Crossing Europe: KI bisher kaum Ersatz für Kreativität

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von Agenturen

Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler

Bild: APA/VERENA LEISS


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Am Dienstag startet in Linz das Filmfestival Crossing Europe. Als Vehikel für größere Themen sind heuer Familiengeschichten ein roter Faden bei den Einreichungen gewesen. Die Festivalleiterinnen Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler haben mit der APA darüber gesprochen, was die Pandemie damit zu tun hat, wie groß die Herausforderung durch Fair Pay ist, was sie sich von einer Streamingabgabe erhoffen und wie verbreitet KI im europäischen Film bereits ist.

Im Programm sind heuer Familiengeschichten "wahnsinnig präsent", sagt Katharina Riedler. "Deshalb haben wir das Motto 'Family Ties' über das Festival gesetzt - mit Familiengeschichten quer durch alle Programmsektionen und Produktionsländer. Dieses Thema hat sich schon über mehrere Jahre angebahnt und heuer war das nochmals verstärkt." Dass sich die Filmschaffenden trotz multipler Krisen rundherum ausgerechnet auf Familiengeschichten konzentrieren, sieht Sabine Gebetsroither bei Dokus als Nachwirkung der Pandemie, wo man zu Hause blieb: "Man geht klassisch auf den Dachboden und findet die Kiste mit den Familienfotos." Bei den jüngeren Filmschaffenden komme dazu, "dass in den 1980ern und 1990ern viele Familien alles auf VHS aufgenommen haben. Das war die erste Generation, die quasi von ihren Eltern mit der Videokamera beobachtet wurde und da gibt es Material".

Unterschiedliche europäische Perspektiven zu großen Themen

"Interessant ist, dass die Konstellation Familie vor allem im Spielfilmbereich dazu genutzt wird, große Konflikte zu erzählen - zum Beispiel die Auswirkungen, die der Ukrainekrieg auf eine Familie hat", sagt Riedler. Als Beispiel nennt sie den Film, "How to divorce during the war", der im Panorama läuft und in dem es um ein Elternpaar in Litauen geht, das - just als der Ukrainekrieg ausbricht - beschließt, sich scheiden zu lassen. "In Polen und im Baltikum ist der Krieg ganz anders präsent als bei uns, Tag für Tag. Und das wollen wir auch hereinholen: Dass die Wahrnehmungen der großen Themen variieren, je nachdem in welcher Ecke von Europa man sitzt", ergänzt Gebetsroither.

Ein vom Festival selbst gewählter Schwerpunkt sind die 1980er-Jahre. "Einerseits haben wir das Gefühl gehabt, dass sich die 80er und auch die 90er trendmäßig im europäischen Filmschaffen abzeichnen. Und andererseits sind sie für uns sehr interessant, weil sie visuell sehr präsent sind", erklärt Riedler die Beweggründe. Daher habe ein Kuratorenteam fünf Filme ausgewählt. Alle haben einen anderen Ansatz, so Gebetsroither. "Das ist spannend, weil sich da plötzlich ein diverses Europa auftut zu einem Zeitpunkt, wo Europa ja nur in zwei Blöcke geteilt war."

Rund 150.000 Euro extra wären für 100 Prozent Fair Pay nötig

Das Festival verfügt heuer über ein Budget von rund 980.000 Euro, rechnet Gebetsroither vor. "Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Spur mehr", denn "in Anbetracht dessen, dass uns bewusst war, dass die Inflation nicht verschwinden wird, haben wir versucht, einfach alles, was geht, aufzustellen. Sei es jetzt über Fördermittel, aber genauso Sponsoren und Partner". Dennoch "haben wir schon Einschnitte bei den Förderungen heuer erlebt". Zudem "versuchen wir seit Jahren, das Thema Fair Pay wirklich zu leben", auch wenn man noch nicht bei 100 Prozent sei. Dafür wäre ein Budget von 1,127. 000 Euro - also fast 150.000 Euro mehr - nötig. Helfen könnte auch, wenn im Rahmen der geplanten Streamingabgabe ein gewisser Anteil der Einnahmen an Festivals, Programmkinos und Verleiher gehen würde, hofft sie.

"Dieses Jahr geht sich alles noch halbwegs aus. Wir haben ein bisschen schrauben müssen. Aber mit dem Budget können wir das Festival in der normalen Größe und auch mit der internationalen Ausrichtung heuer noch super umsetzen, auch wenn wir schon unmerklich ein paar Dinge eingeschränkt haben", betont Gebetsroither. Sollte es zu einem weiteren Wegfall von Mitteln bzw. zu weiteren Preissteigerungen - heuer waren es bei den Filmmieten rund zehn Prozent - kommen, könne es aber sein, dass man etwa bei der Internationalität oder am Rahmenprogramm sparen müsse, die aber "zur DNA eines Festivals einfach fix dazugehören. Weil wir wollen ja nicht nur einfach Filme zeigen, sondern wir wollen ja drumherum auch was anbieten", sagt Riedler, "das wäre für uns ein wahnsinnig großes Minus".

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KI derzeit noch zurückhaltend im Einsatz

Anders als vielleicht in Werbevideos ist in den Filmen, die für das Festival eingereicht wurden, noch kaum künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen, schildert Riedler - "zumindest nicht so, dass es spürbar wäre. Oder dass sie dafür benutzt wird, um Personen, Arbeitskräfte oder Kreativität zu ersetzen. Das freut uns sehr. Also wir sehen die KI momentan hauptsächlich da, wo sie tatsächlich künstlerisch als Gestaltungsmittel eingesetzt wird, was sehr schön ist, und was auch wirklich sehr spannende Arbeiten hervorbringt". Aufgrund einer entsprechenden Abfrage bei den Einreichungen "wissen wir aber auch, dass sie in manchen Produktionen zum Beispiel beim organisatorischen Part eingesetzt wird".

Wo die KI generell in der Branche bemerkbar sei, seien die Untertitel, sagt Gebetsroither. "Man merkt schon, dass da leider viel bereits komplett KI-mäßig gemacht wird", was für die Qualität nicht immer förderlich sei. "Das sind Nuancen, aber da muss man einfach aufpassen." Es sei eben auch ein Kostenfaktor, "weil einfach eine Firma zu beauftragen, die Untertitel professionell zu übersetzen und zu erstellen, ist deutlich teurer als es die KI machen zu lassen". Andererseits würden "kleinere Länder, die weniger Kapazitäten in der Filmproduktion haben, auf diese Tools zurückgreifen, weil das möglich macht, dass der Film mehr gesehen wird". Es gebe auch spannende Projekte, wie man unterrepräsentierten Sprachen wie Färöisch oder Grönländisch helfen könne, "dass sie weiterleben und dass Filme weiter in diesen Sprachen gedreht werden", sieht sie auch positive Beispiele.

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