Israelischer Biennale-Künstler konsterniert über Proteste
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von AgenturenUnter Wasser: Der israelische Pavillon
Bild: APA/APA/Hoeller/herwig g. hoeller
Auf Plakaten in ganz Venedig ist von einem "genozidalen Pavillon" die Rede, für Freitag eine weitere Demonstration angekündigt, und der rumänisch-israelische Künstler Belu-Simion Fainaru könnte ungewollt eine maßgebliche Rolle dafür gespielt haben, dass heuer keine regulären Preise bei der Biennale vergeben werden. Mit seiner meditativen Rauminstallation im Israel-Pavillon hat dies inhaltlich gar nichts zu tun, Fainaru sind diese Diskussionen aber hörbar nahegegangen.
Vor dem israelischen Pavillon, der bedingt durch die Renovierung des traditionellen Pavillons in den Giardini 2026 im Arsenale Unterschlupf gefunden hat, stehen am späten Mittwochnachmittag zwei Uniformierte, einige Stunden zuvor hatten Besucherinnen und Besucher des Biennale-Previews vor Ort demonstriert. "Das war sehr laut, sie haben Dinge geworfen und es gab bedrohliche Bewegungen", erzählte Fainaru im Gespräch mit der APA. Diese Demonstrationen seien nicht spontan, und irgendjemand würde für ihre Organisation bezahlen, gab er sich überzeugt.
Künstler sieht Parallelen zu Holocaust-Vorgeschichte
Angesichts von Medienberichten habe er zwar eine Kampagne erwartet, jedoch gedacht, dass sie stärker im Hintergrund bleiben würde. "Bevor du es nicht fühlst, weißt du das nicht wirklich", sagte er konsterniert. Ob der Rücktritt der internationalen Jury im Vorfeld der Biennale wirklich mit seiner Präsenz zu tun hat, weiß er nicht genau - es habe keine Kontakte mit der Jury gegeben. Nachdem sie noch wenige Tage zuvor deutlich gemacht hatte, israelische und russische Künstler nicht auszeichnen zu wollen, waren die fünf Jurymitglieder am 30. April überraschend dann ganz zurückgetreten. Die Hintergründe ihrer Entscheidung legten sie dabei nicht offen.
Boykott-Aufrufe gegen Israel, die sich auch auf den Pavillon beziehen, erinnerten den Künstler an Ereignisse vor mehr als 80 Jahren. "Das ist genau die gleiche Strategie: zu boykottieren, nichts mehr von gewissen Leuten kaufen, sie nicht mehr studieren lassen oder als Architekten arbeiten zu lassen, ihnen verbieten, an Ausstellungen oder Sportveranstaltungen teilzunehmen", erklärte der Künstler in Anspielung auf die Vorgeschichte des Holocaust. Da nicht mehr von einer einmaligen Maßnahme die Rede ist, sondern Boykott strategisch eingesetzt werde, befürchtete er, dass Schlimmeres folgen könnte. Unfair fühlt er sich von großen westlichen Medien behandelt. Diese hätten einen gegen ihn gerichteten Brief einer aus anonymen Aktivisten bestehenden Organisation abgedruckt, seine schriftliche Reaktion jedoch nicht berücksichtigt. Er selbst trete für Dialog ein.
Wassertropfen und zyklisches Weltbild
Nichts zu tun mit den aktuellen politischen Diskussionen, die sich insbesondere mit Israels militärischer Antwort auf den Terrorangriff der Hamas 2023 und der Lage der Palästinenser beschäftigten, hat indes die Pavillon gezeigte Arbeit selbst. Die Rauminstallation "Rose of Nothingness" ("Rose des Nichts") bezieht sich ausgehend von kabbalistischer Mystik auf ewige Fragen und auf ein zyklisches Weltbild, in denen sich Brüche und Wiederherstellung wiederholen.
Mit Hilfe eines österreichischen Teams montierte der Künstler im alten Arsenale-Gemäuer eine Bewässerungsanlage, die in einem Raster dosiert Wasser in ein Becken tropfen lässt. Hervorgerufene Wellen an der Oberfläche sorgen in Verbindung mit dem Klang für einen meditativen Effekt. Das dunkle Wasser erinnerte den Künstler an die "schwarze Milch der Frühe" aus der Todesfuge von Paul Celan. Im Eingangsbereich findet sich zudem eine gefrorene schwarze Rose in einem Gefrierschrank sowie in einem Glas ein eiförmiges Objekt mit der Aufschrift "Das gehört zu nirgends und in eine andere Zeit". Letzteres war 2019 auch der Titel von Fainarus Biennale-Beitrag im rumänischen Pavillon. Damals wurde gegen ihn freilich nicht demonstriert.
(Von Herwig Höller/APA)
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