Die Strottern: Entstaubte Wienerlieder als "Wödmusik"

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"Die Strottern" gaben ein Geburtstagskonzert

Bild: APA/APA/VICTORIA NAZAROVA/VICTORIA NAZAROVA


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Die Strottern, das sind Klemens Lendl (Violine) und David Müller (Gitarre) - und das ist jenes Akustik-Duo, das Wienerliedern ganz ohne überstrapaziertem weinseligen Heurigenschmäh seit 30 Jahren ordentlich Gehör und ganz neue Dimensionen verschafft. Dieses Jubiläum wurde am Dienstagabend gemeinsam mit unzähligen musikalischen Gästen, die alle längst Freunde sind, im Wiener Konzerthaus gebührend gefeiert und vom Publikum im ausverkauften Großen Saal frenetisch bejubelt.

Der Schlüssel des Erfolges der Strottern ist unzweifelhaft, dass sich die beiden in den drei Jahrzehnten weit über die Grenzen des traditionellen Wienerlieds hinausentwickelt haben, mit teilweise "jazzigen" Anklängen und grandios schrägen Interpretationen klassischer Werke - eigentlich hin zu "Weltmusik". Oder besser gesagt, wie es in Wien doppeldeutig heißt: "Wödmusik". Zur Erklärung für Nicht-Wiener: "Wöd" heißt einerseits "Welt", andererseits bedeutet der Dialiektaudruck auch "großartig".

Erstes Album 1996

Ende der 1980er-Jahre begannen Lendl und Müller als Teenager miteinander zu musizieren. Da wollten sie die Welt mit Popmusik erobern - "High Quality Pop" lautete ihre damalige, selbstironische Selbstbeschreibung. Die ersten Wienerlieder spielten sie Mitte der 1990er-Jahre bei einem Geburtstag von Lendls Großvater. Der Name entstand unter Druck: Als 1996 ihr erstes Album erschien - eine Auftragsarbeit für ein deutsches Klassiklabel -, brauchte das Projekt plötzlich einen Namen. "Die Strottern" sollte eigentlich nur für diese eine CD gelten. "Strotter" ist eine alte Wiener Bezeichnung für Menschen, die im Müll nach Verwertbarem suchen.

Die entscheidende Wende kam im Jahr 2000, als Lendl und Müller den Poeten Peter Ahorner kennenlernten - eine Art Erweckungserlebnis, das sie erstmals glauben ließ, das Wienerlied könne sie ein Leben lang begleiten. 2003 erschien eine erste CD mit eigenen Liedern, und seit damals erkunden Die Strottern konsequent die Randbezirke der Wiener Musik.

Schubert und Bruckner mit einem Dialekttext

Peter Ahorner war Dienstagabend natürlich mit dabei und rezitierte einige seiner Texte zur Musik. Und sehr viele musikalische Weggefährten fanden sich im Lauf des Konzertes ebenso auf der Bühne ein, so u.a. natürlich "Blech" (Martin Eberle/Trompete und Martin Ptak/Posaune), mit denen Die Strottern regelmäßig auftreten, der Klarinettist Matthias Schorn , der fantastische steirische Drehleier-Virtuose Matthias Loibner und zum Schluss dann die Musicbanda Franui. Mit dem Tiroler Kammerensemble wurden schließlich alle stilistischen Grenzen gesprengt, etwa mit einer Kombination von Franz Schuberts "Kupelwieser Walzer" mit Bruckner-Motiven, garniert mit einem Dialekt-Text von Klemens Lendl.

Strottern-Hits wie "Wia tanzen is" und - als große Zugabe mit dem gesamten Ensemble - "U1" durften am Jubiläumsabend natürlich nicht fehlen. Danach hieß es ganz nach dem legendären Wiener Motto "Ans is imma no gaungan": ein "Humanisten-Gstanzl" im Duo-Format geht noch ("Handschuach aus Samt"). Dazu meinte Klemens Lendl in der Anmoderation, sie würden immer wieder gefragt, ob sie denn Musik für eine bessere Welt machten. "Na, wofür denn sonst?!"

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Neues Album "wia i tua" im Juli

Und die musikalische Mission der Strottern geht weiter: Am 22. Juli präsentieren sie gemeinsam mit "Blech" ihr neues Album "wia i tua" beim - Zufall? - 30. Festival "Glatt und Verkehrt" in Krems.

(Von Werner Müllner/APA)

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