"Ganymed Areal": Gelungene Premiere am Otto Wagner Areal

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"Ganymed Areal" bespielt auch die Otto Wagner Kirche

Bild: APA/Wolfgang Huber-Lang


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Einen traumhaften Start hat das Stationentheaterprojekt "Ganymed Areal" am Samstag am Otto Wagner Areal auf dem Gelände des ehemaligen Spitals auf der Baumgartner Höhe hingelegt. Drei Stunden lang wanderten Besucherinnen und Besucher von Station zu Station, konfrontiert mit theatralen und musikalischen, tänzerischen und literarischen Darbietungen, der außergewöhnlichen Atmosphäre des Ortes und der Verwandlung eines lauen Frühlingsabends in eine klare Sternennacht über Wien.

Es war ein fast logisches Aufeinandertreffen zweier Initiativen. Seit 2010 haben Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf mit ihrer Gruppe Wenn es soweit ist im Kunsthistorischen Museum performative und bildende Kunst zusammengebracht und 2023 bei Ausgabe Nr. 8 eine Brücke hinüber zum Naturhistorischen Museum geschlagen. Nun sorgen sie für eine attraktive kulturelle Belebung eines Areals mit bedrückender Geschichte und aufregender Zukunft.

An die hier zwischen 1940 und 1945 in der nationalsozialistischen Euthanasieanstalt Am Spiegelgrund umgebrachten Kinder und Jugendlichen erinnert ein eindrucksvolles Mahnmal mit 772 Lichtstelen unterhalb des Jugendstiltheaters. An die Zukunft als Campus der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK), die 2030/31 15 der 35 Pavillons des Spitalareals übernehmen soll, gemahnt rege Bautätigkeit, die auch für Sperrzonen sorgt, die umgangen werden müssen.

Mit Klapphockern zwischen Küche und Kirche

Mit dem Gestern und dem Morgen, mit den Dramen, aber auch den Möglichkeiten des Geistes beschäftigen sich die kurzen Szenen und Aufführungen, die man auf kleinen, am Start ausgehändigten und den ganzen Abend als unentbehrliches Requisit mitgetragenen Klapphockern sitzend verfolgt.

In einem Pavillon erzählt Alma Hasun mit einem Text von Milena Michiko Flašar von ihrem Zusammenbruch als junge, hochbegabte Pianistin, während Johanna Kam im weißen Arztmantel auf jenem Klavier spielt, das die Schauspielerin als Mini-Bühne verwendet. In der Pathologie gibt Andrea Eckert zu Harmonium-Klängen von Hibiki Kojima ihrer gestorbenen Tochter die hundert von ihr beschriebenen Hefte symbolisch mit ins Grab - während Autorin Monika Helfer, von der der Text "Das andere Mädchen" stammt, selbst im Publikum sitzt.

Musikdrama, Märchen und Mädchenchor

Ein echtes Musikdrama gestaltet das Bläserensemble Federspiel in einem Sechsbettzimmer, in dem mit Blechblasinstrumenten geatmet und gestorben wird, während nebenan im Einzelzimmer Tony Rey Garcia und Yoshie Maruoka in "Tonyto" eine Miniaturwelt entstehen lassen und auch die kunstvollen Kastenfenster als Spielfläche miteinbeziehen. Die Strottern verzaubern gemeinsam mit der Tänzerin Manaho Shimokawa in Amélie Nothombs traurigem "Märchen vom Kranich", in dem eine geheimnisvolle Frau aus dem eigenen Federkleid unter Schmerzen einzigartig filigrane Stoffe fertigt.

Bespielt werden Untersuchungs- und Krankenzimmer, Theatersäle und die ehemalige Direktion. Die beeindruckende Raumakustik der völlig ausgeräumten Großküche wird von einem sechsköpfigen Mädchenchor und dem jungen Bratschisten Elias Vieira mit einer Komposition von Johanna Doderer genützt, ehe man in den Nebenraum gebeten wird, wo ein auf einem Krankenbett sitzender und von Sascha Moser in eine Zeichentrickfigur verwandelter Franz Schuh sich über "Die Welt von Morgen" Gedanken macht und warnt: "Man sollte grundsätzlich vorsichtig sein mit Prognosen, wie es nun einmal für die Kinder späterer Generationen sein wird."

Der topografische wie architektonische Höhepunkt des Parcours ist jedoch die Otto Wagner Kirche, die einem als Jugendstil-Monument auch beim abermaligen Besuch den Atem raubt und von András Dés, Srđan Ivanović und Mona Matbou Riahi mit einer Tanz- und Musikperformance bespielt wird.

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Publikum in Zeitnot

Ein Café dient als Labstelle, doch wer in diesen drei Stunden möglichst viele Stationen erleben möchte, muss sich sputen und nutzt lieber die Wartezeiten vor den einzelnen Schauplätzen, von denen manche nur eine limitierte Raumkapazität haben. So wird an diesem Abend von großen Teilen des Publikums weniger geschlendert denn geeilt. Man will möglichst wenig verpassen - und doch ist es zeitlich unmöglich, alle zwölf Stationen zu sehen.

Der Zeitnot gilt der einzige kritische Einwand. Eine oder gar zwei Stunden mehr würde dem Stationentheater mehr Kontemplation und weniger Hektik verleihen. Ein Erlebnis ist der Abend auch so - ein Erlebnis allerdings, das im Frühjahr bereits restlos ausverkauft ist. Für die Herbst-Termine gibt es noch Karten.

Neues Buffet "Otto und Camillo"

Doch auch ohne Stationentheater lohnt ein Besuch des Otto Wagner Areals (OWA). Das kürzlich eröffnete Buffet "Otto und Camillo" erfreut sich bereits großer Beliebtheit (Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 9-18 Uhr). Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), das in den kommenden Jahren ebenfalls hierher übersiedeln wird, eröffnet am Donnerstag im Pavillon V die Ausstellung "Partizan*ke Art" über Kunst der Partisaninnen in Jugoslawien und Kärnten/Koroška, die gegen den Nationalsozialismus kämpften.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - "Ganymed Areal", eine Kooperation von OWA, MUK, Wien Museum und wenn es soweit ist im Otto Wagner Areal, Baumgartner Höhe 1, Inszenierung: Jacqueline Kornmüller. Weitere Termine: 9., 13., 30. Mai, 13., 20. Juni, 19., 26. September, 3., 10., 17., 24. Oktober, 18-21 Uhr. www.wennessoweitist.com; https://www.owa-wien.at , https://partizanke-art.jimdosite.com/ )

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