"Fehlt politischer Mut"

Hitzewellen durch Klimawandel: "Lösungen werden nicht schnell genug umgesetzt"

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von Quelle: APA, Dijana Djordjevic

ZEIT IM BILD 1

Forschung: Hitzewellen heute deutlich heißer und häufiger

Videoclip • 01:38 Min


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Mit 40 Grad hat die Hitzewelle vergangenes Wochenende ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Dieser Wert, der vor allem für den Monat Juni eine absolute Höchstmarke ist, wäre ohne die Klimaerwärmung in dieser Form nicht möglich gewesen, zeigt nun eine internationale Analyse. Expert:innen betonen: Lösungen gegen die Erderwärmung gibt es, sie werden aber nicht schnell genug umgesetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Hitzewelle im Juni wäre ohne die menschengemachte Klimaerwärmung in dieser Form nicht möglich gewesen, zeigt eine aktuelle Analyse.

  • Lösungen gegen die Erderwärmung gibt es laut Expert:innen - sie werden nur nicht schnell genug umgesetzt.

  • Welche Maßnahmen notwendig sind erklärt eine Klima- und Energieexpertin von Greenpeace im Interview.

Vergangenes Wochenende wurden in Österreich sämtliche Hitz-Rekorde gebrochen: Erstmals wurden im Juni hierzulande 40 Grad gemessen. Noch nie waren bereits so früh die Temperaturen so hoch, die Nächte so warm.

Dabei handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Sommerwetter, sondern um eine Konsequenz des menschengemachten Klimawandels, zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Forschergruppe World Weather Attribution (WWA).

Solche Hitzewelle 1976 praktisch unmöglich gewesen

So hält das internationale Forscherteam vom Imperial College in London fest: "Der Klimawandel ist eindeutig dafür verantwortlich". Wie sehr, zeigt ein Blick 50 Jahre zurück in die Vergangenheit: 1976 - damals war das Klima im globalen Schnitt 1,1 Grad kühler - wäre eine solche Hitzewelle im Juni praktisch unmöglich gewesen. So hätte man damals unter ähnlichen Umständen geschätzt rund 3,5 Grad Celsius niedrigere Tagestemperaturen und ungefähr 2,4 Grad niedrigere Nachttemperaturen registriert.

Aber man muss gar nicht so weit in die Vergangenheit zurück: Auch im Vergleich zum Jahr 2003, in dem es auch eine schwere Hitzewelle in Europa gab, sind heiße Nächte heute etwa 100 Mal wahrscheinlicher als damals.

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"Haben Lösungen - müssen sie nur umsetzen"

Dass die Erderwärmung dafür sorgt, dass die Hitzewellen intensiver sind und häufiger vorkommen - darin sind sich Klimaexpert:innen einig. Dass diese Erderwärmung von Menschen verursacht wird, ist auch eine Tatsache.

Friederike Otto, eine der WWA-Attributionsforscher:innen, kommentierte: "Wissenschaftlerinnen wie ich klingen langsam wie eine kaputte Schallplatte. Jahr für Jahr geben wir ähnliche Statements ab als Reaktion auf diese Hitzerekorde, die immer weiter steigen. Ja, das ist der Klimawandel. Ja, wir sind dafür verantwortlich. Nein, es liegt nicht an El Niño. Ja, wir haben die Lösungen. Nein, wir setzen sie nicht schnell genug um."

Und auch Greenpeace betont: "Wir haben alle Lösungen, die wir brauchen. Wir müssen sie nur umsetzen."

Aber warum tun wir das eigentlich nicht?

"Zentrales Instrument für wirksamen Klimaschutz fehlt in Österreich"

Der wichtigste Hebel, um die Erderwärmung zu begrenzen sei der "rasche Ausstieg aus fossilen Energien, also Kohle, Öl und Gas", sagt Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace Österreich gegenüber JOYN News. "Ob beim Heizen, im Verkehr oder in der Stromversorgung: Wir müssen unseren Energieverbrauch senken, die Energieeffizienz steigern und den Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Sonnenkraft deutlich beschleunigen. Nur so können wir die Klimakrise wirksam begrenzen und gleichzeitig unsere Abhängigkeit von Öl und Gas beenden", so Duregger.

In Österreich fehle nach wie vor das "zentrale Instrument für wirksamen Klimaschutz": ein ambitioniertes Klimagesetz. So müsse laut der Klima- und Energieexpertin verbindlich festgelegt werden, "wie Österreich seine Treibhausemissionen Jahr für Jahr reduziert, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen". Hier liege trotz monatelanger Verhandlungen der Regierung immer noch kein Gesetzesentwurf vor.

Laut Duregger brauche es aber auch eine grundlegende Neuausrichtung der Budgetpolitik. "Statt fossile Energien weiterhin mit Milliarden zu fördern, müssen diese Mittel in den Ausbau klimafreundlicher Alternativen fließen – etwa in den öffentlichen Verkehr, sichere Radinfrastruktur, leistbare Elektromobilität und den Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme", kritisiert sie. "Klimafreundliches Verhalten muss für alle Menschen einfacher und leistbar sein."


"Es fehlt vielerorts an politischem Mut"

Auch international brauche es ein "klares Bekenntnis zum Ausstieg aus fossilen Energien". Dazu gehöre insbesondere, keine neuen Öl- und Gasfelder mehr zu erschließen und stattdessen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu investieren. Geht es um den Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen der Klimakrise, müssten wohlhabende Staaten gleichzeitig ärmere Länder finanziell unterstützen, so die Greenpeace-Expertin.

Ein Grund warum diese Maßnahmen noch nicht - zumindest nicht vollständig - umgesetzt wurden, sei der große Einfluss der fossilen Industrie.

"Öl- und Gaskonzerne profitieren vom bestehenden System und erzielen teilweise enorme Gewinne, während viele Menschen unter hohen Energiepreisen leiden. Mit intensiver Lobbyarbeit versuchen sie, politische Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen und den notwendigen Umstieg auf saubere, zukunftsfähige Energien zu verzögern", so Duregger. Gleichzeitig fehle es "vielerorts an politischem Mut, langfristige Klima- und Gemeinwohlzielen höher zu priorisieren als kurzfristige Wirtschaftsinteressen".

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