Illies neuer historischer Roman mit Gegenwartsparallelen

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Bestsellerautor Florian Illies auf der Pfaueninsel

Bild: APA/APA/dpa/Maximilian Specht


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Florian Illies, Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" und Bestsellerautor, erzählt in seinem neuen Roman "Träume aus Feuer" die Geschichte von Johannes Kunckel (1635-1703), eines Naturphilosophen und frühen Chemikers, auch Alchimist genannt, und zeigt Parallelen zur Gegenwart. Das Buch liefert das Fundament für einen neuen Verlag. Der Pfaueninsel Verlag ist eine Gründung des Kölner Massentitelkonzerns Bastei Lübbe für den gehobenen Buchmarkt.

Der 55-jährige Illies schreibt seit bald drei Jahrzehnten Bestseller. Neben Daniel Kehlmann ist er einer der angesagtesten deutschsprachigen Autoren unserer Zeit. Die Präsentation von "Träume aus Feuer" fand auf der in der Berliner Havel gelegenen Pfaueninsel statt, heute ein Ausflugsziel. Über Jahrhunderte war sie Rückzugsort preußischer Fürsten und Könige. Sie bauten hier Liebesschlösser, trafen Mätressen, sammelten Wildtiere wie Löwen und Kängurus, siedelten 1795 auch Pfauen an. Über ein ganzes Jahrhundert verloren die Preußen jedoch das Interesse an ihrem Besitz. Die Pfaueninsel war vergessen.

Aufstieg und Fall

So erging es auch dem spektakulärsten Bewohner und Kurzzeitbesitzer der Insel, Johannes Kunckel. In nur zwei Jahren häufte dieser, vom Großen Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) an den preußischen Hof in Potsdam gerufen, ein Vermögen an und gründete mit der Luxus-Glasbläserei eine neue Industrie. Eigentlich sollte er für seinen Fürsten Gold herstellen. Das misslang. Aber dafür brannte Kunckel Glas in wunderbarem Rubinrot und leuchtendem Kobaltblau. Mit dem Verkauf dieses Produktes sanierte der Kurfürst seinen maroden Haushalt und finanzierte seinen barocken Lebensstil.

Zum Dank überhäufte der Fürst Kunckel mit Geschenken. Das wichtigste: Pfauenwerder. Zu diesem Zeitpunkt war das nur ein verwunschenes Eiland voller Kaninchen. Kunckel ließ sich ein Laboratorium, eine Mühle und eine Glasbläserei errichten. Fortan dampfte und köchelte es wie bei Kunckels großer Konkurrenz in dieser Zeit, den Glasbläsern von Murano bei Venedig.

Die Schattenseiten des schnellen Ruhms: Am barocken Hof, wo alle um die Gunst des Fürsten buhlen, schmieden die Kinder des Herrschers ebenso Intrigen gegen Kunckel wie die Höflinge. Unmittelbar nach dem Tod des Herrschers 1688 fällt Kunckel in Ungnade.

Ein sehr heutiger Konflikt

Der Konflikt ist ein sehr heutiger: "Schon vor dem Tesla aus der Fabrik in Grünheide kam aus Brandenburg ein Luxusprodukt für die Welt - Kunckels rubinrotes Glas", sagt Illies. Kunckel - ein Elon Musk des Barock, der Große Kurfürst ein Trump? Naheliegend, findet Illies den Vergleich. Schließlich sei im Weißen Haus auch alles golden, so wie einst im Barock in den Schlössern. Höflinge gibt es dort auch genug, denke man nur an die digitalen Feudalherren aus dem Silicon Valley.

Für Illies ist sein Buch auch eine "Parabel für die Kraft des Träumens: Dass das, wovon wir träumen, nicht gelingt, aber am Ende gelingt etwas anderes. Der Kurfürst träumt vom Gold und bekommt Glas. Aber das ist so wertvoll, dass es ihn ebenso reich werden lässt."

Für Illies steht sein Buch für die Kontinuität seines Werks. "Mich fasziniert, in die Vergangenheit hineinzuspringen und meine Leserinnen und Leser mitzunehmen und ihnen dann Vergangenheit als Gegenwart zu erzählen". So wolle er immer wieder vor Augen führen, dass den Menschen oft nicht klar war, dass sie in Umbruchzeiten leben. Auch ist "Träume aus Feuer" aktueller, als man es sich wünscht.

(S E R V I C E - Florian Illies: "Träume aus Feuer", 120 Seiten, Pfaueninsel Verlag, 21,50 Euro)

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