"Abschussliste"
WWF-Warnung vor 1.000 toten Bibern in Österreich
Veröffentlicht:
von Quelle: APA, JOYN NewsZIB 8:00
Debatte um Lockerung bei Biber-Abschuss
Videoclip • 01:37 Min
1.000 Biber und mehr könnten laut WWF in sechs österreichischen Bundesländern trotz Schutzstatus den Tod finden. Davor warnte die Naturschutzorganisation unter Hinweis auf eine Auswertung der jährlichen Tötungskontingente in bestehenden und geplanten Verordnungen. Allein Niederösterreich plant eine Erhöhung von bisher 392 auf bis zu 600 Tiere, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.
"Der Biber baut genau das, was wir gegen Hitze und Dürre brauchen: natürliche Dämme, die Wasser zurückhalten und wertvolle Feuchtgebiete schaffen", wurde WWF-Artenschutzexpertin Sarah Stöger zitiert. Sie fordert ein Ende EU-rechtswidriger Tötungsregeln und Vorrang für natürliche Prävention. Es sei höchst kurzsichtig, den Biber derart aggressiv zu verfolgen.
Der WWF nannte neben dem Spitzenreiter Niederösterreich noch Oberösterreich mit 158 Bibern auf der "Abschussliste", Kärnten mit 148, die Steiermark mit 84, Vorarlberg mit insgesamt möglichen 32 und Salzburg mit 15 Bibern. Zusätzliche Tötungen über diese Kontingente hinaus sind in Kärnten bei "Gefahr im Verzug" bereits möglich und auch in Niederösterreich vorgesehen.
Zwei Generationen von Jungtieren gefährdet
Die regulären Eingriffszeiten reichen laut WWF meist von Anfang September bis Ende März, um Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit auszusparen. Doch junge Biber bleiben bis zu zwei Jahre bei ihren Eltern. Würden diese Elterntiere dann etwa im Herbst getötet, könnten deshalb zwei Jahrgänge ihrer Nachkommen betroffen sein. "Die Tötung der Eltern kann auch für viele Jungtiere zum Todesurteil werden", warnte Stöger vor den Folgen des "überschießenden Vorgehens" mehrerer Bundesländer.
Darüber hinaus widersprechen die untersuchten Verordnungen in zentralen Punkten dem EU-Artenschutzrecht, insbesondere weil die vorgeschriebene Einzelfallprüfung ausgehebelt wird. Die WWF-Analyse zeigt weiter Lücken bei Kontrollen, beim Rechtsschutz und der Berücksichtigung von Folgen für Schutzgebiete und zusammenhängende Biberbestände. "Das EU-Recht verlangt streng begründete Ausnahmen, die Länder machen daraus pauschale Tötungsregeln. Österreich entfernt sich damit immer weiter von den europäischen Schutzvorgaben", kritisierte Stöger das Vorgehen.
Die Landesregierungen wurden aufgefordert, ihre Verordnungen zu überarbeiten. Jede Ausnahme vom strengen Artenschutz brauche eine nachvollziehbare behördliche Einzelfallentscheidung, eine Prüfung von Alternativen und wirksamen Rechtsschutz. Fachkundige Beratung, geeignete technische Schutzmaßnahmen und ausreichend breite Uferrandstreifen müssten verlässlich finanziert werden, so der WWF. Außerdem sollten die Länder nach einheitlichen wissenschaftlichen Standards gemeinsam erfassen, wie sich Bestände und Tötungen entwickeln und ob die Eingriffe Konflikte dauerhaft lösen.
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