Pferdepfeiferln und Kunst: Schiele & Peschka im Wien Museum
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von AgenturenIn die Welt von Schiele und Peschka analog und digital eintauchen
Bild: APA/APA/Wolfgang Hauptmann/Wolfgang Hauptmann
Ein Nachlass gibt neue Einblicke in die Welt von Egon Schiele: Das Wien Museum präsentiert mit "Schiele & Peschka. Eine Familienaufstellung" eine "Mega-Ausstellung auf kleinstem Raum", wie es am Mittwoch bei einem Medientermin hieß. Erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen ist eine Glasvitrine Schieles, gefüllt mit Büchern, Objekten und Erinnerungsstücken, die der Künstler sammelte. "Aber Bilder und Möbel zu zeigen, war mir zu wenig", betonte Kuratorin Ursula Storch.
Egon Schieles Schwester Gerti war mit dem Maler Anton Peschka verheiratet, Schieles Freund und Künstlerkollegen. Peschka, während des Ersten Weltkriegs eingerückt, verlor den Anschluss an die Malerei der Avantgarde und blieb im Schatten seines Schwagers. Sein 1997 verstorbener Sohn Anton Peschka jun. vermachte den gesamten Nachlass, die "Sammlung Peschka", die nicht nur Kunstwerke umfasst, sondern u.a. auch Briefe, Fotos, Ziergegenstände, Souvenirs und Bücher, der Stadt Wien.
"Es handelt sich um mehrere Tausend Objekte, eher Zehntausend. Um das irgendwie darzustellen, habe ich mir ein Art Musée Sentimental ausgedacht, wo man einen Querschnitt sieht, was dieser Nachlass alles beinhaltet", sagte Storch, die sich mit dieser Schau in die Pension verabschiedet, im APA-Gespräch. Alltagsgegenstände und persönliche Erinnerungsstücke Peschkas sind auf dem laut Direktor Matti Bunzl "größten Regal, den dieses Museum gesehen hat", platziert. Weitere Abschnitte der Schau beschäftigen sich mit dem "Maler Anton Peschka" und den "Kunstwerken Egon Schieles", am Ende geht es in "Schieles Atelier".
Kunst und "Pferdepfeiferln"
In der Originalvitrine Schieles, belegt durch ein zeitgenössisches Foto, tummeln sich neben volkstümlichen und künstlerischen Objekten teils kurios anmutende Sammelstücke wie "Pferdepfeiferln" (um 1900 beliebte geschnitzte Pfeiferln mit Pferdemotiven, Anm.) . Ein Stammbaum, biografische Porträts und ein Illustrationsfilm, basierend auf der Korrespondenz zwischen Peschka und seiner Frau, liefern weitere Informationen. 800 von 2.200 Briefen hat Storch dafür gelesen und ausgewertet.
"Ausgewählt haben wir - vor allem, was die Kunst anbelangt - nur das Best-of. Im Nachlass befinden sich Hunderte Kritzeleien, Kinder- und Studienzeichnungen, sowohl von Schiele als auch von Peschka, die man nicht ausstellen muss", betonte Storch. Zu sehen seien "die ganz wichtigen Dinge", alles andere gibt es an einer Recherchestation digital zu durchforsten. "Hier kann man sich hinsetzen und sich zu verschiedenen Themen vertiefen", erläuterte die Kuratorin und Vizedirektorin. Neben dem künstlerischen Aspekt ergibt sich ein Blick in die Familienbande.
"Fertiggestellte" Werke und "reiner Schiele"
"Man glaubt immer, dass über Egon Schiele schon alles in Erfahrung gebracht wurde. Wenn man so einen sehr persönlichen Nachlass erhält, ergeben sich doch noch bisher unbekannte Facetten. Das ist auch für die Wissenschaft interessant", sagte Storch. In der Schiele-Forschung besteht die Vermutung, dass einige seiner Werke gefälscht worden wären. Oft wurde Peschkas Name damit in Verbindung gebracht. In der im Nachlass erhaltenen Korrespondenz finden sich Hinweise darauf, dass er verschiedentlich sowohl Zeichnungen als auch Ölgemälde seines Schwagers "fertigstellte". Das unvollendete und unsignierte Werk "Mödling II", ebenfalls Teil der Präsentation, wiederum wurde von Restauratorin Karin Maierhofer als "reiner Schiele" (Storch) bestätigt.
Die Aufarbeitung und der Weg zur Ausstellung haben "eine Weile gedauert", so die Kuratorin, weil u.a das Testament von Anton Peschka jun. von Verwandten angefochten wurde. Vertiefen kann man sich anhand eines parallel erschienenen Katalogs mit Abbildung von mehr als 800 Objekten. 1.060 Gegenstände aus dem Nachlass sind via https://sammlung.wienmuseum.at zu betrachten. "Für mich ist diese Schau ein gutes Abschiedsprojekt", betonte Vizedirektorin Storch. Und Bunzl war für ihre langjährige Arbeit im Haus voll des Lobes: "Sie hat Unglaubliches geleistet für das Wien Museum und für die Stadt."
(S E R V I C E - "Schiele & Peschka. Eine Familienaufstellung" im Wien Museum, Wien 4, Karlsplatz 8, 30.4. bis 27.9., Dienstag, Mittwoch und Freitag 9-18 Uhr, Donnerstag 9-21 Uhr, Samstag und Sonntag 10-18 Uhr, www.wienmuseum.at )
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