Auch österreichische Autorin kritisiert Denis Scheck
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Bild: APA/APA/dpa/Christian Charisius
Kontroverse Buchbesprechungen des deutschen Literatur-Fernsehkritikers Denis Scheck haben eine Debatte um Sexismus ausgelöst. Die betroffene Autorin Sophie Passmann etwa warf dem 61-Jährigen vor, dass er Bücher von Frauen, "die von weiblichen Lebensthemen" handelten, grundsätzlich mit Arroganz und Herablassung behandle. In diese Kritik reihte sich nun auch die österreichische Autorin Melanie Pignitter ein.
Über das neue Buch der Steirerin und Wahlwienerin, "Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta und Limoncello", urteilte Scheck: "Ein hässlicher Homunkulus aus ödem Roman und albernem Ratgeber, der in seinem unentwegten Bemühen, das Herz seiner Leser zu berühren, ihr Hirn sträflich vernachlässigt."
In einem Schreiben an die APA betonte Pignitter: "Ich bin mir darüber bewusst, dass meine Bücher Herzen erreichen, die Schecks intellektuelle Analysen niemals erreichen werden. Und dennoch wünsche ich mir Respekt - für uns Autorinnen sowie für all die Leserinnen, die sich in unseren Büchern wiederfinden." In ihrem aktuellen "erzählenden Sachbuch" thematisiere sie "typisch weibliche Muster: das ewige Funktionieren, das ständige Geben, die Last der Care-Arbeit und das Gefühl, trotz Erschöpfung nicht 'genug' zu sein".
Der Kritiker in der ARD-Sendung "Druckfrisch" würde ihre Bücher "seit über einem Jahr" mit Wortlauten wie "Vernachlässigung des Gehirns" oder "zum Mäusemelken blöd" in die Tonne befördern, so die Autorin: "Müssen wir uns im Jahr 2026 wirklich noch immer fragen, ob Frauenliteratur weniger wert ist?"
Vorwurf: "Entwertung der Lebensrealität"
In der am 29. März ausgestrahlten Folge ließ Scheck, der die Sendung seit mehr als 20 Jahren moderiert, auch kein gutes Haar an den neu erschienenen Werken der Autorinnen Passmann und Ildikó von Kürthy. Der Verriss sei "sehr böse" gewesen, "aber vor allem sehr sexistisch", reagierte Passmann. Wenn ein Kritiker im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen existenzielle Themen herabwürdigt, sei das "keine sachliche Kritik, sondern eine Entwertung der Lebensrealität von tausenden Frauen", meinte nun Pignitter.
Die ARD hatte sich gegen die Kritik an der Kritik gewehrt, in der Sendung gebe es keinen Raum für Frauenfeindlichkeit. Geschlecht der Autorinnen und Autoren würden in der literarischen Beurteilung "keine Rolle" spielen. Seine Besprechungen gelten, so der Literaturkritiker selbst, "den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern". In der Liste der März-Sendung habe er vier Bücher von Frauen "teilweise enthusiastisch gelobt, drei negativ besprochen".
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