Kunstbiennale: Musik aus verschlossenem russischen Pavillon
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von AgenturenJournalisten durften einen Blick in den russischen Pavillon werfen
Bild: APA/APA/Wolfgang Huber-Lang/Wolfgang Huber-Lang
Der russische Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig bleibt für die Öffentlichkeit geschlossen, setzt aber auf hörbare Präsenz. Von Dienstag bis Freitag treten täglich von 10 bis 18 Uhr zehn Musikgruppen innerhalb des Gebäudes auf. Die Musiker nehmen ihre Stücke auf, die anschließend in Dauerschleife während der gesamten Biennale abgespielt werden, wie italienische Medien berichteten.
Auf diese Weise geht Russland mit den europäischen Sanktionen um: Zwar erklingt Musik, der Pavillon selbst bleibt jedoch verschlossen. Journalistinnen und Journalisten konnten sich aber im Rahmen einer Preview ein Bild vom Inneren machen. Unter den auftretenden Gruppen ist das Toloka Ensemble unter Leitung von Aleksej Retinsly, das Werke aus der Region Belgorod an der Grenze zur Ukraine präsentiert.
Live-Performances geplant
Für die drei Tage der "Vernissage" am 6., 7. und 8. Mai sind Live-Performances geplant, die gefilmt und anschließend als Projektion an den Außenflächen gezeigt werden. Russische Aktivisten und Künstler im Exil haben Gegeninitiativen gestartet. Nadya Tolokonnikova von der Gruppe Pussy Riot plant eine Gegenausstellung inhaftierter russischer Künstler während der Preview-Tage in Venedig.
Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, versucht inzwischen, Spannungen mit dem italienischen Kulturminister Alessandro Giuli zu entschärfen. Er lud Giuli ein, persönlich nach Venedig zu kommen, und betonte, Kultur sei weder rechts noch links: "Es geht um freie Menschen mit freiem Denken". Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco verteidigte erneut die Kunstfreiheit. "Kunst ist stärker als jede Unterdrückung", sagte er.
Zum ersten Mal seit Beginn der Invasion in die Ukraine nimmt Russland wieder an der Biennale teil. Dass der Pavillon vertreten ist, wurde am 4. März bekannt, als die Biennale die Liste der teilnehmenden Länder veröffentlichte. Dies führte sofort zu Kontroversen: Das italienische Kulturministerium distanzierte sich, Ministerpräsidentin Giorgia Meloni stellte klar, dass die Regierung gegen die russische Präsenz sei. Kulturminister Giuli kündigte an, der Eröffnung am 9. Mai fernzubleiben. Eine offizielle Eröffnungszeremonie wird es in diesem Jahr nicht geben.
EU-Kommission gegen Wiedereröffnung von Russlands Pavillon
Die Europäische Kommission hat am Dienstag die Entscheidung der Biennale von Venedig verurteilt, Russland die Wiedereröffnung seines Pavillons zu gestatten. Sie hatte zuvor an die Biennale geschrieben, dass die Wiedereröffnung möglicherweise gegen europäische Sanktionen gegen Moskau im Zusammenhang mit der Invasion der Ukraine verstoße und dass dadurch Fördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro gefährdet seien.
Henna Virkkunen, Vizepräsidentin der EU-Kommission für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, erklärte auf einer Pressekonferenz in Brüssel, die Kommission habe "auf Grundlage weiterer Beweise" ein zweites Schreiben an die Biennale geschickt. "Ich habe sehr deutlich gemacht, dass ich die Entscheidung der Biennale, Russland die Teilnahme an der Kunstausstellung zu erlauben, entschieden verurteile", so Virkkunen.
Die Biennale wird am Samstag eröffnet - ironischerweise fällt dieser Tag auch auf den Europatag. "Der Europatag sollte ein Tag sein, an dem wir den Frieden feiern, und keine Gelegenheit für Russland, sich auf der Biennale zu präsentieren", so Virkkunen.
Auch Italiens Kulturminister Alessandro Giuli kritisierte die Entscheidung, den Russen die Wiedereröffnung des Pavillons zu gestatten - wenn auch nicht für die Öffentlichkeit - und forderte ein Umdenken. In der vergangenen Woche entsandte das Kulturministerium Inspektoren zur Biennale, um Informationen über den Schritt einzuholen. Russland hatte nach seiner Invasion im Jahr 2022 die letzten beiden Biennale-Ausstellungen verpasst und zuletzt 2019 teilgenommen.
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