Warnung vor "De-Professionalisierung" in der Pflege
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von Agenturen++ ARCHIVBILD ++ Der Krankenpflegeverband sieht die Qualität der Pflege gefährdet
Bild: APA/APA/dpa/Christoph Schmidt
Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) warnt vor einer zunehmenden De-Professionalisierung der Pflege. Mit dem Einsatz von weniger qualifiziertem Personal bei gleichzeitiger Einschränkung professioneller Kompetenzen gefährde man die Versorgungsqualität und treibe langfristig die Kosten im Gesundheitssystem in die Höhe, hieß es am Donnerstag. Laut einer Umfrage sorgt sich die Mehrheit der Bevölkerung um die langfristige Sicherstellung der Pflege.
Wenn man an der Qualifikation spart, spare man am falschen Ende, erklärte ÖGKV-Präsidentin Elisabeth Potzmann auf einer Pressekonferenz in Wien im Vorfeld des "Tags der Pflege" am 12. Mai. Die Folgekosten würden somit höher, während gleichzeitig die Qualität sinke und die Belastung für Patientinnen und Patienten sowie Angehörige steigen würde. Potzmann verwies auch neuerlich auf Forderungen wie nach einer Kompetenzausweitung etwa bei der Medikamentenverschreibung durch diplomierte Kräfte.
Mehrheit sorgt sich um langfristige Sicherstellung der Pflege
Vorgestellt wurde auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschers Peter Hajek im Auftrag des ÖGKV, demnach würde zwar eine knappe Mehrheit (56 Prozent) die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Österreich als "gut" beurteilen - "noch", wie Hajek betonte. Gleichzeitig hält jedoch rund ein Drittel die Versorgung für "eher schlecht".
Noch deutlicher ist die Verunsicherung mit Blick in die Zukunft: Nur etwa ein Drittel der Bevölkerung hat Vertrauen, dass die Politik die Pflege langfristig sicherstellen kann, während 65 Prozent "wenig" oder "gar kein" Vertrauen haben. Zudem mache sich eine klare Mehrheit Sorgen, im Pflegefall nicht ausreichend versorgt zu werden, hieß es. Mit der selbst oder in der Familie in der Vergangenheit schon erfahrenen Pflege ist die Zufriedenheit hingegen hoch: 80 Prozent gaben an, "sehr" oder "eher" zufrieden gewesen zu sein.
De-Professionalisierung gefährdet Versorgung
Kritik übte der ÖGKV an einer "strukturellen De-Professionalisierung" der Pflege. Der gehobene Dienst sei für den gesamten Pflegeprozess verantwortlich - von der Einschätzung bis zur Evaluation, so der Verband. Wenn diese fachliche Steuerung durch diplomierte Pflegefachpersonen fehlt, würden Komplikationen steigen und Aufenthalte verlängert, womit das System ineffizienter werde, so Potzmann.
Warten auf Verordnung zu Arzneimittelverschreibung
Besondere Kritik äußerte ÖGKV-Präsidentin Potzmann einmal mehr am "politischen Nichthandeln" bei der geplanten Arzneimittelverschreibung durch Pflegefachpersonen. Konkret geht es dabei um das Ermöglichen der "Verschreibung" von einfachen Medikamenten durch diplomierte Pflegekräfte, also rezeptfrei in der Apotheke käufliche - sogenannte "Over the counter" - Arzneimittel. Auch diplomierten Pflegekräften ist das eigenständige Besorgen und Weitergeben derartiger Medikamente derzeit nicht gestattet. Benötigt beispielsweise ein Heimbewohner ein in der Apotheke ohne Rezept erhältliches Kopfwehmittel, so muss das von einem Arzt verordnet werden (was mühsame Wege und Bürokratie nach sich zieht).
Ausständig ist dazu eine neue Arzneimittelverordnung, für die bereits im Herbst 2025 eine neue Medikamentenliste für diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) angekündigt worden war. Zur Frage, wer hier säumig sei, sagte Potzmann, es sei ja festgehalten, dass es zur Umsetzung der Verordnung die Zustimmung sowohl der Ärztekammer als auch des Gesundheitsministeriums brauche - "das liegt beides nicht vor".
Hajek verwies darauf, dass laut der Umfrage rund zwei Drittel der Bevölkerung die Idee unterstützen, dass Pflegekräfte bestimmte Medikamente verschreiben dürfen. Ähnlich viele vertrauen demnach darauf, dass dies verantwortungsvoll erfolgt. Hier würden vorhandene Kompetenzen nicht genutzt, so Potzmann. Damit werde Innovation gebremst und Entlastung verhindert, was bei der hoch qualifizierten Berufsgruppe auch zu Frustration führe.
Warnung vor langfristig höheren Kosten
Die aktuelle Entwicklung sei aus volkswirtschaftlicher Sicht "nicht nachhaltig". Wenn qualifizierte Pflege zurückgedrängt wird, würden an anderer Stelle höhere Kosten im System entstehen, etwa durch vermeidbare Komplikationen, verwies der ÖGKV etwa auf Stürze, Infektionen, Druckgeschwüre oder Medikationsfehler. Diese können zu längeren Aufenthalten und häufigeren Wiederaufnahmen führen.
Darauf verwies auch Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria: Man stehe hier vor einem klassischen "Fehlanreizproblem": Entscheidungen würden sich an kurzfristigen Budgetzielen orientieren, während die Folgekosten im Gesamtsystem anfallen. "Sparen und Kürzungen jetzt verursachen Folgekosten." Qualifikation sei in der Pflege kein Kostenfaktor, sondern eine Voraussetzung für Effizienz.
ÖGKV fordert "klares Umdenken"
Der ÖGKV fordert nun ein "klares Umdenken" vonseiten der Politik. Verschiebungen von Befugnissen in kürzere und weniger ausgebildete Berufe seien "hintanzuhalten", wenn es zu Befugniserweiterung kommt, "dann nur mit entsprechender Ausbildung", betonte Potzmann.
Gleichzeitig drängte sie darauf, dass derzeit delegationspflichtige Tätigkeiten in eigenverantwortliche Berufsausübung umgewandelt werden, etwa beim Wundmanagement oder bei einfachen Tests wie Blutzuckermessungen. Hierbei braucht es aktuell jeweils die Anordnung durch einen Arzt, das verursache "unnötige Reibungsverluste". Ebenfalls auf der Wunschliste des ÖGKV stehen "nachhaltige Investitionen" in qualifizierte Pflege und eine weitere Ausbildungsoffensive. Gestärkt werden solle auch die freiberufliche Pflege, sagte Potzmann.
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