Gedenken an Pekinger Tian'anmen-Massaker 1989
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von AgenturenAuf dem Platz werden nur "Volkshelden", keine Massakerofper gewürdigt
Bild: APA/APA/AFP/POOL/ANDRES MARTINEZ CASARES
Taiwans Präsident Lai Ching-te hat China für die mangelnde Aufarbeitung des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) an Kritikern der kommunistischen Ein-Parteien-Diktatur vor 37 Jahren in Peking kritisiert. Ein "wahrlich großes Land" sollte nicht auf ein mächtiges Militär setzen, sondern sich den Wunden seiner Geschichte stellen, so Lai auf Facebook. Er hoffe, dass China den Ereignissen ins Auge sehe, die Wahrheit anerkenne und einen Dialog beginne.
China gedenkt der Ereignisse vom 4. Juni 1989 nicht. In Peking fahren derzeit in Bussen, die den Tian'anmen-Platz überqueren, neben Sicherheitsleuten auch mehrere uniformierte Polizisten mit. Über den Platz selbst strömen wie sonst auch viele Touristen.
Was damals geschah
Mit dem Tod von Reform-Hoffnungsträger und KP-Generalsekretär Hu Yaobang Mitte April 1989 erhob sich im Herzen Pekings eine Bewegung für mehr Mitsprache und gegen Korruption. Die Regierung bekam die mehrwöchigen Proteste nicht in den Griff und ließ sie vom Militär zerschlagen. Am frühen Morgen des 4. Juni starben in den Straßen um den Tian'anmen-Platz Hunderte, wenn nicht gar Tausende Menschen etwa durch Schüsse. Die genaue Opferzahl ist bis heute nicht bekannt.
Hinterbliebene fordern bis heute Aufklärung und Entschädigung. Die Regierung komme ihrer Verantwortung nicht nach, verweigere Wiedergutmachung und unterdrücke öffentliche Diskussion über die Geschehnisse, teilten die "Mütter des Tian'anmen" vor dem Gedenktag mit.
Aktion in Hongkong, Andacht in Taipeh
In der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong spannte der Künstler Chen Sanmu am Mittwoch einen 6,4 Meter langen roten Faden nahe dem Victoria-Park, wo früher traditionell des Massakers gedacht worden war. Seit der Corona-Pandemie untersagt Hongkong die Andacht in dem Park. Berichten zufolge nahmen Polizisten in Zivilkleidung wenige Minuten später Chens Personalien auf und durchsuchten ihn. Die 6,4 Meter symbolisieren das Datum der Ereignisse, 4.6.
In der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh waren für den Nachmittag und Abend (Ortszeit) Gedenkveranstaltungen geplant. Mittlerweile finden die größten Erinnerungstreffen auf der seit Jahrzehnten unabhängig regierten Insel statt, die China für sich beansprucht und deren Regierung sie als Separatisten bezeichnet.
USA gegen Geschichtsauslöschung
Mit US-Außenminister Marco Rubio meldete sich ein weiterer Kontrahent der Führung in Peking zu dem Jahrestag zu Wort. Die Zensur könne die Erinnerungen an die militärischen Angriffe auf friedliche Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz im Jahr 1989 nicht auslöschen, sagte Rubio. Nach Angaben von Menschenrechtlern hatten chinesische Truppen das Feuer auf pro-demokratische Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz eröffnet und töteten Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen.
"Am 4. Juni gedenkt die Welt dem 37. Jahrestag, an dem die Kommunistische Partei Chinas ihren Truppen befahl, Tausende friedlicher Demonstranten auf und um den Tiananmen-Platz anzugreifen", sagte Rubio in einer Erklärung. "Keine noch so strenge Zensur kann die Vergangenheit auslöschen. Diejenigen, die Opfer gebracht haben, um ihre unveräußerlichen Rechte auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlung zu verteidigen, werden eines Tages rehabilitiert werden."
Rubios Erklärung dürfte chinesischen Dissidenten und Befürwortern der Demokratie in einer Zeit Mut machen, in der Präsident Donald Trump wiederholt seine Beziehung zu Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping preist. Die chinesische Botschaft in Washington reagierte nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme zu Rubios Äußerungen.
Taiwan mahnt China zur Aufarbeitung des Tiananmen-Massakers vor 37 Jahren
Taiwan hat China am Donnerstag anlässlich des 37. Jahrestags der Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz zur Aufarbeitung der Ereignisse aufgerufen. Er hoffe aufrichtig, dass sich China dem Vorfall vom 4. Juni vor 37 Jahren stelle, die Wahrheit anerkenne, den Schmerz lindere und die Tür für Versöhnung und Dialog öffne, erklärte der taiwanesische Präsident Lai Ching-te.
Die blutige Niederschlagung der wochenlangen, pro-demokratischen Proteste von Studenten und Arbeitern auf dem Platz des Himmlischen sind in China ein Tabuthema. Es wird offiziell nicht diskutiert. China machte damals Konterrevolutionäre für die Unruhen verantwortlich, die die Kommunistische Partei stürzen wollten, und hat nie eine vollständige Zahl der Todesopfer bekannt gegeben. Weltweit waren für Donnerstag mehrere Gedenkveranstaltungen geplant.
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