Osterwaffenruhe im Ukraine-Krieg soll beginnen
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von AgenturenBis Sonntagsende sollen die Waffen schweigen
Bild: APA/APA/Press service of the 93rd Separa/IRYNA RYBAKOVA
Anlässlich des orthodoxen Osterfestes soll im Ukraine-Krieg am Samstagnachmittag (16.00 Uhr Ortszeit, 15.00 MESZ) eine knapp eineinhalbtägige Waffenruhe beginnen. Nach Angaben des russischen Machthabers Wladimir Putin endet die Feuerpause mit Ablauf des Sonntags. Zuvor hatte die Ukraine mehrfach eine Osterwaffenruhe vorgeschlagen.
Darauf verwies Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Reaktion auf die Kreml-Mitteilung und kündigte an, entsprechend zu handeln. Orthodoxe Christen in der Ukraine und in Russland feiern Ostern erst an diesem Sonntag.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte am Freitag der russischen Staatsagentur TASS zufolge, die Waffenruhe habe ausschließlich humanitären Charakter. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha schrieb auf X, sein Land werde sehen, wo und wann die Waffenruhe einsetze, und sei ihrerseits bereit, darauf zu reagieren. Aus Sicht der Ukraine gebe es keine Notwendigkeit, die Angriffe wieder aufzunehmen.
Kurz vor Waffenruhe vier Tote
Kurz vor der geplanten Waffenruhe wurden ukrainischen Behörden zufolge in Odessa am Schwarzen Meer mindestens zwei Menschen getötet. Bei den Toten handle es sich um eine 38 Jahre alte Frau und einen 32 Jahre alten Mann, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es habe auch Verletzte, Schäden an zahlreichen Wohnhäusern und an einem Kindergarten gegeben, teilte die Verwaltung der Stadt mit.
In der Stadt Poltawa habe ein "feindlicher Drohnenangriff" ein Geschäft und ein Café getroffen, erklärte die regionale Militärverwaltung. Dabei sei ein Mensch getötet worden, ein weiterer Mensch sei verletzt worden. In der nordöstlichen Region Sumy trafen russische Drohnenangriffe laut der regionalen Militärverwaltung mehrere Wohngebiete. Dabei wurden 14 Menschen verletzt, unter ihnen ein 14-Jähriger und eine 87-Jährige.
Die zentralukrainische Region Dnipropetrowsk habe seit Freitagabend mindestens zehn russische Drohnen- und Artillerieangriffe erlebt. Das berichtet Oleksandr Hanzha, Leiter der regionalen Militärverwaltung. Laut seinen Angaben auf Telegram wurden die Städte Nikopol, Pokrowsk und Marhanez getroffen. Dabei starb ein 67-jähriger Lkw-Fahrer in Nikopol. Die Angriffe lösten ein Feuer aus und beschädigten eine Fabrik, ein Hochhaus und ein Geschäft. In der Stadt Synelnykowe sollen eine Infrastruktureinrichtung und ein privates Haus getroffen worden sein. Verletzte soll es keine geben.
Das russische Verteidigungsministerium sprach Samstag früh von 99 abgeschossenen ukrainischen Drohnen. Zu Treffern oder Schäden machte das Ministerium keine Angaben. In der Stadt Krymsk in der südrussischen Oblast Krasnodar ist der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform zufolge in der Nacht von Freitag auf Samstag auf dem Gelände eines Öldepots ein Feuer ausgebrochen. Auslöser des Feuers waren abstürzende Drohnenteile auf dem Gelände. Der Brand sei bis zum Morgen gelöscht worden, teilten die örtlichen Behörden mit. Verletzte gebe es nicht.
Friedensverhandlungen pausieren wegen Iran-Krieg
In dem seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat es bereits mehrere Versuche einer zeitlich begrenzten Waffenruhe an Feiertagen gegeben - beide Seiten warfen einander dann aber Verstöße vor. Kiew betrachtet eine Waffenruhe als Schritt hin zu einem Kriegsende, Moskau dagegen will zuerst Konfliktfragen lösen.
Bei den Friedensverhandlungen zwischen Moskau und Kiew unter US-Vermittlung hatte es zuletzt nach Angaben der Beteiligten Fortschritte gegeben. Allerdings ist vor allem wegen der offenen Frage einer Lösung für das Gebiet Donezk bisher keine Einigung in Sicht. Moskau kontrolliert bisher den größten Teil des Gebiets, verlangt aber für ein Kriegsende auch die letzten Kilometer inklusive der für Kiew strategisch wichtigen Städte Kramatorsk und Slowjansk. Die Ukraine lehnt solche Gebietsabtretungen als Geschenk an die russischen Besatzer kategorisch ab.
Zudem gibt es seit Beginn des Iran-Kriegs eine Verhandlungspause. Kiew und Moskau hatten sich zwar für eine rasche Wiederaufnahme der Gespräche ausgesprochen. Einen Termin für trilaterale Verhandlungen gibt es aber nicht.
Ukrainischer Geheimdienst mahnt zur Vorsicht
Der ukrainische Geheimdienst SBU warnte die Menschen davor, den Ankündigungen Putins zu vertrauen und mahnte zur Achtsamkeit. "Trotz der Erklärungen des Aggressorstaates über eine sogenannte Waffenruhe geben die feindlichen Geheimdienste ihre Pläne nicht auf, arbeiten weiterhin gegen die Ukraine und greifen auf informationspsychologische Spezialoperationen, Provokationen, Terroranschläge und Sabotageakte zurück", hieß es in einer in Kiew veröffentlichten Mitteilung des SBU.
Der Geheimdienst gab an, dass russische Agenten gezielt Konflikte zwischen Vertretern verschiedener Konfessionen und Religionsgemeinschaften schüren wollten. Und es gebe Versuche des Feindes, "Ukrainer für die Vorbereitung von Terroranschlägen und die Steuerung von Luftangriffen auf die zivile Infrastruktur unseres Staates zu rekrutieren", hieß es.
Der SBU rief die Menschen vor dem Osterfest auf, verdächtige Personen und Gegenstände oder Auffälligkeiten zu melden und besonders beim Besuch von Großveranstaltungen wachsam zu sein. Wichtig sei zudem, den Luftalarm bei Angriffen nicht zu ignorieren, bei Gefahr Schutzräume aufzusuchen und sich an die Ausgangssperre zu halten.
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