Presserat 2025 mit mehr Fällen, aber weniger Verstößen

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von Agenturen

Presserat-Geschäftsführer Alexander Warzilek zog Bilanz

Bild: APA/APA/LUKAS WODICKA/LUKAS WODICKA


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Der Österreichische Presserat hat sich im Vorjahr mit 503 Fällen befasst und damit deutlich mehr als 2024 (426). Allerdings ging die Anzahl der Verstöße gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse etwas auf 25 zurück (2024: 27). Die "Kronen Zeitung" führte mit neun Ethikverstößen das Negativranking erneut an. Dahinter folgten mit "oe24" (6) und "Heute" (4) zwei weitere Boulevardmedien, wie aus der am Montag bei einer Pressekonferenz veröffentlichten Bilanz hervorgeht.

Aufsehenerregende Fälle waren etwa ein "Interview" mit Clint Eastwood im "Kurier", das in der Form nie stattgefunden und somit Aktualität vorgegaukelt hat, oder ein Bericht über eine junge Frau, die auf einer Straße in Dubai äußerst schwer verletzt gefunden wurde, wobei die Online-Nachrichtenseite vol.at die Gewalteinwirkung gegenüber der Ukrainerin mit einer Fotomontage ins Lächerliche zog und zusätzlich ein unverpixeltes Foto von der Betroffenen anfügte, auf dem sie leicht bekleidet zu sehen ist. Die "Neue am Sonntag" verübte einen schwerwiegenden Eingriff in die Intimsphäre einer Frau, indem bei einem Artikel über ebenjene Frau, die anonym ein Kind geboren hatte, online ein Artikel getaggt wurde, der ihren Vor- und Nachnamen enthält.

Ca. 100 Meldungen zum Amoklauf in Grazer Schule

Zum Amoklauf an einer Grazer Schule mit zehn Toten gingen rund 100 Meldungen ein, wobei das Selbstkontrollorgan mehrere Verfahren einleitete. Zwar kam es zu keinen eklatanten Ethikverstößen, doch sprach der Presserat etwa aufgrund eines Evakuierungsvideos, das auf krone.at und oe24.at Schülerinnen und Schüler in einer extremen Stresssituation zeigt, den Hinweis aus, mehr Zurückhaltung zu üben.

In den meisten Fällen wurde der Presserat aufgrund von Mitteilungen von Leserinnen und Lesern tätig (346), in 27 Fällen meldeten sich von der Berichterstattung betroffene Personen und in lediglich vier Fällen wurde einer der Senate des Presserats eigenständig tätig. "Der Presserat ist in interessierten Kreisen mittlerweile anerkannt", resümierte Geschäftsführer Alexander Warzilek angesichts der hohen Fallzahl. Keine Beschwerden gibt es bisher aufgrund der unlängst vom "Falter" veröffentlichten Chats von Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Vielleicht, weil Weißmann angekündigt hat, selbst gegen den "Falter" vorzugehen, überlegte Warzilek.

Ausweitung auf reine Onlinemedien

Bisher nicht in den Zuständigkeitsbereich des Presserats fallen reine Online-Medien - die Online-Nachrichtenseiten von Medien mit Printausgabe dagegen sehr wohl. "Es ist überfällig, dass wir reine Onlinemedien einbeziehen", so der Presserat-Geschäftsführer. Der Trägerverein befasse sich gerade damit, konkrete Formulierungen auszuarbeiten, die in die Verfahrensordnung einfließen könnten. Im November sollte die Ausweitung der Zuständigkeit erfolgen, prognostizierte Warzilek.

Dass die vom Medienministerium in Auftrag gegebene Studie "Journalismusförderung in Österreich" zu einer Neuordnung des Medienfördersystems die Vergabe von Mitteln u.a. an eine Selbstkontrolle knüpft, sieht Warzilek als Zeichen der Anerkennung. "Es ist grundsätzlich zu begrüßen, wenn man Medienethik stärken will", sagte er, betonte aber, dass es sich letztlich um eine Entscheidung der Politik handle. Wenig praktikabel wäre es nach Ansicht Warzileks, weitere Einrichtungen abseits des Presserats zu gründen, die sich mit verschiedenen Gattungen befassen. Die Berichterstattung verschwimme ohnehin zusehends. Zudem würde die journalistische Selbstkontrolle in Ländern mit mehreren Einrichtungen nicht so gut funktionieren, so der Presserat-Geschäftsführer.

Prinzipiell gehe es dem Presserat nach finanziellen Schwierigkeiten vor mehreren Jahren mittlerweile "ok". "Kurz- und mittelfristig sind wir gut aufgestellt", sagte Warzilek. Aber: "Je stärker die Inflation, desto enger wird es mit der Zeit." Sollte die Politik mehr einfordern und etwa die Zuständigkeit ausgeweitet werden, "dann müsste man sich etwas überlegen".

(S E R V I C E - Der Tätigkeitsbericht 2025 mit detaillierteren Infos zu den Fällen ist unter www.presserat.at abrufbar)

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