Abramović-Ausstellung "Balkan Erotic Epic" in Berlin

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Werkschau von Performance-Künstlerin Abramović in Berlin

Bild: APA/APA/dpa/Jens Kalaene


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Beim Betreten des zentralen Lichthofs im Berliner Gropiusbau sieht man sich einer riesigen Videowand gegenüber, auf der sich Frauen in Schwarz zu hämmernden Rhythmen an die Brust schlagen. Daneben stellen Tische und Stühle aus Holz ein typisches Balkan-Beisel dar: Auf karierten Tischtüchern sind Schachbretter und Schnapsflaschen verteilt. So sieht das Entrée zur Ausstellung "Balkan Erotic Epic" der Performance-Künstlerin Marina Abramović aus, die von heute an zu sehen ist.

"Bis Anfang der 2000er Jahre gab es noch keine Performance-Kunst in Museen", sagte die Direktorin des Gropius-Baus, Jenny Schlenzka. Abramović arbeite interdisziplinär, multimedial. "Wir mussten Marina überzeugen ihre historischen Arbeiten zu zeigen." Denn die Ausstellung zeigt Werke bis zurück in die 1970er Jahre. Etwa "Die Lippen des Thomas", 1975 in Innsbruck in Szene gesetzt: Zum Takt eines Metronoms schnitt sich die Künstlerin einen Stern in den Bauch und legte sich eine halbe Stunde auf ein Kreuz aus Eis.

Mit Themen von Kommunismus und Christentum hat sich Abramović seit 50 Jahren beschäftigt. In der aktuellen Schau geht es um den politischen Körper, um Erotik der Erde - ein Video zeigt nackte Männer die mit grünendem Boden kopulieren - und um Erotik und Tod. Von der für sie lebensgefährlichen Performance "Rhythm 5", bei der sie sich in einen Stern aus brennenden Ästen gelegt und das Bewusstsein verloren hatte, liegt in einem Raum der Holzstern und verbreitet Brandgeruch.

Erotik ist für Abramovic mehr als Sex zwischen zwei Menschen, sondern auch Erleben im Kollektiv, mit dem Universum. In einer Videobotschaft bezeichnet sie Erotik als "private Energie", die sie selbst erst in späten Jahren als solche erfahren habe. Die in diesem Jahr 80-jährige Künstlerin konnte aus gesundheitlichen Gründen an der Eröffnung der Schau in Berlin nicht teilnehmen. In ihrer Botschaft bedauerte sie, dass "die junge Generation sich gar nicht mehr sieht, der Kontakt nur über Internet besteht". Die jungen Menschen "haben Angst vor Erotik. Liebe hat aber auch mit Schmerz zu tun. Ich möchte einen frischen Zugang eröffnen."

So spielt sie auch mit Stereotypen, etwa den westlichen Vorstellungen von einem vermeintlich rückständigen Balkan. Ironisch lässt sie in einem Objekt eine fiktive Wissenschafterin auftreten, die archaische Rituale vorstellt, während den Raum gigantische phallusförmige Pilze dominieren. Die Videoinstallation "Drachenköpfe" stammt von 1990, als sie sich ausgehungerte Würgeschlangen um Kopf und Hals gelegt und durch die Vermeidung jeder Bewegung Selbstdisziplin vorgezeigt hatte.

Erotik sei weniger Sexuelles als etwas Fundamentales, sagte Kuratorin Agnes Gryczkowska. "Ein ekstatischer Moment, ein kompletter Kontrollverlust, das ist der Moment absoluter Loslösung von sich selbst." Wenn man gemäß Abramović diese Energie nicht beachte, gehe sie in Gewalt und Krieg über.

Täglich wird im Gropiusbau zwischen 14 und 18 Uhr die Performance "Nude with Skeleton" zu sehen sein. In der Abramović-Retrospektive in der Albertina modern in Wien war das Zusammenspiel von weiblichem Körper und darauf liegendem Skelett im Bild bereits im Winter zu sehen gewesen.

Da die Abramović-Ausstellung auf das 75-Jahr-Jubiläum der Berliner Festspiele zugeschnitten ist, wird am 14. Oktober eine vierstündige Bühnenproduktion der Künstlerin im Haus der Berliner Festspiele aufgeführt. Für Abramović ist "Balkan Erotic Epic" nach eigenen Worten "das ambitionierteste Werk meiner Karriere".

Die große Gabe von Marina Abramović ist laut Direktorin Schlenzka "einem großen Publikum nahezubringen, dass der menschliche Körper ein künstlerisches Medium sein kann". Was sollen Performance-Künstler mitbringen, wurde die Künstlerin im Video gefragt. Ihre Antwort: "Charisma. Wenn du das nicht hast, lass es bleiben."

(SERVICE - Ausstellung Marina Abramović "Balkan Erotic Epic" im Berliner Gropius-Bau, 15.4. bis 23.8.2026; Internet: https://go.apa.at/yIKT3UTg )

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