Viele Tote und Verletzte durch russische Bomben in Ukraine
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von AgenturenAngriffe hinterlassen Spur der Zerstörung
Bild: APA/APA/AFP/SERGEY BOBOK
Kurz vor einer von der Ukraine angekündigten Waffenruhe sind in der Großstadt Saporischschja infolge russischer Bombenangriffe mindestens zwölf Menschen getötet worden. Über ein Dutzend weitere wurden verletzt, wie der Gouverneur der südostukrainischen Region Saporischschja, Iwan Fedorow, bei Telegram mitteilte. Bilder zeigten schwere Schäden an Gebäuden und Rauchwolken. Die Front zwischen russischen und ukrainischen Truppen verläuft nur etwa 20 Kilometer südlich der Stadt.
Parallel dazu wurden in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk nach Behördenangaben mindestens neun Menschen durch drei russische Bomben getötet. Es gebe zudem 16 Verletzte, teilte der Zivilschutzdienst bei Telegram mit. Dutzende Menschen mussten psychologisch betreut werden. Den Angaben nach wurde eine große Zahl an Wohnhäusern und Autos beschädigt. Mehrere Brände wurden gelöscht. Die Industriestadt im hart umkämpften Gebiet Donezk ist nur rund 15 Kilometer von der Frontlinie entfernt.
In der zentralukrainischen Region Poltawa habe ein russischer Drohnen- und Raketenangriff drei Arbeiter eines Energieunternehmens und zwei Rettungskräfte getötet, hieß es von den örtlichen Behörden. 37 weitere Menschen seien verletzt worden. In der Region Charkiw wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Mensch getötet, zwei Menschen seien verletzt worden. Russland habe elf ballistische Raketen und 164 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert, erklärten die ukrainischen Behörden.
Selenskyj wirft Russland rund um Waffenruhe "Zynismus" vor
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland "Zynismus" wegen tödlicher Angriffe vor, während Moskau gleichzeitig eine Waffenruhe rund um seine Siegesparade am 9. Mai fordert. Es sei "blanker Zynismus, eine Waffenruhe zu fordern, um Propaganda-Feierlichkeiten abzuhalten, während man im Vorfeld jeden einzelnen Tag solche Raketen- und Drohnenangriffe ausführt", erklärte Selenskyj am Dienstag als Reaktion auf neue russische Angriffe mit mehreren Toten.
Russland könne das Feuer jederzeit einstellen "und das würde den Krieg und unsere Reaktionen beenden", erklärte der ukrainische Präsident. Moskau und Kiew hatten am Montag einseitige Waffenruhen zu unterschiedlichen Daten angekündigt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, rund um die Feier zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. und 9. Mai die Waffen schweigen lassen zu wollen. Die Parade am 9. Mai in Moskau ist für gewöhnlich eine große Machtdemonstration. In diesem Jahr soll sie nur in abgespeckter Form ohne Militärausrüstung stattfinden aus Furcht vor ukrainischen Angriffen.
Selenskyj wiederum erklärte wenig später, die Ukraine wolle ihrerseits in der Nacht auf Mittwoch um Mitternacht eine Waffenruhe beginnen lassen. In der Vergangenheit hatte es mehrere kurze Feuerpausen gegeben. Doch auch mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Vollinvasion ist kein Ende des Ukraine-Krieges in Sicht.
Ukraine attackierte 18 russische Regionen
Die Ukraine griff ihrerseits ebenfalls wieder Russland an. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Region Tschuwaschien wurden nach Behördenangaben zwei Menschen getötet. Weitere 32 seien verletzt, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf den Gouverneur der Region. Diese liegt rund 600 Kilometer östlich der russischen Hauptstadt Moskau.
Insgesamt wurde sogar in 18 russischen Regionen Raketenalarm ausgerufen, darunter erstmals auch in dem im asiatischen Teil Russlands liegenden autonomen Kreis der Chanten und Mansen. Die Ukraine produziert seit dem vergangenen Jahr Marschflugkörper des Typs Flamingo, die eine Reichweite von bis zu 3.000 Kilometer haben sollen. Bisher wurden sie allerdings erst wenige Male eingesetzt.
Russische Ölraffinerie Kirischi nach Drohnenangriff stillgelegt
Nach ukrainischen Drohnenangriffen stellte indes die zweitgrößte russische Ölraffinerie Kirischi Insidern zufolge ihren Betrieb ein. Bei der Attacke seien drei der vier Rohöldestillationsanlagen beschädigt worden, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Ohne diese Anlagen kann die Raffinerie nicht produzieren. Der Gouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, bestätigte einen Angriff und einen Brand in einem Industriegebiet der Stadt Kirischi. Der ukrainische Geheimdienst erklärte, er habe die Anlage attackiert. Der Betreiber Surgutneftegaz äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
Die Ukraine greift seit zwei Monaten verstärkt die russische Ölinfrastruktur an. Die etwa 800 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte Raffinerie Kirischi war in diesem Jahr mehrfach Ziel von Drohnenangriffen. Wie lange die Reparatur der nun beschädigten Anlagen dauern wird, ist den Insidern zufolge schwer abzuschätzen. Es seien auch mehrere Nebenanlagen getroffen worden. Die Raffinerie hat eine Kapazität von 20 Millionen Tonnen pro Jahr. In den vergangenen Jahren verarbeitete sie jährlich rund 18 Millionen Tonnen und hatte damit einen Anteil von etwa sieben Prozent am russischen Verarbeitungsvolumen. Sie ist ein wichtiger Lieferant von Diesel für den Inlandsmarkt und den Export.
Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj im April doppelt so viele Angriffe auf Russland in einer Entfernung von mehr als 20 Kilometern ausgeführt wie im März. Im Vergleich zum Februar seien es sogar viermal so viele gewesen, erklärt Selenskyj auf der Online-Plattform X. Er kündigte an, die Zahl der Angriffe auf weiter entfernte Ziele künftig noch zu erhöhen.
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