Mehrere Tote
USA und Israel greifen Iran an und umgekehrt
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von AgenturenDer Rauch der Zerstörung über den Dächern von Teheran
Bild: APA/APA/AFP/ATTA KENARE
Der Iran und Israel haben am Sonntag die gegenseitigen Angriffe fortgesetzt. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, Raketen seien in einem Wohngebiet südlich von Teheran eingeschlagen, dabei seien zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs afghanische Migranten. Das israelische Militär bestätigte Angriffe in der iranischen Hauptstadt sowie anderen Gebieten in dem Land. Ziel sei Infrastruktur des iranischen Machtapparats gewesen, hieß es.
Bei einem israelischen Raketenangriff auf Teheran wurde außerdem ein Büro des katarischen Nachrichtensenders Al-Araby beschädigt. Der Sender schrieb am Sonntag im Online-Dienst X, eine israelische Rakete habe das Gebäude getroffen, in dem sich die Redaktionsräume befinden. Dabei sei "erheblicher Schaden" entstanden, die Live-Berichterstattung sei deswegen unterbrochen worden. Aufnahmen aus dem Inneren des Gebäudes zeigten zerbrochene Scheiben, Glas und Trümmerteile. Aufnahmen von außen zeigten Trümmerteile auf den Straßen und beschädigte Gebäude.
Weiters sei eine wichtige Produktionsstätte für Bauteile von Raketen attackiert worden. Die israelische Luftwaffe habe in der Nacht auf Sonntag in Teheran "eine zentrale Anlage angegriffen, die vom iranischen Verteidigungsministerium zur Herstellung wichtiger Bestandteile ballistischer Raketen genutzt" werde, hieß es in einer Erklärung Sonntagnachmittag. Dabei handelt es sich demnach um einen von nur zwei solchen Standorten im Iran.
Dort wurden nach Angaben der israelischen Armee "Bestandteile entwickelt, die für den Zusammenbau und den Einsatz von Raketen bestimmt sind, die auf den Staat Israel abgefeuert werden könnten". Die Angriffe richteten sich zudem gegen Einrichtungen, die mit Triebwerken für ballistische Raketen, Drohnenherstellung, Luftabwehrsystemen und Raketenlagern in Verbindung stehen.
Nach Angaben iranischer Staatsmedien griffen Israel und die USA auch einen Hafen nahe der Straße von Hormuz an. Bei der Attacke auf den Kai des Hafens von Bandar Khamir seien fünf Menschen getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA am Sonntag.
Kein Abebben der Gewalt
Das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA schrieb in einem Bericht von Samstag, die Angriffe der vergangenen Tage auf den Iran seien die stärksten seit Kriegsbeginn gewesen. 74 Prozent der Angriffe hätten sich in Teheran ereignet. Nach Angaben von HRANA wurden mehr als 3.400 Menschen getötet, darunter mindestens 1.500 Zivilisten.
Der Iran setzte umgekehrt seine Raketenangriffe auf Israel fort. In verschiedenen Städten des Südens heulten die Warnsirenen. Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, es gebe keine Angaben zu Verletzten. Der Angriff galt nach Medienberichten auch der Wüstenstadt Dimona, die in der Nähe des israelischen Atomreaktors liegt. In dem Ort hatte es bei einem Angriff vor einer Woche Dutzende Verletzte und verheerende Zerstörungen in einem Wohngebiet gegeben. Iranische Medien meldeten Beschuss auf Israel. Alle Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Auch in anderen Ländern der Region dauerten die iranischen Angriffe an. Mehrere Golfstaaten meldeten erneut Schäden, darunter nach Angriffen auf ein Metallwerk in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate), bei dem es nach offiziellen Angaben auch mehrere Verletzte gab. Auch Katar, Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien meldeten neue Attacken. In Kuwait zielten einige davon nach offiziellen Angaben auf das Umfeld des internationalen Flughafens und verursachten erhebliche Schäden am Radarsystem.
Die Flugabwehr habe 16 Raketen und 42 Drohnen abgefangen, meldete das emiratische Verteidigungsministerium am Sonntag. Seit Beginn des Kriegs vor vier Wochen habe das Land iranische Angriffe mit mehr als 410 Raketen, 1.900 Drohnen und 15 Marschflugkörpern abgewehrt. Bisher wurden elf Menschen getötet, darunter zwei Soldaten, und rund 180 weitere verletzt. Die Streitkräfte von Bahrain teilten mit, dass dort bisher 170 Raketen und 390 Drohnen abgewehrt wurden.
Seit einem Monat Krieg
Israel und die USA hatten am 28. Februar mit gemeinsamen Luftangriffen auf den Iran begonnen. Teheran reagiert seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region. Der Iran hat zudem die Straße von Hormuz weitestgehend blockiert. Sie ist eine der weltweit wichtigsten Meerengen für den Öl- und Gasexport, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet. Durch die strategisch wichtige Meerenge verläuft üblicherweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports.
Die Außenminister Saudi-Arabiens, der Türkei, Ägyptens und Pakistans berieten am Sonntag über Wege zur Beendigung des Iran-Krieges. Das Treffen in Islamabad sei einberufen worden, "um die sich entwickelnde Lage in der Region zu erörtern und Fragen von gemeinsamem Interesse zu besprechen", teilte das pakistanische Außenministerium mit. Im Iran-Krieg hat Pakistan zuletzt eine Vermittlerrolle zwischen dem Iran und den USA eingenommen.
Vor dem Vierer-Treffen empfing Pakistans Außenminister Ishaq Dar seine jeweiligen Kollegen separat zu bilateralen Gesprächen. Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty und sein türkischer Kollege Hakan Fidan trafen zudem mit Pakistans einflussreichem Armeechef Asim Munir zusammen. Vertreter der USA oder Israels waren nicht zugegen, wie es aus Ministeriumskreisen hieß. Munir stand aber in regelmäßigem Austausch mit US-Vizepräsident James Vance, wie aus informierten Kreisen verlautete.
Die Türkei arbeitete mit anderen Staaten an einem Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormuz, sagte ein weiterer Insider. Es gehe Ankara vor allem um eine Feuerpause. Die weitgehende Sperrung der Meerenge führte zu massiven Störungen der weltweiten Energieversorgung und ließ die Ölpreise drastisch steigen. Die Regierung in Islamabad verfügt über gute Beziehungen zu Teheran und den Golf-Staaten sowie zu den USA.
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