WHO: Neun Sanitäter bei Angriffen im Südlibanon getötet
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von AgenturenGefährliches Leben derzeit auch für Journalistinnen im Libanon
Bild: APA/APA/AFP/ANWAR AMRO
Bei fünf Angriffen Israels auf Gesundheitseinrichtungen im Südlibanon sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Samstag neun Sanitäter getötet und sieben weitere verletzt worden. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus teilte mit, die wiederholten Angriffe beeinträchtigten die Gesundheitsversorgung in der Region sehr. Zuvor war gemeldet worden, bei Attacken der israelischen Armee auf Infrastruktur im Libanon seien auch drei Journalisten ums Leben gekommen.
Seitens der WHO hieß es am Samstag, inzwischen seien vier Krankenhäuser und 51 Gesundheitszentren geschlossen, während andere Einrichtungen nur noch mit reduzierter Kapazität arbeiteten.
Israel und die pro-iranische libanesische Hisbollah beschossen sich am Samstag weiterhin gegenseitig. Die israelische Armee gab an, Infrastrukturen der Hisbollah im Nachbarland angegriffen zu haben. Dabei wurden auch zwei Journalisten und eine Journalistin von zwei Hisbollah-nahen Fernsehsendern getötet, wie der TV-Sender der pro-iranischen Miliz, Al Manar berichtete. Die Hisbollah ihrerseits reklamierte erneut mehrere Raketenangriffe auf Israel und israelische Stellungen im Libanon für sich.
Al-Manar: "Langjähriger Korrespondent" getötet
Al-Manar meldete, dass ihr langjähriger Korrespondent Ali Shuaib bei einem Angriff bei Jesin im Süden des Landes ums Leben kam. Zudem berichtete der proiranische Sender Al-Majadin, der auch der Hisbollah nahe steht, dass bei dem Angriff ihre Reporterin Fatima Fatuni getötet wurde.
Bei der dritten Person handle es sich um Fatunis Bruder, den Kameramann Mohammed Ftuni, teilte das libanesische Informationsministerium am Samstag mit. Das israelische Militär erklärte, dass es Shuaib "eliminiert" habe. Er sei ein "Terrorist" in einer Geheimdiensteinheit der Hisbollah gewesen, der Standorte israelischer Soldaten im Südlibanon gemeldet habe. Die Hisbollah wies die Darstellung zurück.
Das israelische Militär gab an, einen "gezielten" Angriff auf Shuaib verübt zu haben. Er sei Mitglied der Hisbollah-Eliteeinheit Radwan gewesen und habe sich als "Journalist getarnt". So habe er über die Standorte israelischer Truppen im Süden des Libanon berichtet.
Sprachrohr der vom Iran unterstützten Hisbollah
Al-Manar TV gilt als Sprachrohr der vom Iran unterstützten libanesischen Hisbollah. Der Sender Al-Majadin wiederum gilt in seiner redaktionellen Ausrichtung als eng verbunden mit den Unterstützern des Iran in der Region.
Der Vorfall am Samstag ereignete sich kurz nach dem Tod des für Al-Manar tätigen freien libanesischen Journalisten Hussain Hamoud. Dieser kam nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) am Mittwoch bei einem israelischen Luftangriff ums Leben. Vom israelischen Militär oder dem US-Militär lag dazu keine Stellungnahme vor. Am Donnerstag hatte das CPJ mitgeteilt, dass seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran vor einem Monat mindestens drei weitere Journalisten im Nahen Osten bei Luftangriffen getötet worden seien.
Scharfe Kritik von libanesischen Spitzenpolitikern
Der libanesische Informationsminister Paul Morcos verurteilte den Angriff scharf. Seinen Angaben zufolge ist dabei auch der Kameramann und Bruder Fatunis, Mohammed Fatuni, getötet worden. "Wir verurteilen auf das Schärfste Israels wiederholte und vorsätzliche Angriffe auf Journalisten", betonte Morcos.
Auch im Gaza-Krieg hat das israelische Militär mehrfach Journalisten getötet. Das Journalistenschutzkomitee CPJ wirft dem israelischen Militär unter anderem vor, eine "langwährende, dokumentierte Praxis, Journalisten als Terroristen zu beschuldigen, ohne glaubhafte Beweise vorzulegen" zu verfolgen.
Libanons Präsident Aoun spricht von "dreistem Verbrechen"
Der libanesische Präsident Joseph Aoun bezeichnete die Getöteten auf der Plattform X als Zivilisten, die ihrer Berufspflicht nachgegangen seien. Es handle sich um ein dreistes Verbrechen, das gegen alle internationalen Regeln zum Schutz von Journalisten in Kriegen verstoße. Israel verstoße wieder einmal "gegen die grundlegendsten Regeln des Völkerrechts, des humanitären Völkerrechts und des Kriegsrechts". Israel nehme "Journalisten ins Visier, die letztlich Zivilisten sind und die ihrer beruflichen Pflicht nachkommen".
Bei einem Angriff in der Hauptstadt Beirut seien zwei hochrangige Hisbollah-Mitglieder getötet worden, hieß es von der israelischen Armee. Im Süden des Landes verübte das Militär nach eigenen Aussagen Dutzende Angriffe, auch mit Unterstützung der israelischen Bodentruppen, die sich auf libanesischem Boden befinden. Dabei sollen unter anderem Waffenlager getroffen worden sein. Bei den Gefechten im Südlibanon seien zwei Soldaten schwer verletzt worden, teilte die Armee mit.
Auch Rettungsauto getroffen
Die libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete in der Früh und in der Nacht zahlreiche israelische Angriffe, vor allem im Süden des Landes. Israelische Kampfjets hätten einen Krankenwagen des islamischen Rettungsdienstes Risala bei Nabatiye getroffen. Dabei seien fünf Sanitäter getötet worden. Die Risala-Sanitäter stehen der Amal-Bewegung nahe, die ein wichtiger Verbündeter der Iran-treuen Hisbollah ist. In der Stadt Nabatiye seien Wohngebäude, Geschäfte und eine Tankstelle getroffen worden.
Bei einem weiteren Angriff im Süden des Landes wurden nach NNA-Angaben vier weitere Menschen getötet. Es soll sich dabei um syrische Arbeiter gehandelt haben. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur berichtete am Samstag von morgendlichen Luftangriffen auf Städte wie Majdal Selm, Kafra, Adlun und Tulin.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Soldaten über die Grenze.
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