Muzicant warnt vor Reisen nach Spanien

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von Agenturen

Ariel Muzicant (Archivbild)

Bild: APA/APA/ALEX HALADA/ALEX HALADA


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Als ehemaliger Präsident der IKG Wien, des Europäischen Jüdischen Kongresses und Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses ruft Ariel Muzicant "Juden und Israelis auf, Spanien DRINGEND zu meiden". "Seit dem 7. Oktober haben verschiedene antisemitische Äußerungen und Aktionen seitens der spanischen Regierung ein unerträglich antijüdisches und antiisraelisches Klima in Spanien geschaffen, wie es seit der Inquisition 1492 nicht mehr bestand", betonte Muzicant am Dienstag.

Von Seiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gab es auf APA-Anfrage keine Stellungnahme zu Muzicants Reisewarnung. Muzicant selbst verwies in einer OTS-Aussendung auf den spanischen Transportminister, Óscar Puente, der am Montag gemeint habe, die Gefahr für Europa seien nicht iranische Raketen, sondern Israel. Premierminister Pedro Sánchez wolle für hunderttausende illegale, meist muslimische Flüchtlinge den Aufenthalt legalisieren. "Gleichzeitig leben die wenigen Juden in Spanien in größter Angst vor Terroranschlägen, vor allem organisiert und orchestriert von den iranischen Botschaften und den Revolutionsgarden (in ganz Europa)", erklärte der ehemalige IKG-Wien-Präsident: "Dieses Verhalten der linken spanischen Regierung ist eine Schande für Europa!"

Spanien verhängte Sanktionen gegen Israel

Das Massaker der Hamas und anderer palästinensischer Terrororganisationen vom 7. Oktober 2023 an Israel und der darauffolgende Gaza-Krieg hat auf der ganzen Welt den Antisemitismus und Gewalttaten gegen Juden und Jüdinnen deutlich steigen lassen. Spanien zählt zu den schärfsten europäischen Kritikern der in Teilen rechtsextremen Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Die Regierung in Madrid erkannte als eines der ersten EU-Staaten Palästina als eigenständigen Staat an und Sánchez warf Israel einen Völkermord im Gazastreifen vor. Zudem verhängte Spanien Sanktionen gegen Israel und berief seine Botschafterin in Tel Aviv ab. Spanien boykottiert außerdem den Eurovision Song Contest in Wien wegen der Teilnahme Israels.

Die sozialistische Regierung von Sánchez untersagte den USA die Militärbasen im südlichen Andalusien für ihre Angriffe mit Israel auf den Iran zu benutzen, weshalb sie schon seit Wochen im Fadenkreuz von US-Präsident Donald Trump steht. Regierungschef Sánchez betont aber immer wieder, dass er klar zwischen "Judentum und der israelischen Regierung" unterscheide.

Die Jahreszahl 1492 markiert die Vertreibung hunderttausender Juden aus Spanien auf Basis des Alhambra-Edikts des Königspaares Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien. Tatsächlich gab Spanien bis vor wenigen Jahren noch für Nachfahren jüdischer Sepharden automatisch die spanische Staatsbürgerschaft. Es war eine "symbolische Wiedergutmachung" dafür, dass 1492 alle in Spanien lebenden Juden gezwungen wurden, entweder zum Christentum zu konvertieren oder das Land zu verlassen.

Politologe dementiert

"Wie in vielen anderen EU-Ländern gibt es natürlich auch in Spanien Proteste gegen das Vorgehen Israels in Gaza und im Iran. Doch von einem unerträglichen antijüdischem Klima kann man in Spanien auf keinen Fall sprechen", erklärte der spanische Politologe Pablo Simón im Gespräch mit der APA.

Von einer Massenlegalisierung vor allem illegaler muslimischer Einwanderer könne ebenfalls keine Rede sein. Auch wenn man mit Spanien stets die Bilder von afrikanischen Bootsflüchtlingen auf den Kanarischen Inseln im Kopf hat, kommt die größte Anzahl der Migranten in Spanien tatsächlich legal über Flughäfen und mit Touristenvisa aus den ehemaligen spanischen Kolonien Lateinamerikas - vor allem aus Kolumbien, Peru und Honduras.

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