"Lügen explodieren": APA-CEO Pig beschwört die Kooperation
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von AgenturenClemens Pig (hier im Vorjahr) hat sein neues Buch vorgestellt
Bild: APA/APA/MAX SLOVENCIK/MAX SLOVENCIK
APA-CEO Clemens Pig hat am Montagabend im APA-Pressezentrum sein jüngst erschienenes Buch "Welt ohne Wahrheit" vorgestellt. Dabei beschwor er in Anwesenheit zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter aus der Medienbranche die Kooperation, um den digitalen Raum von den internationalen Big-Tech-Giganten zurückzuerobern. "Es ist spät, aber wir haben noch die Gelegenheit, Dinge zu ändern", sagte er mit Blick auf eine "Dekade der Desillusionierung", in der "Lügen explodieren".
Das im Brandstätter Verlag erschienene Buch ist der zweite Teil von Pigs "Democracy Dies in Darkness"-Reihe, analysiert den besorgniserregenden Status quo in der neuen Welt- und Kommunikationsordnung und liefert Antworten auf Fragen wie: Wie kommen verlässliche Informationen wieder zu den Menschen? Und: Wie können Medien ihre Arbeit aus eigener Kraft finanzieren, statt von Plattformlogiken abhängig zu bleiben?
"Kooperation als Antwort auf brutale Digitalwelt"
Es erschien in dem Jahr, in dem die APA in ihrer heutigen Form 80 Jahre alt wird. Den Gründungsgedanken bzw. die Erkenntnis, dass es selbst für Konkurrenten am Markt Sinn macht, sich an einen Tisch zu setzen und gewisse Dinge gemeinschaftlich zu unternehmen, bezeichnete er als "stark" und "unglaublich mutig". Auch heute sei "Kooperation als Antwort auf eine brutale Digitalwelt" gefragt, so der gebürtige Tiroler. "Würde es die APA nicht geben, wir würden sie heute gründen", zeigte er sich überzeugt. Schließlich hätten sich stets jene durchgesetzt, die anpassungsfähig und bereit zur Kooperation gewesen seien.
Seit mehreren Jahren beschäftige sich die Medienbranche nun damit, wie man Künstliche Intelligenz bestmöglich in den Nachrichtenbetrieb integrieren könne. "Wir haben in diesen drei Jahren übersehen, dass sich die KI eine andere Frage gestellt hat - nämlich: Wie bringen wir Journalismus in die KI?", blickte Pig auf von Medien produzierte Inhalte, die von KI-Anbietern "wie aus einem Rohstofflager geplündert" würden. "Ich liebe KI, ich liebe digital. Es gehört nur eingehegt", so der 51-Jährige, der darauf hinwies, dass Medien die Tagesbegleiter sein sollten - und nicht KI-Chatbots.
"Punkt erreicht, an dem Lügen explodieren"
"Es darf niemals ein Wahrheitsministerium geben, aber wir haben einen Punkt erreicht, an dem Lügen explodieren", zeigte sich Pig besorgt. "Jene, die Lügen massiv in die Welt bringen, wollen, dass wir überhaupt niemandem mehr vertrauen." Daher brauche es jemanden, der weiterhin versucht, die bestmögliche Version der Wahrheit zu liefern, beschwört Pig handwerklich saubere redaktionelle Arbeit. In puncto Distribution der Nachrichten sieht er aber einen guten Einsatzbereich für KI gegeben.
"Ich plädiere auf eine Informationsoffensive, einen Schulterschluss der Medien mit der Wissenschaft und Politik, um wesentlich klarer zu sagen: 'Es macht einen Unterschied, was wir konsumieren", sagte der Medienmanager. Er tritt in seinem Buch neben geteilter IT-Infrastruktur und -Lösungen und vehementem Rechte- und Lizenzmanagement etwa für ein kooperativ-redaktionelles Social Media ein, wo Nutzerinnen und Nutzer mit Journalismus in Verbindung treten. Es handle sich um eine Utopie, kein fertiges Modell, stellte Pig klar - eine "Einladung zu einer Diskussion, wie man einen Teil des Internets für die gute Sache" abseits von süchtig machenden Mechanismen zurückerobern könne.
"Manchmal ist ein Buch einfach nur ein Buch"
Vielfach wurde in den vergangenen Wochen gerätselt, ob Pig einen Unternehmenswechsel überlegt. Ob sein Buch als eine Art Bewerbung für die nächste ORF-Generaldirektorenperiode zu verstehen sei?, wollte "ZiB1"-Anchorman Tarek Leitner als einer der Moderatoren des Abends von Pig wissen. "Manchmal ist ein Buch einfach nur ein Buch", sagte Pig und wünschte eine spannende Lektüre.
(S E R V I C E - Clemens Pig: "Welt ohne Wahrheit. Demokratie verteidigen in der neuen Welt- und Kommunikationsordnung", Brandstätter Verlag, 216 Seiten, 25 Euro)
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