Selenskyj kündigt Beratung mit europäischen Partnern an
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von AgenturenSelenskyj will mit Deutschland, Frankreich und GB sprechen
Bild: APA/APA/AFP/LUDOVIC MARIN
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat für Freitag Beratungen mit den Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien angekündigt. "Ich habe ein Gespräch mit den Partnern der E3 (Europa 3) geplant", sagte er in einer Videobotschaft, die in der Stadt Slawutitsch nördlich von Kiew aufgezeichnet wurde. "Wir werden darüber sprechen, wie unser gemeinsamer Druck und unsere gemeinsame diplomatische Arbeit die Lage real beeinflussen können".
Das sagte Selenskyj, ohne Details zu nennen. Angaben zum Format der Beratung machte er nicht. Weil er in der Ukraine ist, dürfte eine Videoschaltung gemeint sein.
Friedensbemühungen liegen auf Eis
Die Bemühungen um ein Ende des seit mehr als vier Jahren dauernden russischen Angriffskrieges lagen in den vergangenen Wochen auf Eis. Die USA, die sich nicht als Verbündete der Ukraine, sondern als Vermittler sehen, waren durch den Iran-Krieg abgelenkt. Die europäischen Verbündeten Kiews waren bisher eher am Rande beteiligt. Sie diskutieren aber, mit welchen Forderungen und welchen Unterhändlern man wieder mit Russland über ein Kriegsende reden sollte. Moskau gibt sich gesprächsbereit, rückt aber nicht von seinen maximalen Kriegszielen ab.
Sorgen an der Grenze zu Belarus
Selenskyj befand sich in Slawutytsch fast an der Grenze zu Belarus. Er beriet nach eigenen Angaben mit den Führungen der Gebiete Kiew und Tschernihiw, wie die Grenzregion besser gegen mögliche Angriffe aus dem Nachbarland geschützt werden kann. Russland wolle seinen Verbündeten Belarus stärker in den Krieg hineinziehen, warnte er. Schon 2022 sei Belarus Ausgangspunkt von Angriffen gewesen.
Belarus werde sich an diesem Krieg nur beteiligen, wenn es selbst angegriffen werde, sagte dagegen Machthaber Alexander Lukaschenko in Minsk nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur BELTA. Er erklärte sich bereit zu einem Treffen mit Selenskyj "an einem beliebigen Ort, in Belarus, in der Ukraine", um über die Beziehungen zu sprechen. Das Präsidialamt in Kiew erwiderte, dass es mit Lukaschenko nichts zu besprechen gebe.
Am Donnerstag waren von beiden Seiten Tote und Verletzte gemeldet worden. Durch russische Gleitbomben- und Drohnenangriffe wurden im umkämpften ostukrainischen Gebiet Donezk vier Zivilisten getötet und weitere fünf verletzt. In der frontnahen Kleinstadt Druschkiwka seien zunächst drei Männer durch den Abwurf der Gleitbomben ums Leben gekommen, teilte die regionale Staatsanwaltschaft auf Telegram am Donnerstag mit. Eine Stunde später habe eine Drohne einen Pkw getroffen, ein Insasse sei getötet worden.
Druschkiwka liegt südlich von Kramatorsk und nur etwa 20 Kilometer von den vordersten russischen Linien entfernt. Russische Kampfjets klinken die Bomben im sicheren eigenen Luftraum aus, die dann über Dutzende Kilometer gelenkt ins Ziel gleiten. Die Ukraine hat bisher kaum ein Gegenmittel gegen diese Waffe. Sie hat aber nach Angaben von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow in Medienberichten eine eigene ukrainische Gleitbombe mit 250 Kilogramm Sprengstoff entwickelt, die bald zum Einsatz kommen solle.
Zwei Tote durch ukrainischen Drohnenangriff
Zuvor hatte es geheißen, in Russland seien bei einem ukrainischen Drohnenangriff zwei Menschen getötet worden. Sie seien bei einer Attacke auf die Stadt Sysran in der südwestlichen Region Samara gestorben, erklärte Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew im Onlinedienst Telegram. Ein weiterer Mensch sei verletzt worden. In der Ukraine meldeten die Rettungsdienste zudem zwei Tote sowie mehrere Verletzte nach russischen Angriffen auf die Regionen Tschernihiw und Dnipropetrowsk. Sysran ist Standort einer bedeutenden Erdölraffinerie. In der russischen Grenzregion Belgorod wurden den Angaben zufolge zudem drei Menschen bei ukrainischen Drohnenangriffen verletzt.
Russland überzieht das Nachbarland Ukraine seit mehr als vier Jahren mit einem verheerenden Krieg. Die Ukraine greift ihrerseits regelmäßig Ziele auf russischem Staatsgebiet an, teils auch weit entfernt von der eigenen Grenze. Kiew bezeichnet dies als Reaktion auf die nahezu täglichen russischen Angriffe auf ukrainische Städte seit Beginn des Konflikts vor mehr als vier Jahren. Erklärtes Ziel der Ukraine ist es, russische Militäreinrichtungen und Energieanlagen zu treffen. Damit soll Russland nach Regierungsangaben daran gehindert werden, Einnahmen aus fossilen Energieträgern zur Finanzierung seiner militärischen Anstrengungen zu nutzen.
Diplomatie erschlafft
Die von den USA angeführten diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Konflikts befinden sich seit Wochen in der Sackgasse. Seit Ende Februar wird die Aufmerksamkeit Washingtons zudem durch den Krieg gegen den Iran gebunden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte in Sozialen Medien den ukrainischen Angriff auf die Raffinerie. Er danke den Drohnen- und Spezialeinheiten für ihre Treffsicherheit, schrieb er. Dazu veröffentlichte er einen Zusammenschnitt von Videos, die die brennende Raffinerie zeigen sollen. In Sozialen Medien kursierten nicht überprüfbare Fotos und Videos, die das Feuer zeigen sollen.
Die russische Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa warf Selenskyj Zynismus vor. Er prahle zynisch mit Angriffen vor seinen ausländischen Unterstützern, denen sie wiederum direkte Hilfe bei den "Terroranschlägen" in Russland vorwarf. Selenskyj verfolge einen Kurs der weiteren Eskalation, sagte Sacharowa.
Kreml will nichts von Treibstoffmangel wissen
Der Kreml sieht trotz ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Raffinerien keine Gefahr für die landesweite Kraftstoffversorgung. Auf die Frage, ob es diesbezüglich Risiken gebe, antwortete Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Moskau mit "Nein". Zwar könne es in einigen Regionen Drosselungen der Produktion geben, dies liege jedoch auch an saisonalen Wartungsarbeiten. "Insgesamt wurde die gesamte Kraftstoffbilanz kalkuliert, und es besteht das notwendige Ausgleichssystem."
Die Nachrichtenagentur Reuters hatte unter Berufung auf Insider und Daten berichtet, dass die jüngsten Drohnenangriffe der Ukraine in fast allen großen Ölraffinerien in Zentralrussland zu einem Stopp oder einer Drosselung der Kraftstoffproduktion geführt hätten. Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe auf die russische Energieinfrastruktur zuletzt verstärkt.
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