"Ein letztes Abenteuer": Privater Konzertsaal Hermannswörth
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von AgenturenGustav Ammerer in Jubelpose vor seinem Konzertsaal
Bild: APA/APA/Wolfgang Huber-Lang/Wolfgang Huber-Lang
Einen wunderschönen, privaten neuen Konzertsaal in einem kleinen Ort mitten in den Bergen? Wo gibt's denn sowas? In Prein an der Rax. Dort hat der pensionierte Biochemiker Gustav Ammerer einen Teil seines mit Hepatitis-Impfstoff-Patenten erworbenen Vermögens in die Errichtung eines Kammermusik-Saals der Sonderklasse investiert. Am Sonntag war das erste Abo-Konzert im Konzertsaal Hermannswörth - und das Publikum zeigte sich nicht nur von Architektur und Akustik beeindruckt.
Das Schöne ist nämlich, dass Ammerer hier nicht nur ein teures Steckenpferd reitet, sondern das von ihm und Harald Kosik, dem Künstlerischen Leiter der Konzerte auf Schloss Walpersdorf, zusammengestellte Programm ganz der Förderung junger Musikerinnen und Musiker widmet. "Ich wollte selbst einmal Profimusiker werden - und bin es Gott sei Dank nicht geworden", erzählt der Bauherr und Mäzen im Gespräch mit der APA. Sein eigenes Cello-Spiel sei bis zu einem akzeptablen, aber nicht einem größeren Publikum zumutbaren Niveau gelangt, schmunzelt der 74-Jährige. Und so spielte am Sonntag Cellist Jeremias Fliedl gemeinsam mit seinen ebenso jungen Kolleginnen und Kollegen Maxim Tzekov (Geige), Patrizia Batik (Bratsche), Domnik Wagner (Kontrabass), Katharina Paul (Horn), Matthäus Hauer (Fagott) und Ulrich Manafi (Klarinette).
Erstes Abo-Konzert im Zeichen von Richard Strauss
"Richard Strauss zu Gast in Hermannswörth" hieß das erste von sechs Abo-Konzerten, und Ammerer wies zu Beginn der Matinee persönlich darauf hin, dass Richard Strauss 20 Jahre nach der Komposition der aufgeführten symphonischen Dichtung "Till Eulenspiegel" persönlich hier gewesen sei - weil sein Sohn in die Tochter des damaligen kunstsinnigen Besitzers Hermann Grab Ritter von Hermannswörth (1903-1949) verliebt war. Heute ist nicht nur das von Ammerer erworbene Anwesen in der malerischen Gebirgslandschaft, sondern auch das Leben des neuen Besitzers um ein Abenteuer reicher.
"Ich habe immer wieder neue Abenteuer angefangen", lacht der Biochemiker, der mit seinen Forschungen mit dafür verantwortlich ist, dass das Biotech-Departement der Universität Wien heute Weltruf genießt, und jungen Kolleginnen und Kollegen auf seinem Grund "wissenschaftliche Retreats" ermöglicht. "Schon die Wissenschaft ist ein Abenteuer. Ich bin aber auch in die hohen Berge gegangen und habe Glück gehabt, dass ich das überlebt habe", erinnert sich der Teilnehmer von Expeditionen u.a. im Karakorum. "Der Konzertsaal ist mein letztes Abenteuer."
Konzertsaal statt Pferdestall
Einen Millionenbetrag hat ihn der Abriss des ehemaligen Pferdestalls und die Errichtung des Konzertsaals samt allen Nebenräumen wie Lounge, Proberaum oder Tonstudio gekostet. Mit dem Architekten Johannes Kraus hat er dafür einen absoluten Profi gewinnen können, der schon u.a. den MuTh-Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Wiener Augarten, das Nitsch-Museum in Mistelbach und einen neuen Konzertsaal der Musikschule Bad Vöslau (mit)verantwortet hat. Der vorwiegend aus Eichenholz errichtete asymmetrische Saal ist nicht nur optisch ansprechend, hat im Parterre und auf zwei Balkonen rund 120 Plätze, sondern hat eine ausgefeilte Akustik, bei der über 100 Holzpaneele an den Wänden individuell einstellbar sind.
Nicht nur die Errichtung, auch die Programmierung sei ganz bewusst ohne jegliche öffentliche Förderung ausgekommen, sagt Ammerer. Niemand soll ihm hier dreinreden können. Dabei vermittelt er im Gespräch keineswegs den Eindruck eines Patriarchen und Zampanos, sondern eines experimentierfreudigen Querkopfs. Standesdünkel seien ihm zuwider, sagt er. Er setze lieber auf lebenslange Lernbereitschaft. "Das Wichtigste ist Neugierde. Und es ist schön, wenn man sich die bis ins Alter bewahren kann."
Nächste Veranstaltungen
Die jungen Musiker haben beim ersten Abo-Konzert auch mit Bernhard Henrik Crusells Klarinettenquartett Nr. 2 und Ludwig van Beethovens Septett in Es-Dur op. 20 brilliert. Nicht nur Ammerer ist hochzufrieden. Am 9. Mai verspricht das zweite Abo-Konzert "Künstlerisches Funkensprühen" mit "Shooting-Stars der Klassikszene" wie Geiger Leonhard Baumgartner, Cellistin Harriet Krijgh, Pianistin Mita Kotte und Bratschist Gerhard Marschner.
Und wer sich vor allem für die Architektur interessiert, sollte sich den 30. Mai vormerken. Dann ist der Konzertsaal Hermannswörth Schauplatz einer "ORTE vor Ort - Bauvisite", bei der Ammerer und Kraus gemeinsam durch die Räume führen - eine nachmittägige Jazz Jam Session mit Martin Breinschmid & The Radio Kings sowie ein abendliches klassisches Konzert inklusive.
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - Konzertsaal Hermannswörth, Preinrotte 35, 2651 Prein an der Rax, www.konzerte-hermannswoerth.at)
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