Nach 37 Jahren: Ursula Storch nimmt Abschied vom Wien Museum

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Geht in Pension: Wien Museum Vizedirektorin Ursula Storch

Bild: APA/APA/WienMuseum/Sabine Hauswirth/Sabine Hauswirth


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Es wird nicht nur eine außergewöhnliche Ausstellung, sondern auch ein würdiger Abschied. Mit der von ihr kuratierten Schau "Schiele & Peschka. Eine Familienaufstellung", die am Mittwoch eröffnet wird, verabschiedet sich Ursula Storch nach 37 Jahren vom Wien Museum. Seit 2008 prägt sie das Haus als Vizedirektorin mit. 2014 war die Kunsthistorikerin und Germanistin als Favoritin für die Nachfolge von Direktor Wolfgang Kos gehandelt worden, verzichtete jedoch auf eine Bewerbung.

"Ich wollte nie ganz an der Spitze stehen, weil ich wahnsinnig gerne Wissenschafterin bin. Ich hatte einige Jahre die Sammlungsleitung und habe gemerkt, dass ich nur noch organisiert habe. Aber darüber definiere ich mich nicht. Ich möchte recherchieren, forschen, schreiben und neue Dinge herausfinden", sagt Storch im Gespräch mit der APA. Mit dieser Neugier hat sie dennoch auch das umgebaute und 2023 wiedereröffnete Haus am Karlsplatz geprägt: "Der Wal ist mein Baby!", lacht sie.

Den Wal ins Trockene gebracht

Ihr ist es nämlich zu verdanken, dass jene aus Holz und Kupferblech gefertigte, zehn Meter lange und 1,7 Tonnen schwere Tierskulptur, die bis 2013 das "Gasthaus zum Walfisch" im Prater schmückte und danach auf einer Deponie landete, wiederentdeckt, restauriert und noch während der Bauarbeiten mit einem Kran in die zentrale Halle des Wien Museums gehievt wurde - ein organisatorischer wie technischer Kraftakt sondergleichen, der zeigt, dass die Arbeit der zierlichen und zurückhaltenden Frau auch ohne direktorale Macht kräftige Spuren hinterlassen hat.

Im November 1988 promovierte Ursula Storch mit einer Arbeit über die Doppelbegabung des Dichters und Malers Albert Paris Gütersloh ("Auch weil ich mich selbst nie entscheiden konnte zwischen Literatur und bildender Kunst ..."), zwei Monate später begann sie bereits 1989 als Mitarbeiterin bei einer Ausstellung über Rosa Mayreder im damals von Günter Düriegl geleiteten Historischen Museum der Stadt Wien, wurde 1992 als Kuratorin angestellt - und ist dem Haus seither treu geblieben.

"Könnte ich sicher noch weitere 20 Jahre hier arbeiten, ohne dass mir fad würde"

"Für meine Interessen war es das richtige Museum. Kunstgeschichte alleine war mir immer zu eng. Kunstgeschichte alleine existiert auch gar nicht. Das Haus hat eine so breite, wunderbare Sammlung, mit der sich unendlich viel erzählen lässt. So gesehen könnte ich sicher noch weitere 20 Jahre hier arbeiten, ohne dass mir fad würde", lacht sie. Nach der Pensionierung von Hans Bisanz übernahm sie einen Bereich, um den sie viele Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt beneiden: "Das Haus hatte schon immer eine dezidierte 'Wien um 1900'-Kompetenz. Von hier ging ja auch die Initiative der bahnbrechenden 'Traum und Wirklichkeit'-Ausstellung 1985 im Künstlerhaus aus."

So konnte Storch etwa 2012 eine Klimt-Schau, aber vor allem 2019 eine große "Wien um 1900"-Ausstellung zusammenstellen, die während des Umbaus in Tokio und Osaka gastierte - auf 3.000 Quadratmetern statt auf 100 wie in der nunmehrigen Wiener Dauerschau. "Es ist toll geworden", lobt Storch das neue Gebäude, und fügt sofort hinzu: " ... aber natürlich viel zu klein". Dass man im neuen Wien Museum die Stadtgeschichte auch in Hörstationen mit Ausschnitten literarischer Texte geboten bekommt, geht auf ihre Initiative zurück - und wird wohl eine bleibende Hinterlassenschaft sein.

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Die "Sammlung Peschka": Mehrere Tausend Objekte

Für ihre letzte Ausstellung kann Ursula Storch auf einen besonderen Schatz zurückgreifen: Anton Peschka jun., der Sohn von Egon Schieles Schwester Gerti und dem mit Schiele eng befreundeten Maler Anton Peschka, vermachte bei seinem Tod 1997 den gesamten Nachlass der Stadt Wien. Die "Sammlung Peschka" umfasst neben mehreren Tausend Objekten, die wie in einer Zeitkapsel das Leben der Familie zu Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentieren (und von denen über 800 in der Ausstellung vorkommen), auch zahlreiche Kunstwerke - was zu einem mehrjährigen Rechtsstreit führte, da Teile der Familie das Testament anfochten. Seit 2001 kann er bearbeitet werden, 2007 machte die Stadt Wien schließlich fünf Millionen Euro locker, um vier Schiele-Bilder den anderen Hälfte-Eigentümern, den Kindern von Peschkas Bruder Egon, abzulösen.

Ursula Storch kann für die Schau nicht nur aus dem Vollen schöpfen, sondern auch mit einigen neuen Erkenntnissen zu der seit langem diskutierten Frage aufwarten, ob Peschka bei dem einen oder anderen Schiele-Werk selbst mit Hand angelegt hat. "Ich habe dafür die ersten wirklichen Beweise in der Korrespondenz von Anton Peschka gefunden", freut sich die Kuratorin, die nun belegen kann, dass manche Schwarz-Weiß-Zeichnung Schieles von seinem Freund nachträglich koloriert wurde, aber "kriminelle Energie" dabei ausschließt.

Zwei Nobelpreisträger

Die Ausstellung läuft bis 27. September. Zu diesem Zeitpunkt wird Ursula Storch schon fast einen Monat in Pension sein. Weil sie aber noch viel Resturlaub abzubauen hat, muss sie ihr Büro bis Ende Juni räumen. "Das ist schon bald", sagt sie und gesteht, "ein bisschen wehmütig" zu sein. Doch es seien rundum glückliche Jahre gewesen, betont sie beim Abschied. Sie habe auf vielen Dienstreisen interessante Museen in aller Welt besuchen ("Allein in Japan war ich 13 Mal.") und habe tolle Menschen kennenlernen dürfen, von Harald Szeemann über John Malkovich bis zu Carl Schorske, und mit Günter Grass und Eric Kandel auch zwei Nobelpreisträger durchs Museum geführt. "Meine Zeit hier hat mir Welten geöffnet."

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - "Schiele & Peschka. Eine Familienaufstellung", Wien Museum, Wien 4, Karlsplatz 8. Eröffnung am 29.4., 18.30 Uhr, 30.4. - 27.9., www.wienmuseum.at )

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