!", habe sie gerufen. "Da stecken so viele Arbeitsjahre dahinter und das tut wirklich weh", wandte sich die 77-Jährige an die Richterin. "Seit dem Fall kann ich keine Nacht mehr schlafen, denn ich finde keine Ruhe", fuhr sie fort. Dennoch: "Wir sind Menschen, die für andere da sind, wenn es ihnen schlecht geht. Das ist ein Menschengebot!"

Angeklagter beteuerte: "Ich bin ein Kleptomane"

Grundsätzlich zeigten sich die beiden Rumänen gegenüber allen vorgeworfenen Diebstählen geständig. "Warum sind Sie nach Wien gekommen?", wollte die Richterin vom Erstangeklagten wissen. Der antwortete dazu überraschend offenherzig: "Um zu stehlen." Dafür hatte er aber auch eine medizinische Erklärung parat: "Ich bin ein Dieb schon seit meiner Geburt, ich bin ein Kleptomane", beteuerte er. Gestohlen habe er zudem, um das Geld in Wiener Casinos zu verspielen. Die hätten ihm Freunde, nämlich "rumänische Bettler" gezeigt. "Die Bettler wissen, wo die Casinos sind?", fragte die Richterin stirnrunzelnd. "Exakt", quittierte der Angeklagte regungslos.

In dem Rucksack des betagten Ehepaars will er aber keinesfalls so viel Bargeld gefunden haben, wie die Pensionisten es behaupteten. Es seien höchstens 4.000 Euro gewesen. Diese Aussage hielt selbst der Verteidiger der beiden für unglaubwürdig, konnte seinen Mandanten aber nicht dazu überreden, sich vollumfänglich geständig zu zeigen. "Warum sagt er nicht die Wahrheit?", fragte er und gab gleich selbst die Antwort: Vielleicht wolle er die große Beute vor der Zweitangeklagten, die der Anwalt ebenfalls vertrat, verbergen, weil er ihr nur einen kleinen Teil davon abgegeben hatte.

Zudem betonte er, dass die Zweitangeklagte nur eine untergeordnete Rolle bei den Diebstählen hatte. "Sie hat die Fingerfertigkeit dafür nicht", der Erstangeklagte habe "Talente". Die 42-Jährige wollte dem Schöffensenat jedoch zuerst weismachen, sie habe die Schmerzen gar nicht vorgespielt, sondern tatsächlich Herzprobleme. Nach einer kurzen Intervention ihres Verteidigers besann sie sich: "Ich ersuche um Entschuldigung." Weiters erklärte sie: "Ich bin seine Konkubine und wollte ihm helfen, dass er das nicht wieder macht." Gemeint war die angebliche Kleptomanie ihres Geliebten.

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Diebespaar wird in mehreren Ländern gesucht

Vor der Urteilsverkündung erklärte der 54-Jährige, der laut eigener Aussage seinen Lebensunterhalt in Rumänien als Friseur und Fleischhauer bestreitet: "Ich möchte mich entschuldigen und es ist halt passiert." Seine Partnerin beteuerte, sie bereue die Taten. Der Mann wurde nun zu 24 Monaten Haft verurteilt, wobei 16 Monate bedingt nachgesehen wurden. Die Frau bekam 20 Monate Freiheitsstrafe auferlegt, 14 Monate davon auf Bewährung. Die Probezeit beträgt bei beiden drei Jahre. Ende Jänner bzw. Anfang Februar waren sie in Rumänien verhaftet und wegen eines europäischen Haftbefehls nach Österreich überstellt worden. Diese Haftzeit wird auf die unbedingte Strafe angerechnet.

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden mit Diebstählen dieser Art aufgefallen sind: Sie weisen zwei einschlägige Vorstrafen auf, unter anderem in Griechenland. Er wird zudem in Deutschland, Italien und Großbritannien gesucht. Sie soll 2022 in Italien aus elektronischem Hausarrest geflohen sein und wird dort ebenfalls gesucht.

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