Volkshilfe warnt vor drohendem "Ausnahmezustand" in Pflege
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von AgenturenDie Volkshilfe fordert die Politik einmal mehr zum Handeln auf
Bild: APA/APA/dpa/Sebastian Gollnow
Volkshilfe-Präsident Ewald Sacher hat am Mittwoch vor einem drohenden "Ausnahmezustand" in der Pflege gewarnt. Wenn die Politik nicht bald handle, wären künftig immer mehr kranke Menschen im Alter auf sich gestellt. Im aktuellen Sozialbarometer Pflege, das die Volkshilfe jedes Jahr in Kooperation mit dem Foresight Institut durchführt, fordern zwei Drittel der über 1.000 in persönlichen Interviews Befragten mehr Einsatz, um Qualität und Leistbarkeit von Pflege zu sichern.
Mehr als die Hälfte ist demnach besorgt beim Gedanken an den künftigen eigenen Pflegebedarf. Unter Befragten, die über 65 sind oder ein geringes Haushaltseinkommen haben, sind es noch mehr. 71 Prozent machen sich generell Sorgen um den Sozialstaat.
"Gefühlte Zwei-Klassen-Pflege"
Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger sprach bei der Pressekonferenz von "dramatischen und erschreckenden" Ergebnissen, viele Menschen hätten nicht das Gefühl, dass ihre Pflege sichergestellt ist. Dass sich unter Menschen mit wenig Geld sogar drei Viertel Sorgen um ihre künftige Pflegeversorgung machen, zeige, dass es in Österreich neben einer Zwei-Klassen-Medizin gefühlt auch eine Zwei-Klassen-Pflege gebe.
Pflege müsse zu einem "Kerngegenstand" der Arbeit der Regierung werden, verlangte Fenninger und verwies darauf, dass sich die öffentlichen Ausgaben für Langzeitpflege bis 2026 auf 2,8 Prozent des BIP verdoppeln werden. Die Politik - auch die für die Pflege zuständigen Länder - müssten für Pflegesicherheit sorgen, und zwar unabhängig vom Einkommen. Pflege dürfe außerdem keine Frage des Wohnorts sein - auch in der Sozialbarometer-Umfrage sind 82 Prozent für eine bundesweite Vereinheitlichung des Pflege- und Betreuungsangebots anstelle unterschiedlicher Systeme in den neun Ländern. Außerdem müsse die mobile Pflege und die Unterstützung für pflegende Angehörige ausgebaut und das Pflegegeld reformiert werden, so Fenninger.
Sacher betont Zeitdruck
Volkshilfe-Präsident Sacher betonte den Zeitdruck für die Politik. Die Alterspyramide führe zu steigendem Pflegebedarf, "daher muss jetzt schon vorgesorgt werden". Er warnte in dem Zusammenhang auch vor weiteren Einsparungen bei Sozialleistungen und im Sozialstaat im Rahmen der Budgetkonsolidierung.
Schon jetzt sei nicht nur die Belastung der Pflegekräfte hoch, so der Präsident eines der größten Pflegeanbieter des Landes. Auch die Angehörigen stünden stark unter Druck, weil sie nicht genügend Unterstützung bekommen, um neben Beruf und Familie noch Angehörige zu pflegen. Zur psychischen und physischen Belastung kämen hohe Kosten für Selbstbehalte, Therapien, Medikamente, Hilfsmittel oder Umbauten wie einen Treppenlift. Gleichzeitig fühlt sich laut Sozialbarometer nur eine Minderheit ausreichend informiert über Alternativen zur Pflege daheim - der häufigsten Form der Pflege in Österreich. Hier bräuchte es aus Sicht der Volkshilfe zielgerichtete Aufklärung, neben Informationsblättern auch durch persönliche Beratungsangebote.
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