Vereitelter Swift-Attentäter kündigte "Großes" an

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von Agenturen

Die beiden Angeklagten beim Prozessauftakt

Bild: APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER


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Am Donnerstag ist am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess gegen Beran A. wegen des mutmaßlich verhinderten Terroranschlags auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt worden. Zwei Bekannte von Beran A. sagten aus, dass dieser ihnen gegenüber zwar mehrfach davon sprach "Großes" vorzuhaben, von konkreten Terrorabsichten wollten die Zeugen aber nichts gewusst haben.

Zuerst wurde Luca K. in Handschellen in den Schwurgerichtssaal geführt. Der ehemalige Freund von Beran A. widersprach dessen Aussagen in mehreren Punkten. Er sei nicht gewarnt worden und habe auch nichts von den Anschlagsplänen gewusst. Beran A. hatte ausgesagt, Luca K. habe "gewusst, was ich vorhabe", da er ihn gewarnt hatte, nicht zum Konzert zu gehen. "Daran kann ich mich nicht erinnern", sagte Beran A. dazu. Der 19-Jährige wäre für den Bühnenaufbau und Abbau im Ernst-Happel-Stadion zuständig gewesen. Er habe den Erstangeklagten gefragt, ob auch er beim Konzert arbeiten möchte, was dieser jedoch verneinte. "Ich habe aber alle meine Freunde gefragt".

Luca K. galt unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Terrorpläne und den Konzertabsagen als Komplize, eine Beteiligung an den Anschlagsplänen konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Er wurde allerdings im vergangenen Juli wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Im Jänner fasste er nach einer Gewaltattacke mehrerer Männer im Juli 2024 eine sechsmonatige Zusatzstrafe aus. Luca K. sitzt seit 7. August 2024 in Haft.

Auch ein zweiter, am Nachmittag befragter Bekannter von Beran A. meinte, dieser habe in den Wochen vor den Konzerten davon gesprochen, dass er "Großes" vorhabe. Als er nachgefragt habe, sei der Angeklagte nicht darauf eingegangen und habe nur gemeint: "Du wirst es erfahren." Immer wieder habe Beran A. sich radikal geäußert, aber "man hat ihn halt nicht ernst genommen."

Angeklagte sollen Teil einer Terrorzelle sein

Prozessgegenstand ist neben dem mutmaßlich verhinderten Swift-Attentat auch ein Anschlag in Mekka. Beran A. und der mitangeklagte Arda K. sollen ihren ehemaligen Schulfreund Hasan E. zu dem Terrorakt bewogen haben. Die beiden Angeklagten stellen das in Abrede und sagten aus, der in Saudi-Arabien in Haft sitzende Hasan E. soll sie zu Anschlägen in Dubai bzw. Istanbul angestiftet haben. Beide zogen in letzter Sekunde zurück. Hasan E. dagegen stach in Mekka auf Sicherheitsbeamte ein.

Dass er in Dubai war, habe Beran A. Luca K. erzählt. "Aber ich habe ihm das nicht geglaubt, er hat mir auch keine Bilder gezeigt". Er meinte zwar: "Soweit ich weiß, hat er gesagt, dass er etwas vor hat." Dass er von den Plänen Beran A.s in Dubai gewusst habe, bestritt Luca K jedoch. Während Beran A. in Dubai war, hatten die beiden Chat-Kontakt, den der Zeuge irgendwann abbrach. "Schreib mir nicht. Es ist gefährlich. Wegen dem" (sic), schrieb er.

Autofahrt mit IS-Messer

Nach dessen Rückkehr habe sich Beran A. "verändert". Er habe oft Drogen genommen und dem Zeugen Sticker mit der Fahne des Islamischen Staates geschenkt. Am 12. Juli 2024, nicht einmal ein Monat vor den geplanten Konzerten, schrieb Beran A. dem Zeugen: "Ich habe Waffen besorgt." Damit sei eine Schreckschusspistole gemeint gewesen, meinte Luca K. Immer wieder erwähnte der Zeuge auch eine gemeinsame Autofahrt, bei der der Angeklagte mit Messer mit IS-Symbol am Steuer saß. Darauf wurde von Richterin und Staatsanwaltschaft allerdings nicht näher eingegangen. Nur kurz Thema war auch ein Vorfall, bei dem Beran A., der am Nachmittag befragte Zeuge und weitere junge Männer mit Sturmhauben maskiert durch einen Zug gelaufen sind.

Heute nach den geplanten Anschlägen in Dubai, Istanbul und Mekka gefragt, meinte der zweitangeklagte Arda K., er habe erst in Istanbul "endgültig" davon erfahren, dass Beran A. "auch dabei" sei. Zuvor habe er gewusst, dass Hasan E. Beran A. "für die Ideologie" gewinnen wollte. Auch konkret, dass Hasan E. Beran A. für einen Anschlag gewinnen wollte, habe er gewusst.

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Prozess nicht-medienöffentlich fortgesetzt

Der Prozess wurde dann mit Fragen an Beran A. zu seiner Ex-Freundin fortgesetzt. Die junge Frau war auch selbst als Zeugin geladen. Für diesen Teil der Verhandlung wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, da es sich um den höchstpersönlichen Lebensbereich der beiden handelt. Ein Urteil soll es am kommenden Donnerstag geben.

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