1,3 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe im Sudan
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von AgenturenIm Sudan spielt sich laut UNO die größte humanitäre Krise der Welt ab
Bild: APA/APA/AFP/EBRAHIM HAMID
Die Geberländer auf der dritten internationalen Sudan-Konferenz in Berlin wollen für das laufende Jahr mehr als 1,3 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe in dem Bürgerkriegsland bereitstellen. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul sprach am Rande der Konferenz in "einer Welt schrumpfender humanitärer Mittel" von einem guten Zeichen. Es helfe, "das Leid der Menschen im Sudan ein wenig zu lindern" und Leben zu retten. Österreich war bei der Konferenz ebenfalls vertreten.
Die Geber zeigten auch, "dass dieser Konflikt nicht vergessen ist". Auf der Berliner Konferenz gehe es um das grundsätzlichste Ziel überhaupt - um Menschlichkeit, betonte Wadephul angesichts des Ausmaßes der humanitären Krise im Sudan. Deutschland stockt seine Sudan-Hilfe laut Wadephul um insgesamt mehr als 230 Millionen Euro auf.
Größte humanitäre Krise der Welt
Österreich, das durch den Abteilungsleiter für Humanitäre Hilfe und Nahrungsmittelhilfe im Außenministerium, Christian Brunmayr, bei der Konferenz vertreten ist, sagte 16,6 Millionen Euro zu. Es handle sich bei dem Betrag um die Ausschüttungen aus dem Auslandskatastrophenfonds (AKF), teilte das Außenministerium auf APA-Anfrage mit. Mit den österreichischen Mitteln würden vom Bürgerkrieg betroffene Flüchtlinge, Binnenvertriebene und Aufnahmegemeinschaften im Sudan und in der Region durch Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Wasser-, Sanitär- und Hygienemaßnahmen, Unterkünfte und Ernährungssicherheit unterstützt. "Österreich lässt die notleidende Zivilbevölkerung im Sudan nicht im Stich."
Der Machtkampf zweier Generäle hat im drittgrößten Land Afrikas entsetzliches Leid über die Zivilbevölkerung gebracht: In dem drittgrößten afrikanischen Land herrscht seit genau drei Jahren ein blutiger Bürgerkrieg, der nach UNO-Angaben die größte humanitäre Krise auf der Welt auslöste. Derzeit sind mehr als 11,6 Millionen Menschen auf der Flucht im Sudan und den Nachbarländern, mehr als 19 Millionen Menschen sind von Hunger bedroht. Es kommt zu Massakern und massiver sexueller Gewalt. Nach UNO-Angaben war die Finanzierung der humanitären Hilfe für den Sudan in diesem Jahr bisher nur zu 16 Prozent gesichert.
Guterres: "Dieser Albtraum muss enden"
"Dieser Albtraum muss enden", sagte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Videobotschaft zu den Teilnehmern der Konferenz, die von Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich sowie Europäischer und Afrikanischer Union ausgerichtet wird. "Die internationale Gemeinschaft hat die sudanesischen Menschen wirklich im Stich gelassen", sagte der stellvertretende Leiter des Welternährungsprogramms WFP, Carl Skau, über seine Eindrücke während eines Besuchs in der Region Darfur in den vergangenen Tagen. "Sie hat dabei versagt, den Ausbruch dieses schrecklichen Kriegs zu verhindern, und sie hat beim Schutz der Zivilbevölkerung, der Frauen und Kinder, versagt." Humanitäre Organisationen seien in der Lage, Leid zu lindern - doch die Helfer müssten in der Lage sein, sicher und ungehindert zu arbeiten. Zudem werde mehr Geld zur Finanzierung der Hilfe benötigt. "Derzeit kann sich das WFP nicht einmal volle Rationen in Gebieten leisten, in denen Hunger herrscht."
UNO-Nothilfe-Koordinator Tom Fletcher sagte, der Sudan sei ein "Laboratorium der Gräueltaten". 34 Millionen Menschen im Sudan seien auf Hilfe angewiesen, 19 Millionen Menschen litten Hunger, zehn Millionen Kinder hätten keinen Zugang zur Schule. Ein UNO-Hilfsplan sehe vor, 14 Millionen Menschen zu erreichen, doch dazu seien 2,2 Milliarden Dollar nötig. Er sprach von einer Bewährungsprobe der internationalen Gemeinschaft. Das sudanesische Volk dürfe nicht weiter im Stich gelassen werden, forderte Fletcher.
Waffenruhe und Waffenembargo gefordert
Der Berater der US-Regierung für die afrikanischen und arabischen Länder, Massad Boulos, forderte wie der UNO-Sondergesandte für den Sudan, Pekka Haavisto, eine sofortige humanitäre Waffenruhe. Diese solle ohne Vorbedingungen sofort akzeptiert werden, damit man an einem politischen Übergang arbeiten könne, sagte Boulos. Er erklärte, die USA ergriffen keine Partei und konzentrierten sich auf einen UNO-Mechanismus zur Lösung des Konflikts. Die britische Außenministerin Yvette Cooper forderte gemeinsame Anstrengungen, um den Waffenfluss in das Land zu stoppen, und warf der Weltgemeinschaft vor, die Menschen im Sudan im Stich gelassen zu haben.
Mehrere Konferenzteilnehmer sprachen sich für die Einbindung der sudanesischen Zivilgesellschaft in die Gespräche über die Zukunft des Landes aus - und einen demokratischen Neubeginn. Teil der Konferenz in Berlin ist eine Plattform für Beratungen von Vertretern der Zivilgesellschaft, die einen Plan hin zu einer zivilen statt einer Militärregierung für das Land erarbeiten sollen.
Volker Türk, der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, forderte, die Untersuchung von Gräueltaten im Bürgerkrieg an den Internationalen Strafgerichtshof zu überweisen. "Extremst wichtig" sei ein Waffenembargo für den gesamten Sudan, nicht nur für die Region Darfur.
Krieg der Generäle - "Sie zerstören ihr Land"
Der Bürgerkrieg im drittgrößten Land Afrikas begann vor genau drei Jahren - am 15. April 2023. Seitdem kämpfen die Regierungsarmee SAF von De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und die Miliz RSF unter Mohamed Hamdan Daglo um die Vorherrschaft im Land. Einst hatten sich die beiden gemeinsam an die Macht geputscht - Daglo war al-Burhans Stellvertreter.
Der Vorsitzende der Kommission der Regionalorganisation Afrikanische Union (AU), Mahmoud Ali Youssouf, sagte: "Die sudanesischen Akteure zerstören ihr Land. Sie verlieren ganze Generationen von Sudanesen."
In dem Bürgerkrieg geht es auch um Einflusssphären: Es gilt als unstrittig, dass die RSF Unterstützung durch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erhält. Die Regierungstruppen wiederum werden vom Nachbarland Ägypten und von Saudi-Arabien unterstützt.
Wadephul verteidigte im Deutschlandfunk die Entscheidung, die sudanesischen Kriegsparteien nicht nach Berlin einzuladen. "Wir sind dabei, mit den Kriegsparteien zu reden. Nur ich habe grundsätzlich entschieden, dass ich die beiden Parteien nur dann einlade, wenn sie sich zu einem Waffenstillstand verstehen können", sagte er. "Derzeit sind sie noch der Meinung, dass es eher richtig ist, weiter zu kämpfen und weiter zu schießen. Und das ist nicht akzeptabel."
Die sudanesische Regierung kritisierte dagegen, die Konferenz sei eine "überraschende und inakzeptable" Einmischung in innere Angelegenheiten, die ohne Rücksprache mit ihr erfolgt sei. Der Kontakt zu paramilitärischen Gruppen untergrabe die staatliche Souveränität.
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