Brenner-Demo mit tausenden Teilnehmern, Chaos blieb aus
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von AgenturenRund 4.500 Menschen kamen zur Versammlung auf der A13
Bild: APA/APA/EXPA/ JOHANN GRODER/EXPA/ JOHANN GRODER
Die Demonstration auf der Tiroler Brennerautobahn (A13) gegen den überbordenden Transitverkehr hat Samstagnachmittag rund 4.500 Teilnehmer auf die Straße gebracht. Der Initiator und Ortschef von Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, "drohte" dabei mit weiteren Kundgebungen, sollte sich bis Jahresende nichts bewegen. Die mit der Demo einhergehende Totalsperre des Korridors startete wie vorgesehen um 11.00 Uhr und wurde um 19.00 Uhr aufgehoben. Ein Verkehrschaos blieb aus.
Die ansonsten unter dem Transitverkehr ächzende Fahrbahn bei Matrei am Brenner, wo die Blockade stattfand, verwandelte sich zum Diskussionsforum. Initiator Mühlsteiger wartete zudem mit einem Ultimatum auf. Er wollte von der "hohen Politik" "Bewegung" sehen. Sollte bis Jahresende nichts geschehen, dann werden weitere Kundgebungen auf der A13 abgehalten, kündigte er an. Die Bürgermeister der Wipptaler Gemeinden hatten nämlich ein Forderungspapier verfasst - das etwa die Beibehaltung des Nachtfahrverbots, eine Anhebung der Mauttarife oder mehr Lärmschutz für die transitgeplagten Gemeinden beinhaltete - und dieses bereits im Vorfeld an Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) übergeben.
Demo dauerte nicht ganz drei Stunden
Die Demonstration selbst, die nicht ganz drei Stunden lang dauerte, startete nach einem gemeinsamen Einzug von der Autobahnauffahrt auf die Fahrbahn um kurz vor 14.00 Uhr. Dort wurden die Teilnehmer - die Polizei sprach von "mehreren tausend" - von den Bürgermeistern des Wipptales begrüßt. Mühlsteiger ortete einen "historischen Moment" und rief den Menschen zu: "Ihr geht in die Geschichte ein". Dass so viele dem Aufruf zur Demo gefolgt seien, war für ihn "berührend" und "ergreifend". Die Bevölkerung stehe hier nun "erhobenen Hauptes", hielt der Ortschef fest. Am Brenner sei jedenfalls eine "Schmerzgrenze erreicht", sagte der Bürgermeister und verwies auf die Millionen Fahrzeuge, die jährlich durch das Nadelöhr fahren. "Wir dürfen uns unser Land nicht nehmen lassen", verdeutlichte er und fügte hinzu: "Die Bevölkerung war vor der Autobahn hier". Dafür erntete Mühlsteiger prompt frenetischen Applaus der Teilnehmenden.
Tirols Landeshauptmann Mattle war indes - neben Vertretern aller Tiroler Parteien - als "Privatperson" angereist und mischte sich unter die Demonstrierenden. Er ergriff auf der Bühne nicht das Wort, nachdem dies - wie bei allen anderen Landes- und Bundespolitikern - auch nicht erwünscht gewesen war. Seine Ankündigung, "privat" hier zu sein, hatte unter den Teilnehmern zu hörbarer Kritik geführt. Ebenso wurde Unmut gegen Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) laut, der sich im Vorfeld kritisch hinsichtlich der Demo gezeigt hatte. Der kritisierte Hanke meldete sich schließlich nach der Kundgebung per Aussendung zu Wort. Er habe "großes Verständnis für die Belastungen der Tiroler Bevölkerung entlang des Brennerkorridors", versicherte der Minister. Man stehe zu den Tiroler Anti-Transitmaßnahmen. Es gehe darüber hinaus darum, das Bundesland zu entlasten, den Verkehr bestmöglich zu steuern und den Dialog insbesondere mit Italien und Deutschland fortzusetzen.
"Friedlich" und "entspannt" auf Österreichs Straßen
Eines bewahrheitete sich jedenfalls den ganzen Tag über bis zum Abend nicht: Das vielfach prognostizierte Verkehrschaos, nicht nur am Brenner und in Tirol, sondern auf Österreichs Haupt-Durchzugsverkehrsrouten. Staus und nennenswerte Behinderungen blieben aus, hieß es gegenüber der APA von Polizei und ÖAMTC. "Alles sehr entspannt. Es ist viel weniger Verkehr als an normalen Samstagen", meinte ein Sprecher der Verkehrsabteilung der Tiroler Polizei zur Situation auf der Brennerautobahn (A13). Zudem wurden auch aus Südtirol und Bayern den ganzen Tag über keine größeren Behinderungen gemeldet. Allenthalben zogen die Behörden und Einsatzorganisationen auch dort eine erfreuliche Bilanz.
Es schien, dass sich Urlauber bzw. Durchreisende die Warnungen und Appelle des Landes Tirol und ausländischer Behörden zu Herzen genommen haben. Sie dürften entweder auf eine Fahrt am Samstag gänzlich verzichten oder diese vor- bzw. nach hinten verlegt haben. Denn zu großflächigen Umfahrungen des Bundeslandes bzw. der Nord-Süd-Verbindung, eine der meistbefahrenen Transitstrecken Europas, - wie ebenfalls im Vorfeld empfohlen - kam es nicht.
Freude bei ÖAMTC: "Angekündigte Katastrophen finden nicht statt"
Auch beim ÖAMTC zeigte man sich über das ausgebliebene Verkehrschaos erfreut - und das weit über Tirol hinaus. Man sei "glücklich und freudig überrascht", hatte Sprecher Harald Lasser gegenüber der APA bereits vor Beginn der Sperre am Vormittag erklärt, nachdem man sich ein Bild des Reiseverkehrs in ganz Österreich gemacht hatte. Es sei fast nicht zu glauben, wurde unumwunden eingeräumt und man verwies darauf, dass es sich dieses Wochenende eigentlich um ein Urlauberschichtwechsel-Wochenende handle. Ob Tauernautobahn, Pyhrn-Autobahn (A9) oder Fernpass - überall sei es "sehr ruhig", es fließe der Verkehr, von Staus keine Spur. Der ÖAMTC-Stauberater habe ihm gegenüber angegeben, eine derartige Situation etwa auf der Tauernautobahn bisher noch nie erlebt zu haben. Ja, man könne sogar feststellen: Man verzeichne auf allen wesentlichen Routen deutlich weniger Verkehr, als es selbst ohne Brenner-Sperre gegeben hätte. "Es freut uns, dass sich die Menschen derartig verhalten und auf die Warnungen und Appelle gehört haben. Und es zeigt, dass die Verantwortlichen eine sehr gute Arbeit geleistet haben. Man kann sich auf die Schulter klopfen", so der Sprecher des Mobilitätsclubs.
Auch am Nachmittag und bis zum Abend trübte sich dann die gute Stimmung beim ÖAMTC nicht mehr ein, denn die Verkehrslage blieb weiter sehr erfreulich. "Sehr friedlich" verlaufe alles, so Lasser. "Angekündigte Katastrophen finden nicht statt", resümierte der Experte. Und zwar auch deshalb, weil man diese eben "rechtzeitig angekündigt" habe.
260 Polizisten im Einsatz - Mattle lobte Kommunikationsstrategie
Für die Tiroler Polizei war der Samstag jedenfalls ein Großkampftag. 260 Beamten standen im Einsatz, wurde am Abend in einer Aussendung Bilanz gezogen. Die betroffenen Regionen seien jederzeit vor unerlaubtem Ausweichverkehr geschützt gewesen, die Einsatzfähigkeit der Blaulichtorganisationen und Versorgungssicherheit der Bevölkerung waren "jederzeit gegeben". Insgesamt 219 Lkw wurden zurückgewiesen und 39 Verwaltungsanzeigen aufgenommen.
Ähnlich verlautete es aus dem Innsbrucker Landhaus: Die Sperre des Brennerkorridors sei "geordnet" verlaufen, das gemeinsam mit Polizei und Asfinag erstellte Verkehrs- und Sicherheitskonzept habe sich "vollumfänglich bewährt". "Es war ein außergewöhnlicher Tag für Tirol. Mein Dank gilt allen Einsatzkräften und den Behörden für die Unterstützung. Es wurde von allen ein sehr guter Job geleistet", resümierte Landeshauptmann Mattle. Der Landeschef verwies auf die "umfassenden Kommunikationsmaßnahmen" des Landes im Vorfeld der Sperre, die mit zum Erfolg geführt hätten: "Unser Ziel war es, die Menschen rechtzeitig, transparent und möglichst breit zu informieren - in Tirol, in Österreich und darüber hinaus." Über die Kommunikationskanäle des Landes seien mehr als sechs Millionen Menschen erreicht worden. Zahlreiche nationale und internationale Medien hätten laufend über die Brennersperre berichtet.
Noch nie da gewesene Maßnahmen
Die Verantwortlichen hatten Ende April ein Maßnahmenpaket vorgestellt. Man sprach von einschneidenden Maßnahmen, die es in dieser Intensität in Tirol noch nie gegeben habe. Dem "transitierenden Verkehr", ob Pkw oder Lkw, war es über weite Strecken des Samstags nicht möglich, durch Tirol über den Brenner nach Süden oder Richtung Norden zu fahren. Ausweichrouten bzw. Ausweichmöglichkeiten gab es nicht, der Brennerkorridor war für den Durchzugsverkehr komplett gesperrt. Neben der zwischen 11.00 und 19.00 Uhr nicht befahrbaren A13 waren auch die Brennerstraße (B182), die Ellbögener Straße (L38) und die Stubaitalstraße (B183) für den Durchzugsverkehr gesperrt. Ausgenommen war auf den Bundesstraßen der Ziel- und Quellverkehr, dies musste jedoch glaubhaft nachgewiesen werden. Möglich war dies etwa mit einer Buchungsbestätigung für ein Hotel in der Region oder einem Lieferschein. Für Transit-Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen hatte das Fahrverbot auf der Nord-Süd-Strecke über den Brenner zudem bereits ab 9.00 Uhr für das gesamte Bundesland gegolten.
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