Fröhliche ESC-Preparty in Amsterdam trotz Boykott

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von Agenturen

Wie viele Tanzscheine Cosmó (r.) in Amsterdam ausstellte, ist unklar

Bild: APA/APA/Lukas Wodicka/Lukas Wodicka


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Dieses Event ließ kaum einer der heurigen ESC-Acts ungenutzt: 27 der 35 Teilnehmer des 70. Eurovision Song Contest haben sich am Samstagabend im AFAS Live in Amsterdam den Fans präsentiert und eine Art Mini-ESC ohne Punktevergabe veranstaltet. "Eurovision in Concert", wie die größte Preparty zum Mitte Mai stattfindenden Wettbewerb heißt, entpuppte sich als ausgelassen wie fröhliches Schaulaufen. Vom ESC-Boykott des niederländischen Senders Avrotros war kaum etwas zu spüren.

Die Niederlande entsendet heuer wie etwa auch Spanien aufgrund der Teilnahme Israels am Bewerb keinen Kandidaten nach Wien. In Spanien wurden Preshows abgesagt, in Amsterdam wollte der Veranstalter davon aber nichts wissen. Man erkenne die Komplexität des Themas und die verschiedenen Meinungen dazu an, sei aber nicht Teil des offiziellen Wettbewerbs und wolle die einzigartige Vielfalt feiern, für die der ESC stehe, hieß es im Vorfeld. Gleichzeitig rief der Moderator des Abends zu Beginn des dreistündigen Spektakels dazu auf, den fünf boykottierenden Ländern Applaus zu spenden. Dem kam das Publikum in der fast ausverkauften, mehrere Tausend Personen fassenden Konzerthalle bereitwillig nach - nur um dann die heurigen ESC-Teilnehmer abzufeiern.

Techno-Klamauk und weißes Unterleiberl

Satoshi aus Moldau machte den Start und heizte mit seinem Partysong "Viva, Moldova!" schon mal gehörig ein. In dieselbe Schiene fällt der Grieche Akylas mit seiner markanten Haube und Techno-Klamauk in Form von "Ferto". Die ESC-Blase ist ihm hörbar gewogen. Aber auch der Norweger Jonas Lovv stieß mit weißem Unterleiberl ausgerüstet auf viel Gegenliebe. Bei den vielen "Ya Ya Ya Yas" lässt sich auch gut mitsingen.

Tanzwütige kommen dagegen bei Österreichs ESC-Hoffnung Cosmó auf ihre Kosten. Im Vorfeld zeigte er sich im APA-Gespräch gespannt, ob die Leute bei "Tanzschein" mitsingen und -tanzen würden und sah den Auftritt als Chance, noch weiter an seiner Bühnenpräsenz zu arbeiten. "Die Challenge ist, die Bühne einzunehmen, sich groß zu machen. Das holt die Fans ab. Die Bühne in Amsterdam hat fast die Größe jener der Stadthalle in Wien. Daher ist das eine gute Übung", meinte er.

"Tanzschein" sorgte für Bewegung

Und Cosmó, permanent über die Bühne flitzend, sollte die "Challenge" meistern. Mit seinem Bandkollegen Sandro Humitsch sorgte er für beste Stimmung am Dancefloor. Zahlreiche Konzertbesucherinnen und -besucher versuchten sich an den Tanzschritten. Wie viele Tanzscheine der 19-Jährige letztlich ausstellte, ist nicht geklärt. Sicher ist dagegen: Der Auftritt im Finale von Wien kann kommen.

Andächtiges Schwenken von (Handy-)Lichtern war bei Lettlands Beitrag "Ēnā" von Atvara oder auch "Ridnym" der Ukrainerin Leléka angesagt. Mit Geigen ausgerüstet erklommen die Luxemburgerin Eva Marija ("Mother Nature") und die Finnen Linda Lampenius & Pete Parkkonen ("Liekinheitin") die Bühne. Letztere sind - schenkt man den Buchmachern Glauben - heiße Anwärter auf den ESC-Sieg. Dass Lampenius' Geigenspiel nur vom Band abgespielt wird, stimmt sie traurig. Sie kämpfe noch darum, dass sie live beweisen dürfe, was sie drauf habe, erklärte sie.

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Ausflüge ins Opernfach

Beim Gesang ist die Live-Darbietung dagegen obligatorisch. Hier zeigt etwa Monroe aus Frankreich auf, die mit ihrer Stimme in dem originell gestrickten Song "Regarde!" lichte Höhen erklimmt. Kurze Ausflüge ins Opernfach unternimmt auch Alexandra Căpitănescus, die mit dem eingängigen Song "Choke Me" schon eine kleine Kontroverse auslöste, aber dementierte, damit rauere bis gefährliche Sexualpraktiken zu romantisieren. Beim Publikum kam der Song jedenfalls gut an.

Apropos Härte: Der Preis für die am tiefsten gestimmten Gitarren und den rauesten Schrei geht an die serbische Band Lavina. Felicia aus Schweden bringt dafür mit "My System" die härtesten Elektrobeats mit und verwandelte die Halle kurzzeitig mit einer druckvollen Darbietung in eine Großraumdisco. Die bekannteste Teilnehmerin stellt wohl Australien mit Delta Goodrem, die schon (vor allem auf ihrem Heimatkontinent) etliche Preise und Chartspitzenplätze einheimsen konnte und mit dem stimmgewaltigen Song "Eclipse" nun einen ESC-Sieg - den ersten für Down Under - draufsetzen möchte.

Israel bleibt Prepartys fern

Proteste oder Buhrufe gab es im Laufe des Abends keine. Dass Israels Starter Noam Bettan als einer der wenigen Acts nicht mit von der Partie war, entschärfte die traditionsreiche Veranstaltung in Hinblick darauf aber wohl deutlich. Auch bei der Preparty in Oslo vor wenigen Wochen war er nicht dabei und bei der kommenden in London (19. April) wird er ebenso fehlen.

Cosmó dagegen gibt in England erneut "Tanzschein" zum Besten, um seiner Mission nachzugehen: "Wir möchten die Leute zum Tanzen bringen." Das wird wohl auch dort wieder gelingen.

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