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Kein Sommer wie damals: Ära menschengemachter Hitzewellen bricht an

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von Quelle: APA, JOYN News

ZIB 13:00

Hitzewelle im August ließ Todesfälle ansteigen

Videoclip • 01:30 Min


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Der heurige, weiter warm ausgehende Sommer hat einen Hitzerekord nach dem anderen gebracht. Angesichts der Ergebnisse einer Schnellauswertung zu den enormen Hitzewellen verschlug es selbst einem Profi wie Gottfried Kirchengast von der Uni Graz fast die Sprache. Diese hat der Physiker und Klimaforscher im APA-Gespräch aber rasch wieder gefunden. Die extremen Werte wären ohne den Klimawandel unmöglich, das "Zeitalter der menschengemachten, schweren Hitzewellen" sei angebrochen.

Der am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel und Institut für Physik der Universität Graz tätige Forscher ist u.a. auch Vertreter der Wissenschaft im Nationalen Klimaschutzkomitee (NKK). Im Rahmen von selbigem legte Kirchengast kürzlich eine Eingabe zum bisherigen Verlauf des Sommers 2026, mit seinen zwei ausgedehnten Hitzewellen mit bis zu 41,2 Grad Celsius, in Österreich vor.

Zur Anwendung kam hier eine im Februar im Fachjournal "Weather and Climate Extremes" vorgestellte neue Methode. Fazit: Ohne den fortschreitenden Klimawandel hätte es derart massive Extreme in unseren Breiten "nicht geben können".

Juli/August brachte "stärkste je in Österreich registrierte" Hitzewelle

Kirchengast und sein Team setzen bei Erfassung von Hitze-Extremereignissen wie den heurigen auf ein System, in dem der zeitliche und regionale Aspekt sowie das Ausmaß der Überschreitung einer Grenze hin zu Extremwerten gemeinsam betrachtet werden. So zerlegt man jene Teile Österreichs, die unterhalb von 1.500 Metern Seehöhe liegen, in insgesamt 670 Areale zu je 100 Quadratkilometern, wobei die Detailrechnung auf einem feinen Raster von einem Kilometer mal einem Kilometer erfolgt.

Wird in diesem Raster im Rahmen einer Hitzewelle die 30-Grad-Celsius-Schwelle in der bodennahen Luft zum Beispiel auf einer Fläche von zehn Arealen um jeweils vier Grad an zwei Tagen überschritten, stehen achtzig "Arealgradtage" (AGT) zu Buche. Diese dienen als sehr robustes Vergleichsmaß der "Gesamtextremität" über verschiedene Zeiträume und geografische Regionen hinweg.

Der Auswertung der Sommerdaten zufolge verzeichnete Österreich 2026 in der ersten Hitzewelle (17. Juni bis 2. Juli) bundesweit rund 16.900 Arealgradtage. Die zweite Welle von 25. Juli bis 17. August brachte mit rund 26.400 Arealgradtagen noch eine zusätzliche Eskalationsstufe und war laut Kirchengast "die stärkste je in Österreich registrierte".


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Klimawandel mit großem Anteil

Richtig einordnen lässt sich all das erst im Vergleich mit anderen richtig heißen Jahren. So blieben die "Jahrhundertsommer" 2003 und 2015 knapp noch unter 25.000 bzw. 40.000 AGT, während 2026 bis zum Wechsel der Wetterlage im September schon bei rund 50.000 AGT steht, rechnet der Klimawissenschafter vor.

Das Ausmaß an Wärmeenergie, das an den neuen Rekordtagen Ende Juli und Anfang August in Form einer Hitzeglocke bisher ungekannten Ausmaßes über dem Land hing, toppte so gut wie sicher die vergangenen letzten rund 1.000 Jahre. Das könne man berechnen, weil es für Österreich schon ab dem 9. Jahrhundert gute klimahistorische Sommermitteldaten und ab dem 15. Jahrhundert auch bereits Monatsmitteldaten sowie seit etwa 1880 sogar detaillierte Tages-Wetterdaten gibt.

Mit der neuen Herangehensweise lasse sich auch der Anteil abschätzen, den der vom Menschen durch das Verbrennen fossiler Energieträger, Industrieprozesse und Landnutzung verursachte Klimawandel an solchen Extremhitzeereignissen hat. Klar ist, dass das kurzfristige Wetter immer wieder natürliche Ausreißer produziert. Von diesem üblichen Auf und Ab - die Wissenschafter sprechen hier von "Rauschen" - hebt sich das "sehr, sehr starke Signal" des heurigen Sommers aber mehr als klar ab, erklärte Kirchengast: "Es ist ein Novum, dass man für einzelne Hitzewellen so robuste Anteilsrechnungen zum menschengemachten Einfluss machen kann."

Historische Hitzewellen "weit weg" von 2026er-Situation

Im Vergleich zum durchschnittlichen Temperaturniveau vor Beginn der Industrialisierung verzeichnet man in unseren Breiten im Sommer bereits ein durchschnittliches Plus zwischen drei und vier Grad Celsius. Europa und speziell der Alpenraum ist hier besonders betroffen. Und: Das Gros der Zunahme hat sich erst in den vergangenen Jahrzehnten nach 1980 eingestellt. Vergleicht man nun die aktuellen einzelnen Hitzewellen wieder mit einzelnen Hitzewellen der Vergangenheit - einmal mit und einmal ohne die dahinterliegende, starke Mitteltemperaturerhöhung seit den 1970er-Jahren - dann ist das Ergebnis eindeutig.

Bei aktuell auftretenden Hitzewellen mit über 15.000 Arealgradtagen kann rund 80 Prozent der Schwere auf die hinter dem Klimawandel stehenden menschengemachten Emissionen zurückgeführt werden, erklärt Kirchengast: "Rechnet man zurück, ist man in den vergangenen Jahrhunderten wirklich weit von dem Ausmaß weg gewesen, von dem, das diese beiden Hitzewellen 2026 erreicht haben. Da steckt schon sehr robustes physikalisches Wissen dahinter."


Neues "thermodynamisches Niveau, das wir herbeigeführt haben"

Bei so einem hohen, nachweisbaren "anthropogenen Anteil" an dieser Entwicklung stelle sich auch die Frage, ob man es in der Folge überhaupt noch mit "Naturkatastrophen" zu tun hat. Die Natur alleine hätte nämlich derart schwere Hitzewellen in Österreich gar nicht herbeiführen können, sagte Kirchengast: "Dazu braucht es ein ganz anderes thermodynamisches Niveau, das wir klar menschengemacht herbeigeführt haben."

Dass das jetzt so eindeutig gezeigt werden kann, sei "wissenschaftlich eindrucksvoll, aber natürlich politisch ein Riesenauftrag". Schaue man als Physiker auf Argumentationen, dass es so etwas doch immer schon gegeben habe, dann sei das absolut nicht nachvollziehbar und geradezu absurd. Mit dem Wissen von heute jetzt keinen professionellen Klimaschutz zu machen, sei zukunftsvergessen, denn wenn es in dem Modus weitergeht, sind etwaige Klimawandel- und Katastrophenanpassungsmaßnahmen eine "völlige Überforderung", so Kirchengast. Angesichts dessen sei es "traurig", dass man in der teils auf "erbärmlichem Niveau" geführten gesellschaftspolitischen Diskussion und Umsetzung beim Klimaschutz noch immer nicht weiter ist.

Was sind konkrete Kosten der Hitze?

In einer Detailstudie arbeiten der Wissenschafter und sein Team daher aktuell daran, die Extreme dieses Sommers in wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden quasi zu übersetzen. Gelingt das, könne man festmachen, was die einzelnen Hitzewellen an Arbeitsproduktivität, in der Landwirtschaft oder im Gesundheitssystem konkret gekostet haben und wie viel davon auf die Kappe der menschengemachten Emissionen geht.

Kirchengast kann sich durchaus vorstellen, dass die Ereignisse dieses Sommers und die kristallklaren Befunde dazu auch bei klimawandelskeptischen Menschen, die nicht jedoch von vornherein den Diskurs verweigern, zu einer gewissen Bewegung führen können. Der Forscher ortet in Einzelgesprächen auch bei Menschen aus dem politischen Bereich, die hier zuletzt sehr abweisend waren, zumindest zunehmend "Verunsicherung". Der Hitzesommer sei somit auch ein Anlassfall "um neu nachzudenken: 'Augen zu, Ohren zu' geht einfach nicht mehr". Denn die statistische Wahrscheinlichkeit, dass es bereits in wenigen Jahren wieder ähnlich extrem wird, ist mittlerweile auch sehr stark gestiegen, so der Physiker und Klimaforscher.

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