KI-Avatare machen vor US-Zwischenwahlen Stimmung für Trump

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von Agenturen

Hyper-realistisch aber nicht real: KI verändert die Demokratie

Bild: APA/APA/AFP/CHRIS DELMAS


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Bis zu den Zwischenwahlen zum US-Kongress dauert es noch fast ein halbes Jahr, doch der Wahlkampf in den Onlinediensten ist längst voll im Gang: Blonde Frauen im Badeanzug oder in Militäruniform überschütten in Videos Donald Trump mit Lob und verunglimpfen seine Gegner. Diese Fans des US-Präsidenten wirken real, doch tatsächlich sind sie Produkte Künstlicher Intelligenz. Seit Langem nimmt Desinformation vor Wahlen zu, doch mit KI erreicht die Manipulation ein neues Ausmaß.

"Trump ist die Zukunft Amerikas", heißt es in einem KI-generierten TikTok-Video, das eine Jugendliche am Strand zeigt, während im Hintergrund die US-Flagge weht. "Wenn ihr für Trump gestimmt habt, sagt es laut in den Kommentaren, und ihr habt eine neue Followerin aus Texas", verspricht eine vom Computer erschaffene Frau in einem anderen Clip. Hyperrealistische KI-Avatare, die Trumps politische Slogans wie "America First" nachplappern und seine Positionen zu Themen wie Migration vertreten, überschwemmen derzeit die Plattformen.

Unklar ist, wer hinter diesen falschen Konten steckt. Auch ist nicht auszumachen, ob es sich um eine koordinierte Kampagne im Vorfeld der Wahl im November handelt, die darüber entscheidet, ob Trumps Republikaner die Kontrolle über den Kongress behalten. Anfang des Jahres veröffentlichte der Präsident selbst auf seiner Plattform Truth Social ein Video eines glamourösen platinblonden KI-Avatars, der falsche Korruptionsvorwürfe gegen den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom von den oppositionellen Demokraten verbreitete.

Entlarvt

US-Medien entlarvten in den vergangenen Monaten hunderte von KI-generierten Influencern - junge Männer und Frauen, manche dargestellt als Einwanderungsbeamte, die sich im Sinne Trumps zu brisanten politischen Themen wie Abtreibung oder dem Iran-Krieg äußerten. Auch das KI-Forschungszentrum Grail der Purdue-Universität spürte zahlreiche solcher Accounts auf TikTok, Instagram und Facebook auf.

"Die immer größer werdende Welle politischer KI-Influencer im Vorfeld der Wahlen 2026 gibt einen Einblick in eine Zukunft, in der hyper-zielgerichtete KI-Inhalte genutzt werden können, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen", sagt Andrew Yoon von CivAI, einer gemeinnützigen Organisation, die sich mit den Möglichkeiten und Gefahren von KI befasst. Solche Inhalte seien "immer schwerer zu erkennen, insbesondere wenn sie von versierten Akteuren erstellt werden".

Ein KI-Influencer auf Instagram, der Bilder einer lebensechten Soldatin postete, die neben Trump posiert, sammelte fast eine Million Follower, bevor der Account gesperrt wurde. "Ich bin wirklich sprachlos, wie viele Typen Influencern folgen, die eindeutig KI sind", kommentierte die KI-Expertin Justine Moore von der Investmentfirma Andreessen Horowitz auf der Plattform X den Fall.

Alle Seiten arbeite damit

Auch auf der gegnerischen Seite gibt es KI-generierte Propaganda. Ein Video bei Facebook zeigt Trump, wie er in schmuddeligem Gewand auf einem Dreirad vor einer mit Schwertern bewaffneten Meute flieht.

Automatisierte Bots, Trolle und gefälschte Accounts verbreiten seit Jahren vor Wahlen Fake News und beeinträchtigen so den politischen Diskurs. KI vervielfacht das Potenzial der Manipulation. Forscher warnen, dass Deepfakes Wahlen beeinflussen und geopolitische Ereignisse verzerren können.

Die Gesichter, Stimmen und auch die Argumente der KI-Influencer scheinen echt und wecken die Illusion einer wirklichen politischen Bewegung. Doch nicht immer steckt politisches Interesse hinter solchen Accounts, manchen geht es offenbar um Kommerz. Ein künstlicher Trump-Influencer auf Instagram lenkt Nutzer auf eine Website, auf der Kunstwerke zu Preisen von bis zu 500 Dollar verkauft werden.

Daniel Schiff von der Purdue-Universität rechnet damit, dass die politischen KI-Influencer bis zur Wahl im November noch mehr werden: "Doch viele von ihnen verfolgen kommerzielle Ziele und nutzen die Politik eher als Mittel zum Zweck."

(Von Anuj Chopra/AFP)

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