Mehr als "nur" Keramik: MAK widmet sich Vally Wieselthier

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"Flora" (1928) von Vally Wieselthier

Bild: APA/Wolfgang Huber-Lang


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Ihre farbenfrohen Keramikskulpturen kennt man in Wien, schließlich war Vally Wieselthier (1895-1945) eine der prägenden Gestalterinnen der Wiener Werkstätte. Doch so vielseitig hat man die in Wien geborene Künstlerin, die mit nur 50 Jahren in den USA gestorben ist, nicht in Erinnerung. "Bild und Ton" sei die "erste umfassende Ausstellung zu ihrem Werk", sagte Kurator Rainald Franz am Montag bei der Presseführung zu der am Dienstag eröffnenden Schau.

Rund 160 Objekte haben Franz und Co-Kuratorin Anne-Katrin Rossberg zu einem sechs Kapitel umfassenden, nicht streng chronologisch gegliederten Parcours durch Leben und Werk dieser selbstbewussten und an den vielfältigsten Designaufgaben interessierten Frau zusammengestellt: Glasvasen und Trinkservice, ein Kachelofen und Kaminverkleidungen, unzählige Keramikköpfe und -figuren, Zeichnungen und Entwürfe, Festdekorationen und Wandreliefs. Vally Wieselthier war auch als Textilkünstlerin und Gebrauchsgrafikerin erfolgreich, und ihre erste Auftragsarbeit in New York, wo sie 1928 nach einer Ausstellungsteilnahme im Metropolitan Museum kurzerhand geblieben war, waren Lifttüren für das Squibb Building in Manhattan.

Dekorativ und expressiv, verspielt und modern

So verspielt und dekorativ manche Motive heute wirken, so expressiv und modern war die in ihren Form-, Karriere- und Lebensgestaltung. Als sie 1938 von der Louisiana State University entlassen wurde, angeblich, weil sie kurze Hosen trug und ihren Hund in die Kantine mitgenommen hat, schickte sie Präsident Roosevelt persönlich ein Telegramm: "Tell these people who I am." - "Wir erzählen hier, wer sie war", sagte Rossberg. Dass man dies nun zumindest ansatzweise erfassen kann, liegt auch an zwei großen Teilnachlässen, die Wieselthiers Neffe Christopher B. Kender dem MAK überantwortet hat. Nun ist auch der gesamte Papier-Nachlass von Vally Wieselthier in Wien - und neben den Objekten bilden zahlreiche Fotos und Zeichnungen einen guten Teil der Exponate.

In Wien meldete sich die Tochter aus gutbürgerlichem jüdischen Elternhaus heimlich zur Aufnahmeprüfung an der Kunstgewerbeschule, der heutigen Universität für angewandte Kunst Wien, an und studierte dort bei Koloman Moser, Josef Hoffmann, Michael Powolny und der Textilkünstlerin Rosalia Rothansl. 1917 holte Hoffmann seine Studentin in die Wiener Werkstätte (WW). Diese ersten Jahre bezeichnete Wieselthier später als die glücklichsten ihres Lebens. Zwischendurch verließ sie die WW, um eine eigene Werkstätte zu gründen, doch ab 1927 leitete sie die Keramik-Produktion der WW und schuf dem neuen Frauenbild der Zwischenkriegszeit eine künstlerische Entsprechung.

1945 starb sie in New York an einem Krebsleiden. "Wäre sie nicht so früh gestorben, wäre sie wohl noch viel wichtiger geworden", meinte Franz. Die "New York Times" würdigte Vally Wieselthier in einem Nachruf als "internationally known as a leader of the modern school of ceramic art". Und in Wien erinnert seit 2011 ein Bodendenkmal von Iris Andraschek und seit 2021 ein kleiner Park an Vally Wieselthier.

(S E R V I C E - "Vally Wieselthier. Bild und Ton", Ausstellung im MAK, Wien 1, Stubenring 5, Eröffnung am Dienstag, 28.4., 19 Uhr. 29.4.2026-10.1.2027, Di 10-21 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr, www.mak.at )

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