Forschungserfolg für Haus des Meeres bei Expedition

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Das Mikro-Chamäleon wurde in Madagaskar entdeckt

Bild: APA/APA/HAUS DES MEERES


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Ein Team des Haus des Meeres hat bei einer Expedition in ein kaum erforschtes Waldgebiet im Norden Madagaskars überraschend gleich mehrere bisher unbekannte Arten entdeckt. Nun warten die Experten auf die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Tiere, wie der Zoo am Mittwoch mitteilte. Für Direktor Jeff Schreiner seien die Funde ein Beleg dafür, welchen wichtigen Beitrag moderne und wissenschaftlich geführte Zoos für Forschung und Artenschutz leisten.

Bei der Expedition wurden etwa ein Weißlippen-Madagaskarruderfrosch (Boophis albilabris) und ein Chamäleon (Calumma nasutum) in bisher kaum erforschten Waldgebieten fotografisch dokumentiert. Auch ein Mikro-Chamäleon (Brookesia micra), eines der kleinsten Landwirbeltiere der Welt, konnte erfolgreich nachgewiesen werden. Die Art ist bisher nur von einer kleinen Insel im Norden Madagaskars mit einer Fläche von etwa drei Quadratkilometern bekannt.

Madagaskar als globaler Hotspot der Biodiversität

"Die Ergebnisse unterstreichen einmal mehr die herausragende Rolle Madagaskars als globaler Hotspot der Biodiversität. Gleichzeitig machen sie deutlich, wie viele Arten und ökologische Zusammenhänge in diesen einzigartigen Lebensräumen noch unerforscht sind - und wie dringend ihr Schutz ist", sagte Schreiner. Neben den Neuentdeckungen sammelte das Team in enger Zusammenarbeit mit der Zoologischen Staatssammlung München, madagassischen Naturschützern sowie Studierenden der Universität Antananarivo auch wertvolle Daten für zukünftige Natur- und Artenschutzprojekte, wie es in der Aussendung hieß.

"Der erste Schritt für effektiven Artenschutz ist das wissenschaftliche Erkennen und Benennen von neuen Arten und die Dokumentation ihrer Verbreitung und ihrer Lebensräume. Nur auf Basis verlässlicher Daten lassen sich Schutzmaßnahmen gezielt planen, priorisieren und umsetzen. Genau deshalb sind die in den letzten Wochen gesammelten Informationen so unglaublich wertvoll", wird Timon Glaw, Mitarbeiter des Haus des Meeres, zitiert.

Daten wichtig für Bewertung des Bedrohungsstatus

Unter anderem die Weltnaturschutzunion IUCN baut auf solch gewonnenen Daten zur Bewertung des Bedrohungsstatus einzelner Arten. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Entwicklung konkreter Schutzmaßnahmen ein. Auch die Ausweisung und Weiterentwicklung von Schutzgebieten könne so wissenschaftlich fundiert unterstützt werden.

Aufgrund der isolierten Lage im Indischen Ozean gilt Madagaskar als eine der artenreichsten Regionen der Erde. Der Großteil der dort vorkommenden Arten ist endemisch und kommt ausschließlich auf der Insel vor. Diese Biodiversität ist jedoch stark bedroht: In den vergangenen Jahrzehnten seien große Teile der Wälder durch Abholzung und Brandrodung zerstört worden. Viele Arten seien daher auf kleinste, oft isolierte Lebensräume beschränkt - laut Haus des Meeres teils auf Flächen, die kleiner als der Wiener Prater sind.

Für den langfristigen Erhalt der Tierwelt Madagaskars spielen besonders isolierte Berggebiete eine zentrale Rolle, denn diese schwer zugänglichen Regionen bieten wichtige Rückzugsräume. Aktuell sind landesweit über 100 Schutzgebiete ausgewiesen. "Jede neue Erkenntnis, jede dokumentierte Art und jede mögliche Neuentdeckung trägt unmittelbar dazu bei, Schutzmaßnahmen für die Wälder Madagaskars gezielter und wirksamer zu machen. Unsere Forschung leistet damit einen konkreten Beitrag dazu, diese einzigartigen Lebensräume langfristig zu bewahren", sagte Schreiner.

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