NGO: Israel führte Hunger im Gazastreifen absichtlich herbei
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von AgenturenKampf gegen den Hunger ist für die Kinder von Gaza besonders schlimm
Bild: APA/APA/AFP/BASHAR TALEB
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat Israel vorgeworfen, im Gazastreifen durch das absichtliche Zurückhalten von Lebensmitteln und Hilfsgütern eine "Unterernährungskrise erzeugt" zu haben. Betroffen seien vor allem Kinder, Schwangere und stillende Frauen, erklärte die Organisation in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht. Die NGO stützt ihre Angaben auf eine Untersuchung der Lage in vier von ihr unterstützen Gesundheitseinrichtungen in dem Palästinensergebiet.
Demnach gab es in diesem Zeitraum eine deutlich höhere Zahl an Frühgeburten, an verstorbenen Säuglingen unterernährter Mütter sowie einen starken Anstieg der Zahl von Fehlgeburten. MSF verwies dabei auf die israelische Blockade des Gazastreifens und auf Angriffe auf zivile Infrastruktur. Die Untersuchungen betreffen den Zeitraum zwischen Ende 2024 und Anfang dieses Jahres.
Ärzte ohne Grenzen forderte die israelischen Behörden am Donnerstag auf, ungehindert Hilfsgüter in den Gazastreifen zu lassen. Die MSF-Vertreterin Merce Rocaspana erklärte, vor dem Gaza-Krieg sei Mangelernährung im Gazastreifen "nahezu nicht existent" gewesen.
Die militant-islamistische Palästinenserorganisation Hamas und ihre Verbündeten hatten mit ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg ausgelöst. Seit Oktober vergangenen Jahres ist eine maßgeblich von den USA vermittelte Waffenruhe in Kraft; allerdings werfen sich Israel und die Hamas gegenseitig Verstöße gegen das Abkommen vor. Die Lage im Gazastreifen bleibe "äußerst fragil", erklärte Ärzte ohne Grenzen.
Kritik an Hilfsstiftung
Die Hilfsorganisation kritisierte auch die Folgen des Verteilens von Hilfsgütern durch die umstrittene GHF-Stiftung, die von den USA und Israel unterstützt wurde und mittlerweile ihre Arbeit im Gazastreifen beendet hat. Die Ausgabestellen seien "tödlich" gewesen, erklärte José Mas von Ärzte ohne Grenzen. Während der Zeit, in der die GHF tätig gewesen sei, sei in den von MSF unterstützten Einrichtungen in dem Palästinensergebiet ein "starker" Anstieg der Zahl von Menschen verzeichnet worden, "die wegen Gewalt an den Verteilstellen sowie der mit Nahrungsmittelmangel verbundenen Unterernährung medizinische Hilfe suchten". Die Zahl der Ausgabestellen für Nahrungsmittel im Gazastreifen sei bis Ende Mai 2025 unter der GHF von rund 400 auf vier gesunken.
Die GHF hatte ab Mai vergangenen Jahres die zuvor zuständigen UN-Organisationen als Hauptverteiler von Hilfsgütern im Gazastreifen abgelöst. Ihr Einsatz wurde unter anderem von den Vereinten Nationen kritisiert. Eineinhalb Monate nach Inkrafttreten des Waffenstillstands im Gazastreifen im Oktober beendete die Stiftung im November ihre Hilfsmission in dem Palästinensergebiet.
Wieder Kriegstote
Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind unterdessen nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Behörden erneut sechs Menschen getötet worden. Darunter war ein hochrangiger Offizier der Hamas-Polizei. Mehrere weitere Menschen seien zudem schwer verletzt worden, darunter der Sohn eines hohen Funktionärs der Hamas, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Sicherheits- und Klinikkreisen.
Das Al-Ahli-Krankenhaus in der Stadt Gaza meldete die Einlieferung von "drei Toten und mehreren Verletzten nach einem israelischen Drohnenangriff auf das Viertel Seitun südöstlich von Gaza". Bei separaten israelischen Angriffen in anderen Teilen des Küstengebiets wurden zwei weitere Menschen getötet und mehr als ein Dutzend Menschen verletzt, wie der Hamas-Zivilschutz und Krankenhäuser mitteilten. Darüber hinaus seien mindestens 17 weitere Menschen verletzt worden. Eine israelische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.
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