Jugendliche sollen an Oberstufen mehr Wahlfreiheit bekommen
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von AgenturenJugendliche sollen stärker mitbestimmen können, was sie lernen müssen
Bild: APA/APA/dpa/Felix Kästle
Die Bundesregierung startet einen neuen Anlauf zur Weiterentwicklung der Oberstufen. Die Jugendlichen sollen durch ein Kurs-Modulsystem öfter wählen können, welche Fächer sie belegen und welche Inhalte sie vertiefen wollen. Theoretisch ist das schon jetzt möglich, noch ist ein echtes Modulsystem an den Oberstufen aber selten. Bis März sollen nun laut einem Ministerratsbeschluss administrative Hürden abgebaut werden, um den Schulen eine flexiblere Umsetzung zu ermöglichen.
Derzeit haben Schulen damit die Wahl zwischen der herkömmlichen ganzjährigen Form und einer "Semestrierten Oberstufe", wie die aktuellste Variante heißt. Bei ihr wird ab der 6. Klasse AHS und der 2. Klasse der Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) der Stoff in Semester-Module unterteilt, bei einem Fünfer muss nur das negative Modul wiederholt werden. Bei Bedarf bekommen die Schülerinnen und Schüler Beratung durch eine individuelle Lernbegleitung.
"Echtes" Modulsystem derzeit selten
Schulautonom kann außerdem auf ein Kurssystem umgestellt werden, bei dem die Jugendlichen sich in alternativen Pflichtgegenständen vertiefen oder Module aus höheren Semestern vorziehen können. Von den AHS haben sich laut der aktuellen Schulformensystematik des Bildungsministeriums gerade einmal 24 AHS für eine "Semestrierte Oberstufe" entschieden, unter den mindestens dreijährigen BMHS sind es immerhin 72 - wobei die unterschiedlichsten Modelle unter diesem Titel laufen.
Ein "echtes" Modulsystem, bei dem die Schüler die Fächer zum Großteil nach ihren Begabungen und Interessen wählen können, gebe es in der Praxis aber nur an sehr wenige Schulen, bedauerte SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer im APA-Gespräch. Einige Standorte seien zwar schon sehr weit. Organisatorisch sei das Ganze derzeit aber "relativ kompliziert", räumte er ein.
Künftig sollen vor allem die AHS-Oberstufen mehr Freiräume bekommen, um den Jugendlichen eine "flexible Schwerpunktbildung im Rahmen eines Kurs-Modulsystems" zu ermöglichen, heißt es im Ministerratsbeschluss. Geht es nach der SPÖ, sollen Schülerinnen und Schüler unter diesem Titel nicht nur mehr Unterrichtsstunden als bisher nach den eigenen Interessen aussuchen können. Im Idealfall sollen sie auch bei allen Pflichtgegenständen die Wahl haben zwischen einem Basismodul und einem Modul zur Vertiefung bzw. zusätzlichen Förderung. Ein komplettes Abwählen von Pflichtfächern wie Mathematik sollte aus Himmers Sicht auch in Zukunft nicht möglich sein. "Es gibt einen etablierten Fächerkanon, der sollte auch grundsätzlich erhalten bleiben."
Himmer: "Weg von Sitzenbleiben in Jahrgangsstufen"
Bei den Regeln zum Sitzenbleiben sieht er ebenfalls Änderungsbedarf, die aktuellen seien zu kompliziert. Bei der "Semestrierten Oberstufe" kann man nur noch mit maximal einem bzw. einmalig mit zwei negativen Modulen ins nächste Semester bzw. die nächste Klasse aufsteigen und die Semesterprüfung nur einmal wiederholen, das ist weniger als bei früheren Modellen. "Damit ist das Aufsteigen nicht wesentlich anders als in einer Ganzjahresschule geworden", so Himmer, der "von diesem Sitzenbleiben in Jahresstufen" wegkommen will. Er möchte deshalb mit Schüler-, Eltern und Lehrervertretung über Änderungen diskutieren, die das Sitzenbleiben vermeiden.
Es gehe ihm nicht ums Leichtermachen, stellte der ehemalige Lehrergewerkschafter klar. "Das Ziel ist, dass in der Schule meine besonderen Interessen gefördert werden und ich mich spezialisieren kann." Wie die Umsetzung an den einzelnen Standorten konkret aussieht, will Himmer mit Verweis auf die schon jetzt bestehende Vielfalt den Schulen überlassen. Eine Mindestmaß - Module wenigstens zur Vertiefung oder Förderung und Maßnahmen gegen Semester- bzw. Jahresverluste - sollte aus seiner Sicht allerdings für alle Oberstufen Pflicht sein.
Neue Regeln bis März 2027
Erste Schulversuche zur modularen Oberstufe wurden in Österreich schon vor mehr als 20 Jahren gestartet. Eine flächendeckende Umsetzung ist - auch auf Druck von Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern - schon zweimal gescheitert, das letzte Mal liegt gerade einmal vier Jahre zurück. Neben dem Namen des Modells - "Modulare Oberstufe", "Neue Oberstufe", nun "Semestrierte Oberstufe" - haben sich auch dessen Regeln mehrfach geändert. So wurde etwa die Zahl der negativen Module, mit denen man aufsteigen kann, reduziert und ein "Aufheben" der Prüfung bis zum Schulabschluss ist nicht mehr möglich.
Diesmal will die Regierung das Modulsystem über mehr schulautonome Freiräume in die Breite bringen. Neben neuen rechtlichen Rahmenbedingungen hat sie dafür bis März 2027 auch Begleitmaßnahmen wie pädagogische Konzepte, Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und Unterstützungsangebote für die Standorte angekündigt. Bisherige Erfahrungen mit der modularen Oberstufe sollen "berücksichtigt und in die Weiterentwicklung integriert" werden.
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