"Räume, die von gestern träumen": MAK zeigt Thomas Demand

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Gesamtraumgestaltung: Thomas Demand im MAK

Bild: APA/Wolfgang Huber-Lang


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"Räume, die von gestern träumen", nennt der deutsche Künstler Thomas Demand seine Ausstellung, die am Dienstagabend im Wiener MAK eröffnet - ein Raum, der an eine Kunstlagerstätte in einer Höhle oder Grotte erinnert und einen von Abgeschiedenheit alltäglicher Hektik und steigender globaler Temperaturen träumen lässt, ist es geworden. "Thomas Demand hat unseren Contemporary-Raum in ein Environment verwandelt", sagte MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein bei der Presseführung.

Den Marmorboden des Raumes hat Demand, der 2009 im mumok seine Fotoserien "Presidency" und "Embassy" als nicht ganz detailgetreue Nachbauten geschichtsrelevanter Orte präsentierte, belassen, an den Wänden aber großflächig eine Tapete affichiert, die an Höhlen erinnert, in Wahrheit aber zerknittertes Papier ist, das er in seinem Atelier fotografierte. Zusammen mit acht eigens von ihm entworfenen Deckenlampen, die das Ganze in ein kühles Industrielicht tauchen, entsteht die Anmutung einer unterirdischen Lagerhalle. "Alle Negative werden einmal in ehemaligen Salzlagerstätten aufbewahrt werden", erläuterte der 1964 Geborene, der diesmal keine Orte nachgebaut und danach fotografiert, sondern vielschichtige Abbilder bestehender Modelle erzeugt hat.

Bühnenbildmodelle vom Barock bis zur Jahrhundertwende

Für die von Bärbel Vischer kuratierte und bis 24. Jänner laufende Ausstellung hat sich Demand in drei Museen eingehend mit historischen Bühnenbildmodellen vom Barock bis zur Jahrhundertwende beschäftigt. Diese im Theatermuseum Wien, dem Nouveau Musée National de Monaco und dem Deutschen Theatermuseum München aufbewahrten schachtelgroßen Raumsimulationen hat er aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Tiefenschärfen fotografiert und diese jeweils 80, 90 Einzelaufnahmen dann digital zusammengesetzt. "Diese Bildwelt bleibt bewusst offen. Berge, Landschaften, Bäume, Blüten, Architekturen und Schiffe erscheinen als Motive einer Erzählung, die sich nicht schließt, sondern fortwährend weiterträgt", heißt es dazu im Pressetext.

Aus Bühnenbildmodellen für "Tannhäuser" oder "Guillaume Tell" ergeben sich so rund zwei Dutzend großformatige Aufnahmen, die in vielfältiger Weise Natur- und Architekturlandschaften Richtung Abstraktion führen und weniger den Hintergrund realer Bühnenhandlung als die Grundlage für vielfältige Traum- und Gefühlswelten zu bilden scheinen. Eine konkrete, greifbare Vorlage verwandelt Demand mittels komplexer Bearbeitungsschritten in eine nach vielen Seiten offene Projektionsfläche, die mit einem Bild auch in die vis-a-vis gelegene Barock-Ausstellung ausufert.

Gruppenausstellung im fjk-3

In Wien ist Thomas Demand in den kommenden Wochen auch als Kurator zu erleben: Im fjk3-Kunstraum am Franz Josefs-Kai hat er die Gruppenausstellung "Passants parmi les pierres" zusammengestellt, in der er 27 Positionen aus Fotografie, Film und Skulptur versammelt. Die Werke, die u.a. von Kunstprominenz wie Tacita Dean, Fischli und Weiss, Thomas Struth, Anna Viebrock und Jeff Wall stammen, "bewegen sich zwischen Reportage und Rekonstruktion, zwischen beobachtetem Moment und inszeniertem Bild, zwischen historischem Ereignis und seiner Darstellung". Sie brächten die Wirklichkeit, auf die sie verweisen, zugleich hervor: "Wahrnehmung als Konstruktion, Erinnerung als Montage, das Bild als Form von Geschichte." Die Ausstellung sei als räumliche Bewegung durch die Räume angelegt, die vom Autor Clemens J. Setz mit als "Assoziation, Erinnerung, Beobachtung oder kurze Erzählung" angelegten Bildlegenden kommentiert oder konterkariert werden, heißt es dazu.

(S E R V I C E - "Thomas Demand: Räume, die von gestern träumen", MAK Contemporary, Wien 1, Stubenring 5, Eröffnung: 26.5., 19 Uhr, 27.5.2026-24.1.2027, Di 10-21 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr; Ausstellung "Passants parmi les pierres" im fjk3-Raum für zeitgenössische Kunst, Wien 1, Franz-Josefs-Kai 3, Eröffnung: 28.5., 19 Uhr, 29.5.-20.9., Mi bis So, 12-18 Uhr, Fr 12-20 Uhr)

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